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Ulm

01.01.2019

Performance im Stadthaus: Weg zum Glück führt durch Dunkelheit

Bewegende Bilder lieferte die Tanzperformance „Message in a Bottle – Hand voll Glück“ im Stadthaus Ulm. Für die Choreografie zeichnete Domenico Strazzeri verantwortlich.
Bild: Horst Hörger

Die Strado Compagnia Danza zeigt im Stadthaus ihre neue Performance „Message in a Bottle“. Diese ist ganz anders, als man es angesichts des Themas erwarten könnte.

Wahrscheinlich gibt es über nichts so viele Redewendungen wie über das Glück. Und ohne all die Glücksratgeber würden die Sachbuch-Bestsellerlisten ganz anders aussehen. Glück ist überall, das Streben nach dem privaten Glück, wie immer dieses auch beschaffen sein mag. Auch am Einlass zur neuen Produktion der Strado Compagnia Danza im Stadthaus gibt es für die Besucher kleine süße Kärtchen mit Glücksbotschaften. Der Ulmer Choreograf Domenico Strazzeri und seine Truppe haben auf dem Thema ihre neue Tanzperformance im Stadthaus aufgebaut: „Message in a Bottle – Hand voll Glück“. Ein Abend, der mit suggestiven Bildern und starken tänzerischen Leistungen fesselt, aber dem Zuschauer auch Rätsel aufgibt.

Es ist ein dickes Brett, das Strazzeri und sein Team da zu bohren hatten, schließlich ist den Begriff Glück zu definieren beinahe unmöglich: Gefühl oder Zustand? Moment der Vollkommenheit oder nur Abwesenheit von Leid? Die Komplexität des Themas merkt man „Message in a Bottle“ an, wobei schon der Titel eine Metapher ist: Wie eine Flaschenpost erreicht einen das Glück nur zufällig, es zu suchen, ist beinahe aussichtslos. Dieser nicht unbedingt erfreuliche Umstand steht im Zentrum der Performance, die entsprechend alles andere als eine fröhliche Reise ins Glücksbärchiland ist. Obwohl der Abend gerade optisch und akustisch zunächst ein freundliches Retro-Gesicht hat: Christina Schlumbergers schwarz-weiß gehaltene Kostüme erinnern an Stummfilm-Zeiten oder an Zirkus, die Tonspur wimmelt vor nostalgischen Liedern, die allerdings in der Originalmusik von João Hoyler Correia einen teils nervenaufreibenden Widerpart findet.

Hell und Dunkel überlagern sich in „Message in an Bottle“ immer wieder – es ist ein schmaler Grat, der Glück von Unglück trennt. Die Tänzerinnen (Ines Meißner, Hanna Münch, Marcella Centenero und Katharina Krummenacher) und Tänzer (Elien Rodarel und Jeff Pham) agieren in ganz unterschiedlichen, schwer zu entschlüsselnden Szenen: So erzählerisch wie viele frühere Strado-Abende ist diese Performance nicht. Stattdessen treffen flotte, varietéartige Passagen auf Momente fast meditativer Langsamkeit, kraftvolle Gruppenszenen mit Anleihen an populäre Tanzformen auf verstörend Surreales. Da schleichen sich die Frauen unter weit ausladenden Reifröcken der Männer auf die Bühne, vereinen sich die Protagonisten zu einer Art Wurm – und am Ende wird der Rock im Solo für eine Tänzerin zum Parasiten, der am Kopf hängt. Wirklich charmant hingegen die Idee, aus Gebärdensprache ein tänzerisches Vokabular zu entwickeln.

„Message in a Bottle“ ist ganz anders, als man es angesichts des Themas Glück erwarten könnte. Aber was die Kreativität, Vielfalt und Eleganz des Tanzes angeht, gehört die Performance zum Besten, was die Strado Compagnia Danza bislang im Stadthaus gezeigt hat. Und die überaus gelungenen poetischen Texte Hanna Münchs geben dem Publikum wichtige Impulse zum Verständnis. Am Ende weiß man über das Glück nicht mehr als zuvor. Aber man hat gesehen und gespürt, welche Glücksgefühle Tanz auslösen kann. Großer Applaus vom Premierenpublikum.

„Message in a Bottle“ ist wieder von Donnerstag bis Sonntag, 3. bis 6. Januar, und Donnerstag bis Sonntag, 10. bis 13. Januar, jeweils um 20 Uhr im Stadthaus zu sehen. Karten gibt es im Stadthaus und bei ulm.tickets.de oder an der Tageskasse. Telefonische Reservierung unter 0172/6779984.

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