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Weißenhorn/Pfuhl

10.10.2017

Per Mausklick zum regionalen Genuss

Ein Internet-Marktplatz, der regionale Anbieter von Lebensmitteln mit Kunden zusammenbringt, die frische Produkte aus der näheren Umgebung kaufen wollen: das ist die Idee hinter dem Projekt „Fund Your Farmer“.
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Ein Internet-Marktplatz, der regionale Anbieter von Lebensmitteln mit Kunden zusammenbringt, die frische Produkte aus der näheren Umgebung kaufen wollen: das ist die Idee hinter dem Projekt „Fund Your Farmer“.
Bild: Symbolfoto Alexander Kaya

Die Jungunternehmer Julian Weritz und Marvin Arnold vertreiben übers Internet frische Lebensmittel aus der Umgebung. Bauern und Kunden sollen davon profitieren.

Wenn Jungunternehmer Julian Weritz über sein Projekt „Fund Your Farmer“ (zu Deutsch: Unterstütze deinen Landwirt) spricht, dann ist zu spüren, wie viel Zeit, Energie und Herzblut der 26-Jährige in das Projekt gesteckt hat. So erzählt der Student der Betriebswirtschaftslehre davon, wie die Idee, regionale Lebensmittelproduzenten und Verbraucher über das Internet zusammenzubringen, vor drei Jahren entstand. Wie er zusammen mit seinem Partner und Schulfreund Marvin Arnold Absagen einstecken musste oder durch ganz Deutschland tourte, um Unterstützer zu finden. Das Ziel der beiden: „Wir wollen den Hofladen ins neue Zeitalter bringen.“

Und das haben sich die beiden Weißenhorner so gedacht: Zusammen haben sie „Fund Your Farmer“ als Internetmarktplatz aufgebaut, auf dem Verbraucher aus der Region regionale, frische Lebensmittel einkaufen können – bequem am Computer von zu Hause aus. Die Ware kommt von Bauern aus der Region, ohne Zwischenhändler, die die Lebensmittel unnötig verteuern. Seit Kurzem ist die Internetseite www.fundyourfarmer.de online. Dort können Nutzer ihren Wohnort eingeben, damit ihnen Lebensmittel aus der unmittelbaren Umgebung angeboten werden. Zur Auswahl stehen verschiedene Kategorien. Im Angebot sind Obst, Gemüse, Backwaren, Milch, Eier, Fleisch und Wurstwaren sowie Getränke. Wenn der Kunde einen Artikel haben möchte, legt er ihn mit einem Mausklick in den digitalen Warenkorb.

Die Auslieferung funktioniert so: Jeden Mittwoch fahren Weritz und Arnold die verschiedenen Höfe mit ihrem Transporter an und holen die bestellten Lebensmittel ab. Der Vorteil für den Verbraucher liegt in der zentralen Abholstelle: Jeder Besteller kann seinen frisch zusammengestellten Einkaufskorb jeden Donnerstag oder Freitag in Pfuhl bei „Regiofrisch“, dem Hofladen von Sabine Kenner, abholen.

Durch Klinkenputzen haben Weritz und Arnold es geschafft, rund ein Dutzend Landwirte und Erzeuger zusammenzubringen. Mit dabei sind kleine Betriebe wie der Eierhof Häussler aus Bollingen bei Dornstadt oder große und über die Grenzen des Landkreises Neu-Ulm hinaus bekannte Unternehmen wie die Landkäserei Herzog aus Schießen. Das Besondere: Alle beteiligten Betriebe befinden sich in einem Umkreis von 35 Kilometern um Ulm herum. „Das ist also wirklich regional und nicht wie beim Supermarkt, wo ‚aus der Region’ draufsteht und es dann vom Bodensee kommt“, sagt Weritz. „So gibt es durch die kurzen Wege garantiert frische Lebensmittel.“

Weil die beiden Jungunternehmer Zwischenhändler sparen, können sie ihre Produkte meist billiger als im Supermarkt anbieten, während die Bauern und regionalen Betriebe wiederum mehr pro Produkt verdienen. Weritz spricht von einer „Win-win-win-Situation“: Die Bauern gewinnen einen Vertriebsweg hinzu, ohne selbst in Online-Auftritte investieren zu müssen. Der Verbraucher erhält frische Produkte, mit denen er die Landwirte in der Region unterstützt. Und Weritz und Arnold können den Traum vom eigenen Unternehmen verwirklichen. Sie sind überzeugt, dass der Lebensmittelhandel im Internet an Bedeutung gewinnen wird – und wollen dafür jetzt schon regionale Strukturen aufbauen.

Das nötige Wissen für ihr Projekt haben sich die beiden in Praktika, im Studium und durch Ausprobieren selbst angeeignet. „Einfach mal machen“, beschreibt Marvin Arnold, ebenfalls 26, das Prinzip. Obwohl beide im ländlichen Raum groß geworden sind und schon immer viel Kontakt zu Freunden in der Landwirtschaft hatten, mussten sie sich in viele Themengebiete einarbeiten. Dazu gehört das Lebensmittelrecht sowie die Inbetriebnahme eines Internet-Shops. Doch die beiden glaubten an sich und ihre Idee und bekamen recht: Im Oktober 2015 gewannen sie beim Ideenwettbewerb „Gründen Live 2015“ den Publikumspreis. Sogar der Internetriese Google wurde auf die beiden aufmerksam und lud sie zu einem Workshop nach Berlin ein. Mittelfristig ist das Ziel der beiden, in ganz Süddeutschland verbreitet zu sein. Ob sie sich als digitaler Direktvermarkter, sozusagen als Hofladen 2.0, durchsetzen, wird sich schon in den nächsten Wochen zeigen. Weritz und Arnold sind fest davon überzeugt: „Weil wir regional, modern und fair sind.“

Die Seite im Internet: www.fundyourfarmer.de

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