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Neu-Ulm

09.11.2018

Pöbeleien und Randale an der Caponniere

Scheinbar ruhig und idyllisch: Die Caponniere und die Wohnhäuser drum herum, im Hintergrund leuchtet die Glacis-Galerie, und das Ulmer Münster ragt in den Abendhimmel. Doch zu später Stunde ist es hier oft vorbei mit der Ruhe. Anwohner klagen über Randale und Pöbeleien.
Bild: Alexander Kaya

Anwohner klagen über Randale und Pöbeleien an der Caponniere in Neu-Ulm. Was die Polizei zu den Problemen auf dem Areal hinter der Glacis-Galerie sagt.

Abends gemütlich auf der Terrasse sitzen und nachts bei geöffneten Fenstern schlafen: Davon konnten Bewohner der Häuser an der Caponniere und in der Turmstraße in Neu-Ulm im vergangenen Jahrhundertsommer oft nur träumen. Denn mit Einbruch der Dunkelheit wurden die benachbarten Grünanlagen südlich der Glacis-Galerie und des Bahnhofs regelmäßig zum Treffpunkt von jungen Leuten, die dort lautstark feierten. Und nicht nur das: Anwohner klagen über Randale, Pöbeleien, Müll und Drogengeschäfte rund um die Caponniere. Sie haben die Nase voll und fordern die Stadt zum Handeln auf.

Jugendliche verhalten sich aggressiv gegenüber der Polizei

Sowohl der Verwaltung als auch der Polizei ist das Problem bekannt, denn es gab bereits in der Vergangenheit Beschwerden über lärmende Jugendliche und Heranwachsende. Die Stadt hat reagiert und einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, der an der Caponniere und im Glacis-Park Streife läuft, hauptsächlich am Wochenende. Auch die Neu-Ulmer Polizei nahm die Grünanlagen verstärkt ins Visier. Zunächst mit Erfolg: „Es hat sich vielleicht drei, vier Wochen beruhigt“, berichtet ein Anwohner, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Aber ab Juli bis jetzt war wieder Rambazamba.“ Vergangenes Wochenende hätten sich beispielsweise an die 30 Jugendliche an der Caponniere versammelt, die ein Teil der Bundesfestung Ulm/Neu-Ulm ist. Es wurde laut, die Polizei kam. Daraufhin seien einige der jungen Leute aggressiv geworden. „Eine Polizistin wurde so massiv angegangen, dass sie Verstärkung gerufen hat“, schildert der Anwohner. „Die haben eine halbe, drei viertel Stunde gebraucht, bis sie die im Griff hatten.“ Solche Vorfälle passierten regelmäßig, am Wochenende, aber auch unter der Woche.

Anwohner der Wohnanlage in Neu-Ulm werden beleidigt

Die Anwohner würden teilweise übel beleidigt, wenn sie sich über den Lärm beschwerten. Einem älteren Mann seien Steine hinterher geworden worden, als er die Jugendlichen gebeten habe, leiser zu sein. Zu dem Ärger kämen Müll und Scherben, den die Gruppen nach ihren Partys hinterlassen würden. „Der Wohnwert verschlechtert sich ständig“, sagt ein Nachbar. „Wenn das nur einmal im Monat wäre, aber das ist ja an der Tagesordnung.“ Die ständigen Vorfälle zehren an den Nerven: „Frauen trauen sich hier nicht mehr durch, wenn es dunkel wird“, schildert der Nachbar. Auch die Ausstellungen in der Caponniere seien beeinträchtigt. Manche älteren Leute mieden die Räume am Theodor-von-Hildebrand-Platz, wenn vor dem Festungsgebäude eine Horde lautstarker Jugendlicher sitze.

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Den Anwohnern an der Caponniere und der Turmstraße zufolge sind es vor allem Jugendliche und Heranwachsende, die sich dort regelmäßig treffen, teilweise sogar Kinder. Ihrer Einschätzung sind es oft die gleichen Leute, die sich auch an der Glacis-Galerie und am Busbahnhof aufhalten. Die Größe der Gruppen beschreiben sie mit „fünf bis 50“ – das sei nicht übertrieben. Deutsche seien ebenso darunter wie Migranten. An die Polizei gewandt fragen sie: „Können die nicht stärker durchgreifen und Platzverweise erteilen?“

„Wenn wir Verstöße feststellen, können wir eingreifen“, sagt ein Sprecher der Polizeiinspektion Neu-Ulm auf Anfrage unserer Redaktion. Grundsätzlich sei das Areal an der Caponniere aber eine öffentliche Anlage, die zum Verweilen gedacht sei. Man könne da nicht einfach Leute verjagen. „Wir sind vor Ort und kontrollieren“, versichert der Polizeisprecher jedoch. „Wir haben das im Auge. Wir wollen nicht, dass da ein Brennpunkt entsteht.“ Die Polizei zeige Präsenz.

Die Anwohner haben nun um einen Gesprächstermin mit Oberbürgermeister Gerold Noerenberg gebeten. Sie erwarten, dass die Stadt ein Konzept erarbeitet, „wie wir hier Ruhe kriegen“. Den Anwohnern graut vor neuer Randale: „Wir wollen wissen: Was wollt ihr dagegen tun?“

Randale an der Caponniere:Druck der Polizei zeigt Wirkung

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