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Ulm

01.01.2021

Projekt gegen Antisemitismus: Ein Ulmer wird Polizei-Rabbiner

Der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik wird einer von zwei Polizeirabbinern in Baden-Württemberg.

Plus Ulms Ortsrabbiner Shneur Trebnik übernimmt ab Januar eine von zwei neu geschaffenen Stellen in Baden-Württemberg. Das sind seine künftigen Aufgaben.

Im neuen Jahr werden Polizistinnen und Polizisten in Baden-Württemberg erstmals auch durch Polizeirabbiner betreut. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Mittwoch zwischen dem Innenministerium und den Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württembergs unterzeichnet. Einer der neuen Polizeirabbiner kommt aus Ulm.

Es ist der bisherige Ortsrabbiner Shneur Trebnik, der seine neue Aufgabe zum 1. Januar ergänzend zur Betreuung der Gemeindemitglieder übernimmt. Der 45-Jährige ist der dienstälteste Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW). Er kam vor 20 Jahren nach Deutschland und hat die Zweigstellen der IRGW mit aufgebaut und betreut. Trebnik ist ausgebildeter Sanitäter und hat vor seiner Berufung als Rabbiner unter anderem als Lehrer für Mathematik gearbeitet. Er ist verheiratet, hat acht Kinder und lebt mit seiner Familie in Ulm.

Shneur Trebnik aus Ulm wird Polizeirabbiner für Württemberg

Aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit in verschiedenen IRGW-Zweigstellen habe Trebnik in den vergangenen Jahren regelmäßig Kontakt zu verschiedensten Polizeidienststellen im Land gehabt, die ihn auch bislang immer wieder um seinen Rat ersucht hätten, teilte die Israelitsche Religionsgemeinschaft am Mittwoch mit. Trebnik ist künftig einer von zwei Polizeirabbinern im Land. Der andere ist Moshe Flomenmann aus dem badischen Lörrach. Mit der Berufung von Polizeirabbinern habe das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg eine Empfehlung des Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus, Michael Blume, aktiv aufgegriffen.

„Extremismus, Diskriminierung und Antisemitismus dürfen in unserer Gesellschaft keinen Nährboden finden“, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU). „Mit der bundesweit ersten Benennung von Polizeirabbiner/innen in der Polizei gehen wir in Baden-Württemberg neue Wege und verdeutlichen gleichzeitig eine ganz klare Haltung: Unsere Polizei steht für Offenheit und Toleranz – und damit fest auf dem Boden der Verfassung.“

Polizeirabbiner sollen Beamten wissen über jüdisches Leben vermitteln

Die Polizeirabbiner sollen laut Innenministerium angehenden Polizeibeamten notwendiges Wissen über das heutige jüdische Leben in Deutschland als selbstverständlichem Bestandteil der heutigen deutschen Gesellschaft vermitteln, zunächst für zwei Jahre. Darüber hinaus werden die Polizeirabbiner allen Beschäftigten der Polizei und deren Angehörigen als Vertrauens- und Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.

„Ich freue mich, dass wir die Vereinbarung über die Benennung von Polizeirabbinern mit dem Land Baden-Württemberg unterzeichnen konnten“, erklärte Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Baden-Württemberg sei damit einmal mehr das erste Land, das neue Wege gehe und damit antisemitische Tendenzen, wo auch immer sie aufträten, zurückdränge. „Ich hoffe, dass unser Land das Vorbild und der Vorreiter sein wird für entsprechende Vereinbarungen in allen Bundesländern.“

Berufung von Polizeirabbinern "Ausdruck des Vertrauens"

Die Berufung von Polizeirabbinern sei Ausdruck des Vertrauens und der Wertschätzung zwischen dem Land Baden-Württemberg und den jüdischen Gemeinden, erklärten Prof. Barbara Traub (Vorstandssprecherin), Susanne Jakubowski und Michael Kashi vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. „Einer wechselseitigen Wertschätzung auf Augenhöhe, in der nicht nur unser Vertrauen in die polizeiliche Arbeit zum Ausdruck kommt, sondern umgekehrt auch ein Vertrauen in die jüdischen Gemeinden und ihre aktive Unterstützung für die Polizisten/innen in deren täglicher Arbeit.“ Bereits in der Tora sei die Bedeutung von Richtern und Polizisten hervorgehoben worden. „Und wir sind gerne bereit, unseren Beitrag zur Stärkung der polizeilichen Arbeit in unserem Land zu leisten.“

Vorbilder für die Einführung von Polizeirabbinern sind Israel und die USA, wo es sie schon seit Langem gibt, wie die Jüdische Allgemeine berichtet. (az, mru)

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