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21.10.2009

Rache für Bordelle als Motiv für El Masris Angriff?

Neu-Ulm Seit Wochen schweigt der in Untersuchungshaft sitzende Khaled El Masri in seinen polizeilichen Vernehmungen zu seinen Beweggründen für den tätlichen Angriff auf Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. Nun hat die Staatsanwaltschaft erste Hinweise auf ein Motiv: Den bekennenden Moslem hat es offenbar in Rage gebracht, dass die Stadt Neu-Ulm immer neue Bordelle genehmigt und in einem Fall einen Gebetsraum der Muslime "entweiht" hat. Dies geht aus einem persönlichen Brief El Masris an einen Bekannten hervor. Das "sehr blumig" abgefasste Schreiben ist in der Justizvollzugsanstalt abgefangen und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Überfall am Jahrestag der Terroranschläge in den USA

Khaled El Masri macht in den Augen der Staatsanwaltschaft Memmingen den Neu-Ulmer Oberbürgermeister dafür verantwortlich, dass in der Stadt Bordelle erlaubt worden sind. Am Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September hat der Deutsch-Libanese vor dem Freitagsgebet Gerold Noerenberg in seinem Amtszimmer überfallen und vor den Augen seiner Pressesprecherin brutal zusammengeschlagen.

Anfänglich war das Motiv für die spektakuläre Tat, die für bundesweites Aufsehen gesorgt hatte, völlig unklar. Vermutungen, die Hintergründe der Tat hätten mit El Masris Verschleppung und Folterung durch den amerikanischen Geheimdienst CIA zu tun, sind damit nun für die Ermittler widerlegt.

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Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Dr. Johannes Kreuzpointner gestern auf Anfrage mitteilte, ist El Masris Schreiben aus dem Untersuchungsgefängnis beschlagnahmt und offiziell als Beweismittel zu den Akten gelegt worden. Aufgabe von Sachverständigen werde es sein, diese Behauptungen El Masris "einzuordnen".

Der 46-Jährige wird, bevor ihm der Prozess gemacht wird, auf seinen Geisteszustand untersucht. Vom psychiatrischen Gutachten wird es abhängen, welche Konsequenzen El Masris Attacke auf den Neu-Ulmer OB hat. Sollte sich herausstellen, dass er zur Tatzeit schuldunfähig war, droht ihm die Einweisung in ein Bezirkskrankenhaus. Ende August war er auf behördliche Anweisung im Günzburger Bezirkskrankenhaus untersucht - allerdings als ungefährlich wieder entlassen worden. Diesmal nun wird er im BKH in Kaufbeuren begutachtet. Ob die dortigen Psychiater zu einem anderen Ergebnis kommen werden, bleibt abzuwarten.

Bei der Moschee, die El Masri durch ein Bordell entweiht sieht, handelt es sich offenbar um das ehemalige Multikulturhaus in der Zeppelinstraße, von dem Teile inzwischen als Bordell genutzt werden. Dort hatten sich nicht nur friedliebende Moslems zum Freitagsgebet getroffen, auch Hassprediger hatten dort mehrfach zum "Heiligen Krieg" aufgerufen. Zu den Stammgästen gehörte nach Erkenntnissen der deutschen Ermittlungsbehörden auch Khaled El Masri.

Das unmittelbar an das Gebäude des Multikulturhauses angrenzende Bordell existierte zum damaligen Zeitpunkt bereits, hat sich aber im Laufe der Jahre auch zu einem Sex-Etablissement entwickelt, das auch mit sadomasochistischen Praktiken wirbt. Der Name des Bordells ist aus dem Griechischen entlehnt und bedeutet soviel wie "ein heiliger, für die meisten Menschen unbetretbarer Ort". In den griechischen Kirchen wird mit Abaton das Allerheiligste - der mit Vorhängen umgebene Chor - bezeichnet, den nur die Priester betreten dürfen.

Für die Ermittler sind die von El Masri genannten Motive für seinen Angriff auf den Neu-Ulmer Oberbürgermeister durchaus nachvollziehbar. Das Multikulturhaus war für El Masri viele Jahre lang religiöser Mittelpunkt und hat sich zu einer Kultstätte entwickelt, die durch die Prostitution in seinen Augen entwürdigt worden ist. So sei es ebenfalls undenkbar, dass eine katholische Kirche in ein Freudenhaus umgewandelt werde, sagte ein Ermittler gestern.

Wenn dies aber dennoch geschehe, rechtfertige dies aber nie und nimmer einen tätlichen Angriff auf eine Person, auch wenn sie direkt oder indirekt dafür verantwortlich ist.

In Neu-Ulm war es nicht die Stadt und demzufolge auch nicht Oberbürgermeister Gerold Noerenberg, der die Prostitution erlaubt hat. Die Regierung von Schwaben hat vor gut 15 Jahren die Sperrbezirksverordnung geändert und damit den Weg frei gemacht für käuflichen Sex in genau begrenzten Gebieten in der Stadt. Zuvor hatten die Prostituierten ihre Dienste rund um die katholische Kirche in der Innenstadt angeboten.

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