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Komödie

26.05.2015

Quirliges Traumpaar schlägt sich durch

Busenfreundinnen auf immer und ewig: Angela Kersten als Bernadette (links) und Julia Rieblinger als Jeanine im Theater Neu-Ulm.
Bild: Roland Mayer

Die „Busenfreundinnen“ überzeugen im Theater Neu-Ulm in einer rasanten Posse

Als Bernadette ihrer allerbesten Jeanine den Paul abgeluchst hat, ist es vorbei mit der vertrauten Liebelei. Doch der Rauswurf währt nur kurz. Die beiden Freundinnen hängen wie Kletten aneinander. In der Inszenierung von Heinz Koch gibt sich Peter Blaikners „Busenfreundinnen“ als spritzige Beziehungskomödie, die im prasselnden Spiel der beiden Protagonistinnen keine Sekunde verprasst.

Männer fürs Leben sind wie ein Hauptgewinn im Lotto. Aber einen verlässlichen Vater für Kinder zu finden, das ist wie die Suche nach dem Sandkorn am Meer. Dieses Leitmotiv hat der österreichische Kabarettist, Kindermusicalschöpfer und Theaterautor Peter Blaikner vor ein paar Jahren nach den derb-komischen Bildergeschichten des französischen Karikaturisten Jean-Marc Reiser zum kreuzfidelen Freundinnen-Schwank verarbeitet. Ein Lied davon singen Bernadette und Jeanine. Bernadette glaubt, dass es mit dem Mann ihrer Träume nicht mehr klappt, und blättert dennoch wie wild in Heiratsannoncen. Jeanine outet sich als alleinerziehende Mutter von vier Kindern und malt sich Reisen bis ans Ende der Welt aus. Ihr Motto: Scheidung ist ein Grund, um gar nicht erst unter die Haube zu gehen. Irgendwie steht sie als Frau im besten Alter über samt und sonders ausgelatschten Beziehungskrisen geläutert ihren Mann. Dennoch wird sie von Eifersucht gepackt, als das Blinzeln ihres Auto-Romeos Paul in Richtung Bernadette ungeahnte Früchte trägt. Wie locker das bittersüße Lustspiel im Punch einer kontrollierten Stegreifkomödie abrollt, geht nicht zuletzt aufs Konto von Regie (Heinz Koch) und Bühnenbild (Claudia Riese).

In Jeanines heimelig-moderner Balkon-Wohnung ist zu Couch, Bistrotisch und familiärer Kunstbildgalerie auch der spielerische Draht nach draußen gut markiert. Und wenn es klingelt, brauchten die beiden Plaudertaschen keine weiteren Mitspieler. Im munteren Dialog erzählen sie einander und ihrem Publikum, was kommt, wenn Männer Schlange stehen. Einer wollte vor der Wohnungstür nur aus der Bibel lesen. Und Manfred, der Dichter, der wird zitiert und gleich zerfleddert, aber nicht gekillt. Einmal Busenfreundin, immer Busenfreundin. Das Wiedersehen bringt faustdicke Überraschungen. Sepp, der Skilehrer, hat Bernadette geschwängert. Die hat jetzt eine Tochter, aber keinen Mann mehr.

Zerplatzt ist der Traum von einer richtigen Familie, aber da ist ja noch Boris, der Botschafter von Kanachistan. Und was mit der coolen Jeanine, die durch Bernadettes alpines Schäferstündchen unverhofft zur Tante wurde, noch passiert ist, gehört zur Pointe dieser saftigen Schicksals-Posse, die man sich gern servieren lässt.

Zwischen Untergang und Auferstehung rotieren Angela Kersten als Bernadette und Julia Rieblinger als Jeanine zum quirligen Traumpaar der Komödie am Petrusplatz, das in der Kontrastpalette von empfindsam (Kersten) bis bissig (Rieblinger) mit Publikumsbezug voll aufdreht. Dieses Witzklima packt auch die Selbstläufer beim Schopf: „Was sucht eine Blondine in der Ketchup-Flasche?“ – „Heinz!“

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