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Polizei: Fahrraddiebe schon in den Startlöchern

Polizei

Fahrraddiebe schon in den Startlöchern

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    Hauptkommissar Jürgen Salzmann mit einem durchgezwickten Kabelschloss.
    Hauptkommissar Jürgen Salzmann mit einem durchgezwickten Kabelschloss.

    Neu-Ulm Über kurz oder lang kommt auch dieses Jahr der Sommer – und mit ihm auch die Zeit der Fahrraddiebe. Je höher die Temperaturen klettern, desto mehr Drahtesel werden geklaut. Von den 243 im vergangenen Jahr bei der Neu-Ulmer Polizei als gestohlen gemeldeten Fahrrädern kamen fast drei Viertel in der warmen Jahreszeit weg.

    Der Grund für das alljährliche saisonale Hoch ist ganz einfach, wie Andrea Mann, Spezialistin für derartige Delikte bei der Polizeiinspektion Neu-Ulm, sagt: „Im Sommer fahren mehr Menschen mit dem Rad.“ Sprich: Das Angebot für Langfinger wird größer. Und bekanntlich macht Gelegenheit Diebe.

    Aufgrund der Zahlen, die die erfahrene Beamtin in den vergangenen zehn Jahren zusammengetragen hat, kann sie schon heute sagen, dass bis zum Silvestertag noch rund 200 Bürgern aus Neu-Ulm, Nersingen und Elchingen ihr Fahrrad abhandengekommen sein wird und sie Anzeige bei der Polizei gestellt haben. Sie braucht dazu keine prophetischen Gaben.

    Mit großer Wahrscheinlichkeit aber werden auch in diesem Jahr noch viel mehr Velos geklaut werden. Andrea Mann: „Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“ Allein im Laufe der letzten zwei Wochen hat die Polizistin rund um den Neu-Ulmer Bahnhof fünf aufgezwickte Fahrradschlösser gefunden – ganz starkes Indiz dafür, dass fünf Fahrräder illegal den Besitzer gewechselt haben. Allerdings: Bislang hat niemand eine Diebstahlsanzeige gestellt mit der Tatortangabe Bahnhof.

    Aufklärung ist für Polizei schwierig

    Dieses Versäumnis ist einigermaßen unverständlich, denn es kann gut sein, dass das Rad irgendwann wieder einmal auftaucht – wenn es beispielsweise ein Spaziergänger im Straßengraben findet. Jürgen Salzmann, Kollege von Andrea Mann, sagt: „Es kommt häufiger vor, dass wir ein Fundrad nicht zuordnen können, weil wir gar nicht wissen, dass es gestohlen worden ist.“ Ohnehin ist die Aufklärung von Fahrraddiebstählen ein schweres Brot. Bei einer zweimonatigen Schwerpunktaktion haben Neu-Ulmer Polizisten rund 120 Fahrräder überprüft – sechs davon waren gemopst.

    Selbst wenn ein Bestohlener sich bei der Polizei meldet, kann er häufig keine sachdienlichen Angaben zu seinem Stahlross machen – beispielsweise die Rahmennummer benennen. Ohne Wissen um derartige Erkennungsmerkmale sind der Polizei weitgehend die Hände gebunden, selbst wenn eine Streife einen Amtsbekannten auf einem Fahrrad trifft, das er nach Lage der Dinge wohl nie und nimmer aus eigener Tasche bezahlt hat. Jürgen Salzmann und Andrea Mann kennen die Ausreden solcher Zeitgenossen zur Genüge. Wahlweise wird behauptet, das Rad sei geschenkt, gefunden oder auf dem Flohmarkt erstanden worden. Wohl oder übel müssen die Beamten den Verdächtigen dann seiner Wege radeln lassen. Eine Ausnahme wird allerdings gemacht, wenn ein Pappenheimer auf einem erkennbar teuren Fahrrad daherkommt. Jürgen Salzmann: „Dann kann die Polizei das Rad wegen des Verdachts auf Diebstahl einziehen.“

    Solche Fälle sind jedoch selten – die überwiegende Zahl der gestohlenen Räder sind alte Göppel oder „Massenware“ mit einem durchschnittlichen Zeitwert von 200 bis 250 Euro. Aber auch Kleinvieh macht Mist: Fahrraddiebe verursachen pro Jahr allein im Raum Neu-Ulm einen Gesamtschaden von 60000 Euro und mehr.

    Bevorzugte Tummelplätze für Diebe sind alle Orte, an denen es ein hohes Fahrradaufkommen gibt. Andrea Mann: „Vor Schulen, Bahnhöfen, Biergärten oder Gartenfesten. 90 Prozent der uns gemeldeten Räder wurden im Stadtgebiet von Neu-Ulm gestohlen.“

    Motive, ein Rad zu stehlen, gibt es mehrere – eines davon ist Beschaffungskriminalität. Ein Drogensüchtiger knackt ein Fahrradschloss auf und verscherbelt seine Beute umgehend, um an Geld für dringend benötigten Stoff zu kommen.

    Verstärkt tauchen geklaute Bikes auch im Internet auf, wie das einer Neu-Ulmerin, die zufällig auf E-Bay ihr Rad erkannte. Der Polizei gelang es letztendlich, den Täter ausfindig zu machen: einen Nachbarn der Bestohlenen.

    Nicht selten sind die Täter auch Jugendliche. Oder es sind Betrunkene, die nach einer ausgedehnten Zechtour nicht mehr nach Hause laufen oder mit ihrem Auto fahren wollen und sich das nächstbeste Fahrrad „ausleihen“.

    Einen Fahrraddieb auf frischer Tat zu ertappen ist schwierig. Hauptkommissar Salzmann: „Es läuft ja keiner mit einem Bolzenschneider um den Fahrradständer am Bahnhof herum. Wir sind auf Beobachtungen angewiesen.“ Die Polizei sei über jeden Hinweis dankbar – selbst wenn keine Straftat vorliegt, wie bei dem Mann, der beobachtet worden war, wie er sich des nächtens auffällig lang an einem Fahrrad abmühte. Eine Polizeistreife eilte an den Ort des Geschehens und stellte tatsächlich eine Person mit einer Zange in der Hand, mit der er das Kabelschloss durchzwicken wollte. Wie sich aber herausstellte, war er dazu sozusagen befugt: Er hatte den Schlüssel verloren und wollte über Nacht sein Stahlross im sicheren Stall wissen.

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