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Dichterwettstreit

21.08.2011

Poetische Höhenflüge ganz ohne Grenzen

Hatten viel zu lachen: Johannes Floehr aus Krefeld und Moritz Clauß aus Straß, die Initiatoren des ersten „Kronenslams“.
Bild: Foto: flx

Toller Mix von Texten junger Autoren beim ersten Poetry Slam in Oberfahlheim machte Lust auf mehr

Oberfahlheim Poetry Slams haben sich zu Publikumsmagneten entwickelt. Grundidee eines solchen „Dichterwettstreits“ ist es, die Texte nicht nur zu lesen, sondern zu performen – also das geschriebene Wort beispielsweise auch zu schreien, zu flüstern, zu jaulen und mittels Tempo und Rhythmik jenes Leben einzuhauchen, das bei „klassischen“ Lesungen mitunter fehlt. Diese relativ junge Form literarischen Schaffens zog auch im Gasthof „Krone“ in Oberfahlheim jede Menge Besucher an.

Die beiden Initiatoren kennen sich über ihre Blogs

Die Idee dazu hatten Moritz Clauß aus Straß und Johannes Floehr aus Krefeld. Beide kennen sich über ihre Blogs: „Wir lesen uns gegenseitig.“ Daraus entstand die Idee, einmal gemeinsam auf einer Slambühne zu stehen. In Wirtin Christina Pasquazzo fanden sie die richtige Partnerin und der „Kronenslam“ als Fortsetzung der kleinen, feinen Kulturangebote in Oberfahlheim darf als echter Überraschungserfolg verbucht werden.

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Die Mischung stimmte rundum. Wie es bei einem echten Slam sein sollte, waren auch beim ersten „Kronenslam“ nahezu alle Formen moderner Literatur und Sprachkunst vertreten, von der frechen Polemik über die poetische Gegenwartsbetrachtung bis hin zur frei fließenden Groteske. Während sich viele professionelle Slambühnen sehr auf Comedy und den publikumswirksamen Lacher konzentrieren, lag eine besondere Stärke des Oberfahlheimer Dichterwettstreits in der gelungenen Mischung.

Poetische Parallelwelten ganz ohne abgehobene Fantasy

Mara Clauß beispielsweise ließ in ihren Texten („Unzufriedenheit“ und „Was wäre wenn“) poetische Parallelwelten erstehen, die nichts von abgehobener Fantasy, dafür aber ein gutes Maß an kritischer Beobachtungsgabe offenbarten: „Wie sollen Wünsche in Erfüllung gehen, wenn sie auf einer Skala von eins bis zehn bei minus einhundert stehen?“ Für Vortrag und Inhalt gab es reichlich Applaus. Mitinitiator Johannes Floehr mit seinem Blog „Herr Salami“ pfefferte sprachmächtige Salven kabarettreifer Spitzen ins Publikum, verhöhnte lustvoll die „Kochmarionetten Mälzer und Lafer“, ätzte gegen „erfolgreiche Künstler“, die wie „mietbare Kleinzirkusse“ mit jedem „Kleinfortschritt“ zufrieden sind. Scharf und intelligent auch Moritz Clauß mit seinem Beitrag „Fabel-hafte Politik“, in der die Politikerfiguren ins Tierreich transponiert und entlarvt werden: „Guido die Schnecke, langsam im Kriechen, langsam im Denken.“

Um auf einer Slambühne bestehen zu können, muss man Mut, gute Laune, Stimmfestigkeit und vor allem einen zündenden Text haben. Bei den jungen Autoren zwischen 16 und 20 stimmte das alles. In Oberfahlheim war zu erleben, warum ein Veranstaltungsformat wie der Poetry Slam seit seiner Entstehung vor allem in Nordamerika und Europa große Beliebtheit erfährt. Den Höhenflügen der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das zeigte auch Almuth Nitsch, die sich mit ihren Texten „Aus Liebe“ und „Die fabelhafte Welt der Industrie“ poetisch, bissig und wortmächtig präsentierte und zudem dem klassischen Theatertext annäherte. Tabea Reinelt aus Kaiserslautern („In den Straßen“) brachte eine geradezu klassische Geschichte über Liebe, Freundschaft und die Verlorenheit im Leben zu Gehör. Die „jungen Wilden“ Jonathan Theimer (Neu-Ulm) und „Müsli“ (Ulm) ließen es schließlich mit witzigen Polemiken krachen.

Büchergutschein für die Gewinnerin

Als Gewinn winkte der Gewinnerin Mara Clauß, die sowohl von Jury als auch Publikum die Höchstwertung bekam, ein Büchergutschein. Im Anschluss wurde die Bühne für spontane Beiträge freigegeben. Bis zur Sperrstunde schossen Dichterworte durch die Gasträume, wurde improvisiert und neues Textmaterial erprobt.

Man darf auf eine Fortsetzung des „Kronenslam“ hoffen, dessen erste Auflage einen fabelhaften Blick auf junges Literaturschaffen bot.

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