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Ulm

15.11.2018

Prozess: Diskotheken-Betreiber soll mit Drogen gehandelt haben

Die drei Angeklagten sollen Marihuana in den Niederlanden und Tschechien bestellt, nach Deutschland gebracht und hier gewinnbringend verkauft haben. Doch die Anwälte der Männer machen den Behörden schwere Vorwürfe.
Bild: Frank Leonhardt/dpa

Er und zwei weitere Angeklagte sollen 76 Kilo Marihuana im Wert von über 400.000 Euro geschmuggelt haben. Vor Gericht erhebt die Verteidigerin schwere Vorwürfe.

Drei Männer sollen 76 Kilo Marihuana aus den Niederlanden und Tschechien nach Erbach geschmuggelt und die Drogen hier verkauft haben. Einem Mann wirft die Staatsanwaltschaft sogar vor, mit noch mehr Rauschgift gehandelt zu haben. Doch der erste Verhandlungstag im Drogenprozess vor dem Landgericht Ulm endete etwas anders, als sich das mancher vorher nicht Eingeweihte wohl vorgestellt hatte. Ricarda Lang, Verteidigerin des Diskotheken-Betreibers stellte den Antrag, das Verfahren gegen ihren Mandanten wegen „Verfahrenshindernissen“ einzustellen. Die Anwälte der beiden anderen Angeklagten schlossen sich an.

Verteidigerin Lang sagte: „Wenn sich der Staat nicht an die gesetzlichen Vorschriften hält, verliert er das Recht zu strafen. Eine ausreichende Prüfung der Akten war dem Richter nicht möglich.“ Die drei Angeklagten wollten sich selbst zu den Anschuldigungen, Betäubungsmittel beschafft und veräußert zu haben, nicht äußern.

Drogen-Prozess: Anwältin fordert Freispruch für Angeklagten

Im Mittelpunkt der Prozesseröffnung standen die Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Andreas Kröner und eben Anwältin Ricarda Lang mit ihrem Antrag. Bei dem Diskotheken-Betreiber, der zuletzt in Erbach wohnte, sollen dem alle Fäden zusammengelaufen sein, so die eigentlich stichfest wirkende Anklage. Der Deutsche und die beiden anderen Männer, die aus Bulgarien und Moldawien stammen, sollen zwischen Ende Oktober 2017 und Ende Februar 2018 bei mehreren Fahrten, zu denen angeblich auch mal Kuriere angeheuert wurden, insgesamt 76 Kilogramm Marihuana hauptsächlich aus den Niederlanden, aber auch aus Tschechien, nach nach Erbach geschmuggelt und gewinnbringend verkauft haben.

Die drei angeklagten Männer sind jetzt zwischen 35 und 37 Jahren alt. Einer von ihnen soll zusätzlich noch einmal elf und ein anderes Mal 20 Kilogramm Marihuana besorgt haben. Insgesamt habe der Wert der geschmuggelten Drogen mehr als 400.000 Euro betragen haben. Am 27. Februar 2018 wurde das Fahrzeug, das von den Angeklagten mit entsprechendem Versteck für die Schmuggelfahrt eingesetzt worden sein soll, von der Polizei kontrolliert. Die Beamten fanden darin knapp 20 Kilogramm Marihuana.

Es geht um 76 Kilogramm Marihuana im Wert von 400.000 Euro

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer soll nach zwölf Verhandlungstagen, die sich bis in den Februar 2019 erstrecken, das Urteil verkünden. Aber nach dem Antrag von Verteidigerin Ricarda Lang könnte sich der Prozess auch anders entwickeln. Ihr Mandant, der seit 2015 mehrfach wegen Drogenbeschaffung und Handels mit Rauschgift belangt wurde, leide unter „massiver Rechtsverletzung und einem unfairen Verfahren“, monierte die Anwältin. Es gebe irreparable Verfahrenshindernisse. Die Verteidigerin aus München berief sich vor allem darauf, das Telefonate ihre Mandanten zeitweise rechtswidriges abgehört worden seien und darauf, dass dem Richter bis heute keine Beschlüsse und Akten vorlägen, die zur Beurteilung des Falles wesentlich seien. „Der polizeiliche Ermittlungsbericht genügt da nicht“, ereiferte sich Lang. „In diesem Verfahren sind bloße Vermutungen die Grundlage. Es liegen keine Hinweise auf regelmäßige Einfuhr von Rauschmitteln aus Spanien und den Niederlanden vor. Was den Verkauf anbetrifft: Es sind keine Käufer bekannt. Die längerfristige Observation eines Angeklagten ist verfassungswidrig. Die Rechte meines Angeklagten wurden auf willkürliche und schwerwiegende Weise verletzt“, sagte sie. Ein „Zuwarten auf einen Freispruch“ könne ihrem Mandanten nicht zugemutet werden. „Dies ist ein Verfahren, das sich auf rechtswidrig erlangte Beweise stützt“, fuhr sie fort. Die Anwältin beantragte, erst einmal die aus ihrer Sicht nicht angemessenen Fußketten bei ihrem Mandanten zu entfernen – und dann den Freispruch. Die Anwälte von der Mitangeklagten schlossen sich dem Antrag auf Freispruch vorbehaltlos an.

Der Prozesses wird am Montag, 26. November, fortgesetzt.

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