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Neu-Ulm

13.02.2020

Podiumsdiskussion: Sechs OB-Kandidaten für Neu-Ulm, ein Ziel

In der stimmungsvollen Atmosphäre des Neu-Ulmer Wiley Clubs diskutierten am Donnerstagabend die sechs Bewerberinnen und Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters. Veranstaltet wurde die Debatte gemeinsam von NUZ und SWP.
Bild: Alexander Kaya

Plus Bei der Podiumsdiskussion im Wiley Club offenbaren die Bewerber um den Posten des Oberbürgermeisters eine Menge Gemeinsamkeiten. Bei einem Thema jedoch bekommt einer ganz besonders viel Applaus.

Knapp eine Stunde lang war der Applaus des Publikums eher höflich geblieben. Die sechs Kandidatinnen und Kandidaten hatten gesagt, was sie sich zu sagen vorgenommen hatten. Doch dann wurde der Beifall ausgesprochen heftig: Es ging um den Abriss des alten Barfüßer-Gebäudes und vor allem darum, wie das Gelände künftig genutzt werden soll.

Der Kandidat trifft einen Nerv

Die Stadt will es dem Gastronomen Ebbo Riedmüller überlassen, der dort ein Hotel und eine Gaststätte bauen möchte. Roland Prießnitz, Kandidat der Freien Wähler, sagte klar, was er davon hielt: „Ein solches Filetgrundstück sollte nicht einem private Investor für ein Hotel übergeben werden“, sprach er und kassierte dafür lautstarken Beifall. Offenbar hatte er einen Nerv des Publikums getroffen. Rund 350 Menschen waren am gestrigen Donnerstagabend in den Wiley Club gekommen, um Katrin Albsteiger (CSU), Antje Esser (Pro Neu-Ulm), Roland Prießnitz (Freie Wähler), Alfred Schömig (FDP), Karl-Martin Wöhner (Bürgerliste/Linke) und Walter Zerb (Grüne) zu erleben, die sich alle um das Amt eines Neu-Ulmer Oberbürgermeisters bewerben. Veranstaltet hatten die Podiumsdiskussion die Neu-Ulmer Zeitung und die Südwest-Presse. So viel Gemeinsamkeit war bis dahin selten in der Presselandschaft des Landkreises Neu-Ulm.

Die Teilnehmer: Katrin Albsteiger (CSU), Antje Esser (Pro Neu-Ulm), Roland Prießnitz (Freie Wähler), Alfred Schömig (FDP), Karl-Martin Wöhner (Bürgerliste/Die Linke) und Walter Zerb (Die Grünen)
26 Bilder
Die Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeister-Wahl in Neu-Ulm in Bildern
Bild: Alexander Kaya

Irgendwie schienen sich das auch auf die sechs Kandidaten übertragen zu haben, deren Vorstellungen von der künftigen Entwicklung Neu-Ulms nicht so arg weit auseinander lagen. Entsprechend harmonisch wurde diskutiert. Die beiden Moderatoren Niko Dirner (SWP) und Michael Ruddigkeit, stellvertretender Redaktionsleiter der NUZ, hatten ein weites Themenfeld abgesteckt, das es zu beackern galt – und das nach einer Stunde und 48 Minuten umgegraben war.

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Die Entwicklung Neu-Ulms will niemand bremsen

Eine wesentliche Rolle in der Podiums-Fragerunde spielte die Stadtentwicklung, denn Neu-Ulm wächst unaufhörlich. Diese Expansion möchte auch keiner der Kandidaten behindern. „Wir müssen Wachstum zulassen“, sagte etwa der Grüne Zerb, wobei er einschränkte, die Stadt dürfe dabei nicht egoistisch sein, sondern man müsse regional denken. Seiner Meinung nach steckt in brachliegenden Grundstücken noch viel Entwicklungspotenzial. Karl-Martin Wöhner betonte mehrfach, dass der Wohnungsbau eine soziale Komponente brauche, denn die Zeit der Einfamilienhäuser sei vorbei. Er will von Investoren verlangen, dass sie bei Bauprojekten eine Sozialwohnungsquote von 30 Prozent einhalten.

Ähnlich argumentierte Antje Esser. Sie findet, die Stadt müsse die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Nuwog stärken. Und sie meint, um Plätze für Kinderbetreuung und Schulklassen zu schaffen, solle auf die günstige Modulbauweise zurückgegriffen werden: „Wir müssen so bauen, dass wir uns das leisten können.“ Katrin Albsteiger empfindet den Zuzug nach Neu-Ulm als Kompliment für die Stadt, deshalb solle auch entsprechend planvoll Wachstum zugelassen werden: „Wenn man’s gescheit macht, braucht man keine Angst vor Wachstum zu haben.“ Um die nötigen Finanzmittel etwa für den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen zu beschaffen, muss die Stadt nach Ansicht von Alfred Schömig an anderer Stelle sparen, etwa beim Bau von Tiefgaragen. Die Stellflächen für das Großvorhaben auf dem Grundstück des LEW-Gebäudes könnten in die Glacis-Galerie verlagert werden: „Wir können viel Beton einsparen.“

Der Verkehr ist ein wachsendes Problem

Ohnehin sehen alle Kandidaten im Individualverkehr ein wachsendes Problem, dem alle mit einer Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs begegnen wollen. Walter Zerb etwa möchte die Zahl der Parkplätze reduzieren und bessere Radweg-Verbindungen schaffen. Antje Esser fordert zum Ausbau des ÖPNV in der Stadt die entsprechende Zuständigkeit, die noch bei Kreis liegt. Doch die Bereitschaft, diese an Neu-Ulm zu übertrage sei ja da, argumentierte Katrin Albsteiger. Jetzt müsse eben entsprechend verhandelt werden. Ob sie ein Seilbahnsystem für Neu-Ulm schaffen möchte oder doch lieber die Straßenbahn erweitern, ließ sie offen. Mit mehr Bussen stehe man letztlich im selben Stau wie die Autos. Damit antwortete sie auf ein Argument von Roland Prießnitz, der Buslinien mit alternativen Antrieben für viel effektiver hält als Tram und Seilbahn. Karl-Martin Wöhner zeigte sich sozusagen als Brückenbauer: Er wünscht sich einen vierten Übergang über die Donau ebenso wie eine zusätzliche Verbindung über die Iller nach Wiblingen.

Reizthema Kulturcasino

Beim Reizthema Kulturcasino gingen die Ansichten zumindest ein bisschen auseinander. Antje Esser, die für einen Abriss des Barfüßer-Gebäudes gestimmt hatte, findet, man müsse die Idee vom bestehenden Gebäude trennen. Auch Katrin Albsteiger meint, die Idee solle weiterentwickelt werden, und sieht sich da im Einklang mit den politischen Mitbewerbern. Die kritisieren aber teilweise den Abrissentscheid der Stadt.

Walter Zerb möchte kein weiteres Hotel in Neu-Ulm, die bestehenden Bäume auf dem Barfüßer-Gelände sollten unangetastet bleiben. Auch Karl-Martin Wöhner und Alfred Schömig bekundeten, sie hätten das Gebäude aus den 30er Jahren auf diesem „Filetgrundstück“ erhalten. Dann sprach eben Roland Prießnitz jenen Satz vom Investor, dem man diese Immobilie nicht für ein Hotel überlassen dürfe.

Auffällig war an dieser Debatte der ausgeprägte Wille aller Bewerber, in Neu-Ulm sozusagen mehr Gemeinsamkeit und auch mehr Bürgernähe wagen zu wollen – was dann auch in der Publikumsrunde eine entscheidende Rolle spielte.

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