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Landkreis Neu-Ulm

02.02.2019

Paris, Los Angeles, Pfaffenhofen: Ein Profi-Gitarrist und seine Karriere

Für Peter Kiessling ist der Musikunterricht in Pfaffenhofen eine erfüllende Aufgabe. Nach einer langen Karriere, die ihn auch in die Vereinigten Staaten führte, kehrte der Profigitarrist wieder in den Landkreis Neu-Ulm zurück.
Bild: Willi Baur

Plus Peter Kiessling spielte in seiner Karriere mit namhaften Musikern. Jetzt unterrichtet er an der Pfaffenhofer Außenstelle der Musikschule Weißenhorn.

Peter Kiessling ist in seinem Leben viel herumgekommen: Er studierte Musik in Trossingen und Paris, spielte als Gitarrist solo und mit namhaften Bands vor allem in Hamburg, Los Angeles und Las Vegas. Jetzt unterrichtet er Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Pfaffenhofer Außenstelle der Musikschule Weißenhorn. Aber auch als Musiker bei unterschiedlichsten Anlässen ist der vielseitige 69-Jährige noch immer unterwegs.

Der gebürtige Schleswig-Holsteiner, der weitgehend in Bellenberg und Ulm aufwuchs, sagt: „Der Unterricht macht mir sehr viel Freude und ist eine erfüllende Aufgabe.“ Einige seiner Schüler seien ihm schon seit Jahren vertraut. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Er will ihnen mehr als einen soliden Umgang mit der Gitarre vermitteln. Natürlich weiß Kiessling, dass die Motivation gerade in jungen Jahren unterschiedlich ausgeprägt ist und die Freizeitgestaltung von vielen Faktoren beeinflusst wird. Unabhängig davon möchte er im Unterricht für das Saiteninstrument begeistern, das ihn schon als Zehnjährigen fasziniert hat. Und für die Musik schlechthin. „Sie ist ungemein wichtig für die Persönlichkeitsbildung, später auch für Gemüt und Gehirn“, ist Kiessling überzeugt.

Als Kind brachte er sich selbst das Gitarrespielen bei

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Zweifellos profitieren seine Schüler von einer kaum zu übertreffenden Vielseitigkeit des Musikers. Sein Credo lautet bis heute: „Ich will immer noch dazulernen, mich verbessern und weiterentwickeln.“ Das tat er im Grunde schon als Kind. Mit seiner ersten Gitarre brachte er sich das Spielen zunächst selbst bei. Eine wertvolle Hilfe waren für ihn Schallplatten des dänischen Gitarristen Jörgen Ingmann.

Erste Erfahrungen mit einer Jazzband kamen dazu, im Keller unterhalb der Wohnung, in der er nach dem frühen Tod des Vaters mit seiner Mutter lebte. Weitere Bands und Formationen folgten, mit immer wieder neuen musikalischen Einflüssen auf den hochtalentierten Jugendlichen: die Beatles, wenig später der Soul, aus den USA schnell an die Donau transferiert insbesondere von dort stationierten Soldaten. „In Ulm war damals viel los“, erinnert sich Kiessling an die 1960er-Jahre, mit viel Livemusik in Klubs, Kasernen und in der Donauhalle, wo er mit einer Band auch mal einen Wettbewerb gewonnen hatte. Besonders angetan aber hatten es ihm die regelmäßig eingeflogenen Musiker und Sänger, die sonntags vor allem im Wiley in Neu-Ulm aufgetreten sind. „Echte Profis“, wie der Nachwuchsgitarrist schnell feststellen konnte.

Klar hat auch er im Frühling 1968 mit seiner Schulklasse gegen die Notstandsgesetze demonstriert, da blieb im Abiturjahrgang am Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium keiner außen vor. Ansonsten freilich seien die Unruhen dieser Phase, die politischen Umbrüche, an ihm „völlig vorbei“ gegangen. „Ich hatte schlichtweg keine Zeit“, sagt der 69-Jährige heute. Für ihn im Fokus standen andere Dinge, Notenstudium vor allem und Musiktheorie für die Aufnahmeprüfung an der Hochschule in Trossingen. Maßgeblich gefördert hat ihn damals der renommierte, in Ulm lebende Gitarrist und Komponist Bernhard Rövenstrunck, zunächst als Dozent an der VH, später als Professor an der Musikhochschule im Schwarzwald.

Peter Kiessling: "Die Leute haben hier haben mich für verrückt erklärt"

Rückblickend resümiert der Musiker: „Eigentlich hatte ich nie die Absicht, Klassik-Gitarre zu studieren, der persönlichen Kontakte wegen bin ich aber doch hängen geblieben.“ Es waren Kontakte wie später noch oft in seinem Leben. Zum Konservatorium in Paris etwa, wo er sich nicht nur die Konzertreife erarbeitete, sondern auch einen anspruchsvollen Wettbewerb gewann.

Unterrichtet hat er als junger Musiklehrer ebenfalls, anfangs in Paris, in Starnberg und am Konservatorium in Hamburg-Blankenese, wo er selbst Nachwuchspädagogen ausbildete. Das ging einher mit Engagements als Studiomusiker beim Norddeutschen Rundfunk und bei Radio Bremen, verbunden mit Tourneen, Fernsehproduktionen, Plattenaufnahmen und weiteren musikalischen Erfahrungen und Prägungen. Hinzu kamen neuen Begegnungen, etwa mit Olivia Molina – seinerzeit eine Größe im Schlagergeschäft, später auf Musical, Tango und lateinamerikanische Folklore spezialisiert. Ihr Bruder war es, der Kiessling die nächste entscheidende Weichenstellung ermöglichte: den Sprung in die USA.

„Dafür habe ich alles aufgegeben. Die Leute hier haben mich für verrückt erklärt“, erzählt Kiessling und lacht. „Aber ich habe es nie bereut“, sagt er und meint damit alle 21 Jahre in Kalifornien und Nevada, 18 davon in Los Angeles und drei in Las Vegas. Sie brachten noch mehr neue Begegnungen, teilweise lukrative Angebote und musikalische Herausforderungen, vielfach mit ganz großen Profi-Akteuren jener Zeit: Eric Marienthal etwa, Mike Paulo, John Balbuena und weitere mehr. Kiessling trat in florierenden Klubs, diversen Studios und bekannten Hotels auf. Und er tourte durch andere US-Staaten und Asien, drei Monate war er auf Taiwan.

Der Anschläge vom 11. September in den USA waren für ihn Signal zur Heimkehr

Dennoch wurde der Gitarrist immer wieder konfrontiert mit unverhofften Rückschlägen, Trennungen und der einen oder anderen finanziellen Durststrecke. Eine davon überbrückte er als Labor-Fahrer: „Ein toller Job, aber leider schlecht bezahlt.“ Häufig zog er um, nicht immer ganz freiwillig. Etwa wenn Schießereien im Viertel das Leben dort zu unsicher gestalteten.

Auch die beiden entscheidenden Brüche in seinem Arbeitsleben im Westen der USA waren nicht von ihm selbst verursacht: „In LA war der Einsatz von Discjockeys das Ende der Live-Bands“, sagt Kiessling. Sie waren billiger, flexibler und vielleicht auch pflegeleichter als die anspruchsvollen Musiker. Zudem kam in der Spielerstadt Las Vegas nach den Flugzeug-Attentaten vom 11. September 2001 der Tourismus für lange Zeit zum Erliegen – für ihn das Signal zur Heimkehr.

Was hat er mitgebracht? „Unvergleichliche Erfahrungen in jeder Beziehung“, sagt der 69-Jährige heute, vor allem aber ein komplettes Repertoire an Stilrichtungen eines Gitarristen: Klassik ohnehin, Rock, Jazz, Blues, Fusion und Latin, praktiziert mit einer Salsa-Band. Vieles davon will und kann er jetzt weitergeben. Seine Schüler wüssten es zu schätzen, sagt der Rückkehrer. Er selbst hat jetzt auch mehr Zeit für Kreatives: Eine eigene CD ist fast fertig, Bass und Schlagzeug-Elemente dazu liefern Freunde aus den USA per Internet. „Einen Markt dafür gibt es sicher nicht“, sagt Kiessling, „aber es ist originell und macht einfach Spaß.“

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