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Pfaffenhofen

02.05.2020

Räte aus Pfaffenhofen schreiben kommunalpolitische Geschichte

Ein Gruppenfoto mit Mindestabstand: 13 Räte scheiden aus dem Marktgemeinderat, davon waren elf in der vergangenen Sitzung anwesend. Auch Walz und die beiden stellvertretenden Bürgermeister verlassen das Gremium.
Bild: Sophia Huber

Plus Insgesamt 13 Mitglieder beenden ihre Amtszeit im Marktgemeinderat Pfaffenhofen. Auch Bürgermeister Josef Walz wurde verabschiedet – doch nicht so gebührend, wie geplant.

Es hätte ein festlicher und stimmungsvoller Abschied werden sollen. Doch die Umstände machten den Räten einen Strich durch die Rechnung. In der vergangenen Gemeinderatssitzung in Pfaffenhofen wurden 13 Räte verabschiedet. Ebenso der Bürgermeister Josef Walz, der nach 30 Jahren in den Ruhestand geht.

Elf scheidende Gremiumsmitglieder waren anwesend und erhielten neben der Urkunde auch eine Ehrennadel. Walz sprach einen großen Dank für deren Einsatz aus. „Ich habe die Hoffnung, dass der von ihnen in so hohem Maße bewiesene Bürgersinn, für unsere jungen Gemeindebürger Vorbild sein möge“, sagte der zu diesem Zeitpunkt Noch-Bürgermeister Walz. Er würde sich freuen, wenn der ein oder andere ehemaligen Rat auch mal als Zuhörer wieder in den Sitzungssaal zurückkehre.

Lesen Sie hierzu auch: Der „Festlesbürgermeister“ und Krisenbewältiger Josef Walz verabschiedet sich

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Besonders viel Respekt sprach Walz dem längsten Ratsmitglied in Pfaffenhofen aus. Franz Walk wurde 1978 in das Gremium gewählt, nach 42 Jahren ist auch für ihn der kommunalpolitische Ruhestand gekommen. „Es wird nicht viele Kommunalpolitiker geben, die länger ihren Dienst tun als du. Dafür meine größte Anerkennung und den größten Respekt“, sagte Walz und überreichte Walk neben der Urkunde und der Ehrennadel eine goldene Jubiläumsmedaille.

Franz Walk (rechts) verabschiedet sich nach 42 Jahren als Marktgemeinderat in den kommunalpolitischen Ruhestand. Er bekam eine goldene Jubiläumsmedaille.
Bild: Sophia Huber

Auch allen anderen Räten dankte Walz für ihre freundschaftliche Wegbegleitung. Seinem Nachfolger, Sebastian Sparwasser, der seit seiner Wahl regelmäßig die Sitzungen als Zuschauer besucht, wünschte Walz eine „große Portion Gelassenheit“. „Schaut, dass Pfaffenhofen weiterhin die Perle des Rothtales bleibt“, appellierte der scheidende Bürgermeister an die nachfolgenden und bleibenden Räte. Als er die Sitzung schon schließen wollte, unterbrachen ihn seine Vertreter, Erwin Stötter (Zweiter Bürgermeister) und Karlheinz Thoma (Dritter Bürgermeister).

So ganz sang- und klanglos wollte man Walz dann nämlich doch nicht gehen lassen. „Das Beste kommt zum Schluss. Im Anbetracht der Zeiten würden wir das mit Blick auf die Amtszeit des Bürgermeisters nicht unterschreiben. Es gab in den letzten 30 Jahren bestimmt gute und schlechte Zeiten. Aber eine Krise war bisher nie zu bewältigen“, sagte Thoma in seiner Ansprache für Walz. Der Bürgermeister habe in den 30 Jahren die wichtigsten Maßnahmen in Pfaffenhofen vorangebracht: „Man kann es sich gar nicht mehr vorstellen, aber zum Zeitpunkt des Amtseintrittes gab es in einigen Ortsteilen keine Kanalisation“, sagte Thoma.

Der jetzt ehemalige Bürgermeister Josef Walz bekam ein Abschiedsgeschenk

Neben der harten Arbeit haben die Pfaffenhofer Politiker auch gerne einmal gefeiert. „Ich verrate sicher kein Geheimnis, dass unser Bürgermeister von manchen mit dem Spitznamen Festles-Walz bezeichnet wurde“, trug Thoma mit ein Schmunzeln vor. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass ausgerechnet der Festles-Walz ohne eine angemessene Feier seine Amtszeit beenden muss. „Das schmerzt uns, die dich gerne in passenden Rahmen verabschiedet hätten, mehr als dich“, sagte Thomas. Ohne musikalische Umrahmung, ohne Ehrengäste und ohne die vielen Bürger, die gerne gekommen wären, um ihn zu verabschieden, wurde die 30-jährige Amtszeit am Mittwochabend leise, aber mit liebevollen Worten beendet.

Die fand auch Stellvertreter Erwin Stötter, der vor allem Walz’ Beliebtheit in der Bevölkerung ansprach und dessen Gabe, immer ein offenes Ohr zu haben. „Wir drei, das Triumvirat, verlässt jetzt die Bühne“, beendete Stötter seine Rede. Das Triumvirat – das waren Walz, Stötter und Thoma.

Am Ende bekam der jetzt ehemalige Bürgermeister sein Abschiedsgeschenk überreicht, eine Westerngitarre. Der 65-Jährige beendete die Sitzung mit Wehmut, Dankesworten und dem Satz „Es gab keinen Tag, an dem ich mit Widerwillen ins Rathaus ging“.

Die Freude über die zwölfsaitige Gitarre war groß.
Bild: Sophia Huber

Diese Mitglieder scheiden aus: Sandra Baumann (sechs Jahre Mitglied), Marlies Fuchs (18 Jahre), Rolf Gassner (zwölf Jahre), Konrad Jahn (sechs Jahre), Hildegard Mack (24 Jahre), Klaus Przewodnik (12 Jahre), Richard Reitzle (18 Jahre), Anton Rupp (30 Jahre), Maria Störk (18 Jahre), Erwin Stötter (24 Jahre), Karlheinz Thoma (18 Jahre), Franz Walk (42 Jahre) und Dominik Wansing (sechs Jahre).

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