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Marcus von Anhalt

04.02.2015

"Protz-Prinz" im Knast: Droht der Region jetzt ein Rotlichtkrieg?

Vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung sieht Rotlichtunternehmer Marcus von Anhalt entgegen. Wie geht es mit seinen Geschäften weiter?
Bild: Ulrich Wagner

Während der Bordellkönig einsitzt, könnten andere nach seiner Krone greifen – mit Gewalt. Wie ein Experte die Lage sieht und warum auch der Adoptiv-Adelstitel in Gefahr ist.

Stürzt „Protz-Prinz“ Marcus von Anhalt von seinem Thron als Bordellkönig von Ulm, Neu-Ulm und weiteren deutschen Städten, wenn er in den Knast muss? Und was bedeutet das für die berüchtigte Rotlichtszene an der Donau, die als ebenso lukrativ wie hart umkämpft gilt? Droht gar ein blutiger „Bordellkrieg“?

In örtlichen Sicherheitskreisen werden diese Fragen mit Sorge diskutiert, seit der schillernde Adoptiv-Sohn des ebenso illustren Frederic von Anhalt wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt worden ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, seine Anwälte wollen es anfechten.

Doch es sieht sehr danach aus, als würde Marcus von Anhalt für geraume Zeit hinter Gittern bleiben. Ermittler des Finanzamts Neu-Ulm hatten sich intensiv mit dem reich bestückten Fuhrpark des Freudenhausbesitzers beschäftigt. Und das Augsburger Gericht war schließlich auch der Meinung, dass er drei Porsche, einen Ferrari, einen McLaren und einen Maybach zu Unrecht als Dienstfahrzeuge von der Steuer abgesetzt hatte.

Gleich nach dem Urteil tönte von Anhalt zwar „In vier, maximal fünf Monaten bin ich wieder draußen.“ Doch daran glauben in Sicherheitskreisen nicht alle: Seit dem Urteil ist gemutmaßt worden, dass durch eine längere „Auszeit“ des „Puff-Prinzen“ ein gefährlicher Machtkampf im Rotlichtmilieu entstehen könne. Sogar von einem möglicherweise drohenden Bordellkrieg war die Rede – zumal auch gefährliche Rockerbanden mit den Freudenhäusern an der Donau viel Geld verdienen. In Neu-Ulm hat es bei einem Streit zwischen Rockern und Bordellbetreibern Ende 2012 bereits ein Todesopfer gegeben – der Sicherheitsunternehmer Eduard W. war von einem Angehörigen der Gang „Rock Machine“ erschossen worden. Werden nun andere Zuhälter versuchen, sich Teile von Prinz Marcus’ Imperium unter den Nagel zu reißen? Und mit welchen Mitteln?

In diesen Kreisen sei ein Gefängnisaufenthalt normal

Einer, der die Szene von Amts wegen genau kennt, glaubt, dass Marcus von Anhalt sich die Butter nicht so leicht vom Brot nehmen lassen wird: „Um seine Läden in Ulm und Neu-Ulm kümmern sich seit Jahren zuverlässig seine Geschäftsführer.“ Dass der Pforzheimer Bordellkönig mit der Bewachung seiner zahlreichen Etablissements in ganz Deutschland die berüchtigten Rocker von den Hells Angels beauftragt hat, gilt in der Branche als offenes Geheimnis. Die Höllenengel zeigen dabei aber nicht ihr berühmtes Totenkopfemblem. Täten sie dies in Ulm, würde Ärger mit den verfeindeten „Bandidos“ drohen, die sich als die örtlichen Platzhirsche fühlen.

Aktien im Rotlichtgeschäft an der Donau haben nach Polizeierkenntnissen auch die rockerähnlichen Gruppierungen „Black Jackets“ und „Rock Machine“, die jeweils in Bordellen in der Blaubeurer Straße in Ulm vertreten sein sollen. Weder von ihnen noch von auswärtigen Banden wie der berüchtigten Zuhältervereinigung „United Tribuns“ aus Baden-Württemberg droht indes Gefahr für die Geschäfte von Marcus Eberhardt alias Prinz von Anhalt, so glaubt der Experte. In diesen Kreisen sei der eine oder andere Knastaufenthalt durchaus normal und „Prinz Protz“ werde seine Firma auch aus dem Gefängnis heraus weiterführen – „so wie Uli Hoeneß weiter die Geschicke des FC Bayern bestimmt“.

Einen Vergleich zwischen sich und dem gebürtigen Ulmer Uli Hoeneß hatte der Bordell-Prinz selbst gezogen: Hoeneß habe mehr Steuern hinterzogen. Bei Hoeneß, inzwischen Freigänger, ging es um 28,5 Millionen Euro, bei ihm, Eberhardt, um 800000 Euro. Marcus von Anhalt glaubt, nur so hart bestraft worden zu sein, weil er sein Geld im Rotlichtmilieu verdient. Die Richter begründeten das vergleichsweise harte Urteil dagegen mit dem umfangreichen Vorstrafenregister des Steuersünders.

Der Adoptiv-Papa hat die Faxen dicke

Wie immer die Sache vor Gericht auch ausgeht – dass er die Krone in seinem Bordell-Imperium verliert, halten Szene-Kenner für eher unwahrscheinlich. Abhanden kommen könnte dem gebürtigen Pforzheimer dagegen bald sein Adelstitel. Denn Adoptivvater Frederic von Anhalt hat die Faxen seines gegen eine üppige Geldzahlung angenommenen Sohnes dicke. Gegenüber der Zeitung Bild kündigte der 71-jährige Ehemann der hochbetagten Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor (97) an, die Adoption zu lösen. Marcus habe sich nicht um seine Adoptiveltern gekümmert und sich gewissermaßen als Sohn unwürdig erwiesen.

Offenbar hat der 48-jährige Protz-Prinz sich als schwarzes Schaf unter den angeblich zahlreichen „Kindern“ erwiesen, denen Frederic von Anhalt vermittels käuflicher Adoption zu einem Adelstitel verholfen hat. Möglicherweise heißt der gelernte Metzger also wieder Marcus Eberhardt, wenn er seine wohl unausweichliche Haftstrafe abgebüßt hat.

Vielleicht aber beruhigt sich der aufgebrachte Frederic von Anhalt wieder, wenn er ein wenig auf die eigene Vita zurückblickt. Schließlich hat er bereits selbst Anklagebank-Erfahrung gesammelt, bevor er 1980 – offenkundig gegen großzügige Geldzuwendung – von einer betagten Prinzessin adoptiert wurde.

Damals noch ein bürgerlicher Saunabetreiber namens Hans-Robert Lichtenberg , hatte er einst in Dortmund „Kindergruppen zum Klauen geschickt“, wie sich ein Richter in der Westdeutschen Allgemeinen erinnert: „Den habe ich dann zu einer Haftstrafe verurteilt.“

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