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05.07.2010

Polizei-Motorräder messen mangelhaft

Neu-Ulm Auf der Jagd nach Temposündern setzt die Polizei auf modernste Technik: Mit Radaranlagen, sogenannten Laserpistolen oder mit Video-Messanlagen ("ProViDa") ausgerüsteten Autos versuchen Beamte, Schnellfahrern das gefährliche Handwerk zu legen.

Im Einsatz sind auch äußerlich kaum als Dienstfahrzeuge erkennbare Motorräder, die ebenfalls mit Video-Messanlagen bestückt sind. Technik und Taktik ist dieselbe wie bei den Video-Autos. Ein Polizeibeamter in ziviler Motorradkluft heftet sich an die Fersen eines besonders eiligen Zeitgenossen. Die Elektronik, untergebracht in einem unscheinbaren Motorradkoffer, zeichnet via Videokamera in der Verkleidung den Vorausfahrenden auf und berechnet mithilfe eines geeichten Tachometers die Geschwindigkeit des Rasers.

Zielgruppe der Video-Kräder sind vor allem verkappte Rennfahrer auf zwei Rädern - in Sonderheit auf kurvigen Straßen, auf denen Video-Autos von überambitionierten Bikern spielend abgehängt werden könnten.

Gutachten soll den Führerschein retten

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Von einem solchen polizeilichen Video-Motorrad wurde auch ein aus dem Schwarzwald stammender Mandant des Weißenhorner Rechtsanwalts Matthias Kummer gefilmt. Weil der Mann auf der Schwarzwaldhochstraße angeblich zu schnell auf seinem Krad unterwegs war, bekam er Ärger mit den Behörden. Bitter für den Schwarzwälder: Er soll seinen Führerschein abgeben. Dagegen zog der Mann jetzt vor Gericht und engagierte Anwalt Kummer. Der findige Jurist gab bei einem renommierten Gutachter-Büro eine Expertise in Auftrag, deren Ergebnis Kummers Hoffnung nährt, seinem Mandanten den Führerscheinverlust zu ersparen. Die Sachverständigen haben nämlich laut Kummer herausgefunden, dass das polizeiliche Motorrad falsche Ergebnisse liefert, hauptsächlich bei Kurvenfahrten. Matthias Kummer: "Vereinfacht gesprochen: In Kurven zeigt das Mess-Motorrad eine höhere als die tatsächliche Geschwindigkeit an." Mittlerweile, so der Anwalt, habe das auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig bestätigt. Bei der Polizei - zumindest in Bayern - ist dieses Problem "längst" bekannt, wie Peter Kaiser, Verkehrsexperte beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten sagt. Auf Anweisung des Innenministeriums werden deshalb seit März dieses Jahres (Kaiser: "Also schon vor Beginn der eigentlichen Motorradsaison".) keine Mess-Motorräder mehr auf Raserjagd geschickt. Das werde sich erst ändern, wenn eine Expertenkommission aus Vertretern der deutschen Polizeibehörden sowie diverser anderer Fachleute eine Lösung gefunden hat, wie Falschmessungen zuungunsten von Verkehrsteilnehmern künftig verhindert werden können.

Das müsse aber nicht zwangsläufig heißen, dass die derzeit montierten "ProViDa 2000"-Geräte für teures Geld durch neue ersetzt werden müssen. Denkbar sei auch, dass die sogenannte Messtoleranz erhöht wird. Derzeit werden bei Motorrad-Videomessungen fünf Prozent von der ermittelten Geschwindigkeit abgezogen. Ohnehin trete der Messfehler nur bei besonderen Fahrsituationen auf, so Polizist Kaiser - bei Schräglagen von 45 Grad und hohen Geschwindigkeiten.

In der Garage bleiben die Behörden-Bikes jedoch nicht stehen. Kaiser: "Sie werden derzeit nur nicht zu Tempomessungen eingesetzt." Wenn ein Motorrad-Polizist aber einen Autofahrer trotz Verbots beim Überholen filmt oder einen Rotlichtsünder an der Ampel knipst, kann das nach wie vor Beweiskraft vor Gericht - und somit unangenehme Folgen - haben.

Polizist bei Messfahrt verunglückt

Bei der Verkehrspolizei in Neu-Ulm ist der ministerielle Messstopp zwar bekannt - im Prinzip aber überflüssig. Die Dienststelle hat zurzeit gar kein Mess-Motorrad, nachdem ein Beamter vor Jahresfrist bei einem Einsatz auf der Autobahn "abgeschossen" und schwer verletzt worden ist. Sein Bike war Totalschaden. (kr)

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