Newsticker

Staatsregierung mahnt: Corona-Regeln gelten auch für Nikolaus
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Opfer erkennt Täter nicht

Prozess

19.10.2017

Opfer erkennt Täter nicht

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen eine rockerähnliche Bande sagten Zeugen am Landgericht Ulm aus. Das Bild zeigt den ersten Verhandlungstag am Mittwoch der vergangenen Woche.

Haben acht Angeklagte am Schwörmontag einen türkischen Imbiss überfallen? Hinter dem Angriff einer Rockerbande auf einen anderen Clan-Chef steckt wohl ein politisches Motiv

Der Überfall auf einen türkischen Imbissladen am Schwörmontag 2016 hat einen politischen Hintergrund. Es ging weniger um Drogen- und Schutzgelderpressungen, wie anfangs vermutet, als um einen immer heftiger werdenden Konflikt zwischen einer kurdisch-links orientierten Gruppe und türkischen Nationalisten. Wie berichtet, müssen sich seit 11. Oktober acht in Ulm geborene Männer mit kurdischen Wurzeln vor dem Landgericht Ulm verantworten. Der Staatsanwalt wirft ihnen unter anderem gemeinschaftlichen Landfriedensbruch vor, was mehrjährige Freiheitsstrafen nach sich ziehen kann.

Gestern sagten der Besitzer des Imbisses und sein 44-jähriger Vater als Zeugen aus. Letzterem galt der Anschlag vermutlich. Er war damals Präsident der türkisch-nationalistischen „Osmanen Germania“ Ulm, die sich nach seinen Angaben mittlerweile aufgelöst hat. Wer von dem Mann und seinem 21-jährigen Sohn Aussagen erwartete, die Angeklagte konkret belasten, wurde enttäuscht – mit einer Ausnahme. Der Ex-Präsident der rockerähnlichen Osmanen und sein Sohn konnten oder wollten bis auf einen Beschuldigten keinen als Täter erkennen. Die Angeklagten sollen Anhänger der Gruppe „Bahoz“ sein, die der in Deutschland verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahesteht.

Der Vater des Budenbesitzers berichtete zögerlich, wie er den Überfall erlebt haben will. Er habe sich am 18. Juli 2016 mit einem Freund vor dem Imbiss aufgehalten, als kurz vor 19 Uhr etwa 15 bis 17 Leute vor dem voll besetzten Lokal aufgetaucht seien – zum Teil maskiert und mit Flaschen und Steinen in den Händen. Hunderte von Schwörmontags-Besuchern wurden Zeugen, wie Wurfgeschosse durch die Fenster der Imbissstube flogen.

Der Zeuge und sein Freund wurden von drei Männern attackiert. Eine Flasche flog gegen den Kopf des 44-Jährigen. Wie andere Kunden flohen beide ins Innere des Ladens. Die Täter verschwanden in der Menge, doch Schaulustige nahmen offenbar Handybilder auf. Wie schwer diese Aufnahmen Aufschlüsse über die Täter geben, offenbarte sich vor Gericht. Der Zeuge hatte bei Polizeiverhören vor einem Jahr bestätigt, dass ihm einige bekannt schienen. Doch ob die Männer mit Sicherheit die Täter seien, konnte er nicht sagen. Auch auf anderen Bildern sah er Türken, die er kannte. Ob sie beim Überfall dabei gewesen seien, könne er nicht bezeugen.

Über die „Osmanen Germania“ sagte der Mann, dass der Konflikt mit „Bahoz“ in der Gründungsstadt Frankfurt aufgeflammt sei und sich schnell ausgeweitet habe. In der Region Ulm/Neu-Ulm hätten sich die beiden Gruppen zunächst über Facebook beobachtet. Im Gerichtssaal wurde ein Foto aus dem sozialen Netzwerk gezeigt, das kurz vor dem Überfall vor dem Imbissladen aufgenommen worden war. Es zeigt martialisch wirkende Männer, die breitbeinig im Halbkreis stehen, ihre Gesichter sind nicht erkennbar.

Der 21-jährige Ladenbesitzer schilderte, dass in der Nacht vor dem Schwörmontag eine Fensterscheibe des Imbisses eingeschlagen worden war. Dennoch sei er vom Überfall überrascht worden. Den genauen Ablauf habe er nicht verfolgen können, weil er auf dem Boden Schutz gesucht habe. Einige der Angeklagten kenne er, aber ob sie mit der Attacke etwas zu tun hätten, könne er nicht sagen. Auf Fotos konnte er niemanden identifizieren. Nur am Rande habe er im Vorfeld von Drohanrufen bei seinem Vater gehört. Dieser ergänzte, dass er ein Treffen mit örtlichen „Bahoz“-Anhängern vorgeschlagen habe, um über den Konflikt zu sprechen. Diese seien aber nicht gekommen.

Die häufigste Antwort, die der 44-Jährige gab, war: „Ich weiß es nicht.“ Er sagte meist „Nein“, wenn er gefragt wurde, ob er einen Angeklagten bei dem Überfall gesehen habe. Es war ein guter Tag für die Verteidiger. Die Verhandlung wird am 25. Oktober fortgesetzt. Dann sind acht Zeugen geladen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren