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Neu-Ulm

09.11.2019

Profiler Suzanne geht unter die Haut

Profiler Suzanne Grieger-Langer steht bei ihrem Auftritt in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm da, als würde sie zu einem Sondereinsatzkommando der Polizei gehören.
Bild: Adam Kapalla

Suzanne Grieger-Langer gibt in Neu-Ulm Ratschläge für Mobbing-Opfer und Menschen, die erfolgreich sein wollen. Sie bekommt erstaunlich wenig Applaus.

Bambi hat auf dieser Bühne keinen Platz, ebenso wenig die „Gutmenschfaschisten“. Die nicht unumstrittene Rednerin, Unternehmerin und Autorin Suzanne Grieger-Langer ist kein „Bambi“, das wird bei ihrem Auftritt in der Ratiopharm-Arena vor gut 1000 Zuschauern schnell deutlich: Entschlossen steht sie da im schwarzen Overall, als würde sie zu einem Sondereinsatzkommando der Polizei gehören. Auf der schwarzen, nur mit wenig Weiß kontrastierten, Bühne ist links ein angedeutetes Profiler-Büro aufgebaut. Die lackschwarzen Haare der 47-Jährigen haben einen diabolischen Schnitt. Kein „Bambi“ zwar, aber mit Einsatz für das Gute: Grieger-Langer spendet von jedem verkauften Eintrittsticket und jedem verkauften Buch einen Euro an die Opferhilfe Weißer Ring, für den sie sich auch auf der Bühne engagiert. Bei ihren Auftritten nennt sich die Frau aus Detmold „Profiler Suzanne“ – als Analytikerin wie bei einem Kriminalfall. Nur, dass es bei ihr nicht um Morde geht, sondern um psychischen Druck und um den persönlichen Erfolg.

Ihr Ziel sei es, sagt Grieger-Langer, die Guten vor den Bösen zu bewahren, damit sie nicht zu Opfern werden. Wer aber genau sind die Guten? Und wer die Bösen? Man befindet sich im Bereich der „weißen Gewalt“, also auf der Ebene von Büro und privatem Umfeld, dort, wo es Mobbing und Niedermachen gibt. Und den Terror der „Niedergeschwindigkeitstäter“ und „Mieslinge“, die andere klein machen. Manipulation und die kleinen Gemeinheiten. Die Ratiopharm-Arena ist für den Abend ein bisschen groß gewählt, aber die Frau hat ihre Fans. Unterhaltsame Sätze hat sie zweifellos auf Lager. Und ihre Themen betreffen viele Menschen.

Profiler Suzanne Grieger-Langer spricht vor gut 1000 Besuchern in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm

Der dreistündige „Cool im Kreuzfeuer“-Abend der selbstständigen Profilerin aus Detmold, ursprünglich Diplom-Pädagogin, gliedert sich in drei Teile: Im ersten gibt Grieger-Langer Tipps, wie man sich am besten gegen Mobbing wehrt. „Niemals auf den Täter zugehen“, rät sie, und keinesfalls darauf eingehen, wenn das Opfer psychologisch unklug aufgefordert wird, mit dem oder den Tätern zu reden. Stattdessen alles Schriftliche ausdrucken und die Wände von Büro oder Klassenzimmer damit tapezieren. Den Täter an den öffentlichen Pranger stellen, das ist ihr Credo, und so selbst die Kontrolle übers Geschehen bekommen. Dann folgt ein scharfer Angriff auf das Gutachter-Wesen der Gerichte, mit dem – wie Grieger-Langer ausrechnet – beispielsweise 2015 weit mehr als eine halbe Milliarde Euro an Einnahmen generiert wurde, obwohl etwa die Hälfte der Gutachten mangelhaft sei. Das Beispiel vom zu Unrecht angezeigten Vater zweier Töchter, der zwar freigesprochen wird, die Tausende Euro teuren Gutachten aber dennoch bezahlen muss oder andernfalls gepfändet wird, geht dem Publikum unter die Haut.

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Der dritte Teil des Abends, der um 22 Uhr beginnt, ist ein in sich geschlossener Vortrag, wie ihn auch andere Erfolgs- und Selbstoptimierungscoaches halten könnten. Der ist interessant, listet er doch im Wesentlichen auf, was für ein gelingendes Leben wichtig ist: Orientierung vor allem, immer wieder Orientierung daraufhin, was man wirklich will. Das Ziel liegt dann quasi im Weg. Entscheidung, Disziplin, Individualität – eine ganze Reihe von Punkten arbeitet Grieger-Langer aus und erzählt auch, woran es bei ihr selbst hapert: Sie hat „Morbus Bahlsen“, eine Krankheit, bei der man eigentlich nur verlieren kann, denn man ist immer nur einer, die Kekse in der Packung aber sind viele. An Ende des Abends geht alles ganz schnell. Grieger-Langer verlässt die Bühne unter erstaunlich wenig Applaus, das Publikum ruft sie nicht noch einmal auf die Bühne zurück, diskutiert dagegen im Gehen die Länge des Abends. Manchem mögen es doch zu viel der Worte gewesen sein. Für Suzanne Grieger-Langer dagegen wird es in nächster Zeit spannend. Nach Medienberichten liegen gegen sie Anzeigen wegen Titelmissbrauch und Betrug vor. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat im September Anklage erhoben gegen die Profilerin, für die – natürlich – die Unschuldsvermutung gilt.

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