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Pfaffenhofen

23.02.2020

Pfaffenhofer Rothtal-TV: Kabarett im Zeichen der Kommunalwahl

Dreh mit Kandidat Beppi Sparbier-Ödbringer (Zweiter von rechts) und Maiskönigin (Dritte von rechts). Auch Oberspatz Norbert Riggenmann ist dabei (rechts).
Bild: Baur

Kabarett in Pfaffenhofen: Der Bürgermeisterkandidat Beppi Sparbier-Ödbringer will überzeugen. der amtierende Rathauschef Josef Walz wird verabschiedet – und schlägt sich gut.

Fesch steht er da im mannshohen barocken Bilderrahmen, in Trachtenjanker und Lederhose, eine Bayern-Fahne schlaff im Hintergrund. Nein, nicht der „Kini“. Es ist nur Beppi Sparbier-Ödbringer, der gemeinsame Bürgermeisterkandidat aller Aufrechten im Markt. König will er erst noch werden. Aber wo? „Als Einstieg ist Pfaffenhofen nicht schlecht. Nach Weißenhorn ist es nicht weit“, spotten die „Rohrspatzen“. Nicht von den Dächern, sondern auf der Bühne beim „Bunten Abend“ des Liederkranzes, heuer unter dem Motto „Rothtal-TV“.

Dreimal ging das spezielle Lokalfernsehen am Wochenende auf Sendung. Mit Krimi, Büttenreden, Musik- oder Tanzeinlagen und Quoten wie beim „Ersten“ in den 1950er-Jahren. „Weitgehend ausverkauft“ hieß es an der Abendkasse. Kein Wunder. Der Kommunalwahlkampf brummt und der Sender ist hautnah dabei, auch hinter den Kulissen. Im Studio der führenden Werbeagentur am Platz etwa, wo der Bilderbuch-Kandidat (Konrad Jahn) vor Selbstbewusstsein fast platzend vor der Kamera steht. „Das wird ein genialer Spot“, jubelt denn auch der Art Director (Norbert Riggenmann), will jedoch schnell noch mehr: „Wir brauchen eine Marketing-Strategie.“

Erfolgreiche Kampagnen können die Experten bereits vorzeigen, wie ein paar pfiffige Clips vom Monitor zeigen: Für „Paarschiff“ zum Beispiel, die Plattform für den gemeinsamen Klobesuch, „alle zwei Minuten“ versteht sich. Oder das preiswerte Hirnschmalz von „spatziopharm“. Ein weiterer Tipp kam womöglich zu spät: Zuerst Durchfall und dann mit Blähungen auf den „Bunten Abend“? Geholfen hätte vielleicht „Quietschnetmea“, das Zaubermittel auf pflanzlicher Basis.

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Die Taverne-Kreuzung wird durchs Dorf getrieben

Ohnehin entpuppt sich ein hohes Maß an Lokalkolorit als Erfolgsrezept der Agentur. Dazu die Faktoren blond, rank und apart. Zur Futtermaiskönigin im Markt hat es jedenfalls gereicht. „Meine Follower nennen mich Maisy“, haucht die Rothtal-Schöne (Anne Prestele) an der Seite des Bewerbers verführerisch ins Mikrofon. Der will in Sachen Lokalkompetenz nicht nachstehen: „An der Taverne-Kreuzung da bin i dahoim“, murmelt er ein wenig gedankenverloren.

Apropos Taverne-Kreuzung. Kein anderes Thema wurde häufiger als „schwarz-rosa geflecktes Spanferkel durchs Dorf“ (Moderator „Ehrenfried“ Winklhofer) respektive das TV-Programm getrieben, Lösungen bei endlosen Rot-Phasen an der Ampel („Symbol für den Hightech-Standort Pfaffenhofen“) inklusive: Vielleicht könnten professionelle „Grün-Wedler“ die Kamera-Steuerung überlisten, überlegten die „Rohrspatzen“.

Bis ihr Vor-Spotter genug der kritischen Kommentare hatte. „Wir brauchen etwas Positives“, so seine Ansage, „etwas, auf das die Pfaffenhofer stolz sein können“. Und bemühte unter Anspielung auf den zweiten kommunalpolitischen Dauerbrenner gar den griechischen Philosophen Heraklit: „Alles fließt“, sinnierte er, „und wir denken hier an unsere Roth und an den Uferweg, schlichtweg an den Traum von Pfaffenhofen“. Keineswegs vernachlässigt werden soll die feucht-fröhliche Geselligkeit: „Wie wär’s mit einem Fest zur Festigung der Pfaffenhofer Festleskultur?“, meinte der Oberspatz und Regisseur in Personalunion Riggenmann.

Josef Walz muss sich beweisen

Im Verlaufe des Drehs mischte sich die Vorfreude auf den künftigen Amtsinhaber zunehmend mit Abschiedsgedanken an den derzeitigen. „Unser Seppi war doch einmal der schönste Bürgermeister im Landkreis, jetzt haben wir den dienstältesten“, seufzte die sichtlich geknickte Maiskönigin und ihre Mit-Spatzen sangen: „Wir sagen Danke für die schönen Jahre.“

Wie es beim Amtswechsel Ende April im Rathaus zugehen könnte, hatten zuvor „Hannes und der Bürgermeister“ (Manfred Reistle und Matthias Braun) in ihrem Sketch vermittelt. Noch größer war freilich die Gaudi zumindest am Premieren-Abend, als der Moderator und seine Redaktionsassistentin Mira (Simone Spreng) beim „echten“ Rathauschef bislang unbekannte rhetorische Talente freilegten. Bei einer Art niederbayerisch-indischem Mundart-Sprachkurs nämlich, einem fiktiven Dialog im Pfarrgarten über das Rasenmähen: „Mo mah. Bater mah du. Da Bater maht a. Maht da Bater, no mah i a.“ Josef Walz gelang eine stolperfreie Wiedergabe.

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