Ulmer Literaturwoche

11.06.2015

Radioaktiver Pudding

Tex Rubinowitz sprach über die Höhen und Tiefen seines Lebens.
Bild: Hub

Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz spricht zum Auftakt. Warum er zu Neu-Ulm ein besonderes Verhältnis hat

Der Auftakt der dritten Ulmer Literaturwoche überrollte deren Initiator Florian Arnold: Der Saal der Museumsgesellschaft war überfüllt von Neugierigen, die den Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz erleben wollten. Beispiele seiner Begabung als Karikaturist und Cartoonist, als der er sich bis vor Kurzem verstand, zierten die Wände der Oberen Stube; aus seinen Texten aber las der Autor eher weniger, denn das Vorlesen ist nicht seine Art. Rubinowitz erzählte lieber wortreich, mit voluminöser Gestik und eindrucksvoller Mimik, über Phasen des Abends auf einem Stuhl stehend. Den Bachmann-Preis, sagt er, habe er ja auch nicht für seine Lesekunst bekommen, sondern für den Inhalt seines Textes.

Beim Reden spielt Rubinowitz, der als Dirk Wesenberg in Hannover geboren wurde, mit den Höhen und Tiefen seiner Biografie. Mit sieben Fünfen von der Schule geflogen, vom Vater als absoluter Versager gesehen, Missbrauch und Gewalt – und dazwischen die Satire, die Luft verschafft. Mit seinem eigentlichen Namen Dirk darf ihn niemand ansprechen; ihn empfindet der Autor als die Wiedergabe des Geräusches, mit dem der Körper gegessene Nahrung wieder nach oben und außen befördert. Sprich: Er findet ihn zum Kotzen. Mamas Kosenamen „Sputnik“ darf wirklich bis heute nur Mama benutzen – also steht auch im Ausweis „Tex“, und so will er auch angesprochen werden.

Zu Ulm hat er ein eigenes Verhältnis, sagt der in Österreich lebende Künstler – und meint damit tatsächlich zu Neu-Ulm. Denn am rechten Donauufer verdiente er als junger Mann zum ersten Mal richtig Geld: als Versuchskaninchen einer Pharma-Firma. Im Buch „Irma“, das heuer auf den Markt kam, berichtet er vom radioaktiven Pudding, den er damals aß, und vom Herzkatheter, den er sich legen ließ.

Bier und Listen mag Tex Rubinowitz, das wird schnell klar: Listen schaffen Ordnung im Chaos des Lebens – gerade für den, der die Unkontrollierbarkeit fürchtet. Was zum Beispiel denkt der Psychiater, während der Patient auf der Couch liegt? Rubinowitz´ Aufreihung reicht von der Einkaufsliste, die der Arzt notiert, bis zum „Das muss ich Mama erzählen.“ Aber weil Mama schon vor längerer Zeit starb, siedelt Rubinowitz den Arzt nicht weit vom Patienten an. Und mit welchen Begründungen kann man ein Kleidungsstück umtauschen? Haben Sie es schon mal mit „Mein Hund knurrt mich an!“ probiert? Warum Frauen Salat mögen und Männer nicht – diese Liste generalisiert arg und wirkt doch recht ermüdend. Und ob es Adam wirklich im Paradies geholfen hätte, wenn er statt in den Apfel in einen Lollo Rosso gebissen hätte? (köd)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20ABR_2893.tif
Märchen

Spannend statt gruselig

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket