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Memmingen/Neu-Ulm

18.01.2020

Prozess: Hotelzimmer gemietet, um Geldscheine zu fälschen

Fünf junge Männer haben Geldscheine gefälscht und sie versucht, an den Mann zu bringen. Dabei gingen sie aber recht stümperhaft vor.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Fünf junge Männer haben in einem Hotelzimmer in Neu-Ulm 50-Euro-Scheine gedruckt. Doch das Ganze flog schnell auf: Die Täter arbeiteten ziemlich stümperhaft.

„Habt ihr ein Glück!“, sagte der Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes beim Amtsgericht in Memmingen bei der Urteilsbegründung. Verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass die sechs Angeklagten wegen gewerbsmäßiger Geldfälschung mit sehr milden Strafen davongekommen sind. Das Verfahren gegen die einzige Frau auf der Anklagebank wurde eingestellt, die Männer bekamen entweder Geldstrafen oder müssen soziale Stunden ableisten.

Zur Tatzeit im März 2018 waren die Sechs noch unter 21 Jahren, wurden also nach dem Jugendstrafrecht als Heranwachsende angesehen. Zudem waren alle geständig und bereuten die Tat. Einschlägige Vorstrafen lagen auch nicht vor. „Zur Zeit der Tat waren wohl alle in einem „Heranwachsenden-Loch“, hatten in ihren Familien keinen richtigen Halt, teilweise gab es auch berufliche oder schulische Probleme“, beschrieb der Staatsanwalt die Umstände, die die jungen Leute animierte, folgendes zu tun: Die jungen Männer kannten sich schon länger, sprachen sich ab und mieteten sich in Neu-Ulm ein Hotelzimmer. Einer hatte vorher über das Darknet Geräte und Material für die Fälschung von Geld besorgt. Sie druckten im Hotel etwa 150 falsche 50-Euro-Scheine.

Geldfälscher mieteten sich ein Hotelzimmer für ihre Taten

Eine junge Frau, die einer der Männer über das Internet kennengelernt hatte, wollten sie dabei, ohne dass diese eine Vorahnung hatte, auch einspannen. Als sie jedoch merkte, dass das Ganze kein Spaß, sondern eine ernst gemeinte Fälschung war, zog sie sich zurück. Die Männer versuchten dann, die „falschen Fünfziger“ in verschiedenen Orten loszubringen. Man ging in Geschäfte, kaufte für wenig Euro ein und sammelte das Wechselgeld als „Verdienst“. „Die Fälschungen und der Versuch damit etwas zu bezahlen, waren recht stümperhaft“, so die Staatsanwaltschaft. Daher dauerte es nur wenige Tage, bis zwei der Angeklagten in Stuttgart auf frischer Tat ertappt und verhaftet wurden. Bei der Polizei dauerte es dann etwas länger. Schließlich waren die Beamten in Bayern und in Baden Württemberg gleichzeitig gefordert, alles aufzuklären.

Bei der Verhandlung zeigten die Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfe die Lebenswege der jungen Männer auf. Schwierige, zum Teil stark problematische Familienverhältnisse waren offenbar die Regel. Umso erfreulicher ist die Entwicklung der Angeklagten in den vergangenen zwei Jahren: Bei allen lässt sich eine positive Entwicklung, eine Festigung der Lebensverhältnisse belegen. Auch das spielte bei der Urteilsfindung eine gute Rolle. „So etwas macht man nicht! Da seid ihr ganz bescheuert gewesen. Ihr seid doch nicht dumm! Tut sowas nie mehr wieder!“, redete der Richter den Angeklagten bei der Urteilsverkündung ins Gewissen.

Für die mittlerweile voll im Beruf stehenden Angeklagten gab es Geldstrafen von 1200 und 1800 Euro, für die anderen die Auflage, 50 bis 90 Stunden soziale Arbeit abzuleisten. Die Angeklagten entschuldigten sich zum Ende noch für ihre Verfehlung und versprachen, sich nichts mehr zu Schulden kommen zu lassen.

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