1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Rätsel um Gift unter der Erde

Landkreis Neu-Ulm

28.06.2016

Rätsel um Gift unter der Erde

Symbolbild
Bild: Uwe Anspach/dpa

Im Unteren Illertal wurden zuletzt vermehrt krebserregende Schadstoffe gemessen. Woran das liegt und was dagegen getan werden soll

Es war ein Umweltskandal erster Güte. Jahrzehntelang flossen auf dem Gelände der Uhrenfabrik in Senden sowie einer Großreinigung in Bellenberg giftige Lösungsmittel offenbar ungehindert ins Erdreich – noch heute lassen sie sich dort in unterschiedlich großen Mengen nachweisen. Wie das Landratsamt nun bekannt gab, sind die Schadstoffwerte im Unteren Illertal zwischen Bellenberg und Neu-Ulm zuletzt wieder leicht angestiegen.

„Der Anstieg ist nicht dramatisch, wir hatten in der Vergangenheit schon wesentlich höhere Werte“, relativiert Renate Pressl, die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Wasserrecht und Bodenschutz im Landratsamt. Möglicherweise hätten die Regenfälle der vergangenen Wochen im Zusammenspiel mit der Trockenheit des vergangenen Herbstes dazu geführt, dass abgelagerte Schadstoffe durch das ansteigende Grundwasser wieder mobilisiert wurden. Allerdings sei das Verhalten der krebserregenden LHKW (leichtflüchtigen, halogenierten Kohlenwasserstoffe) unter der Erde äußerst undurchsichtig, sodass es „nicht die eine, einzig richtige Erklärung“ für das Phänomen gebe, so Pressl.

Fakt ist, dass die Messwerte in Vöhringen, Senden, Bellenberg, Gerlenhofen und Ludwigsfeld weiterhin deutlich über den für Trinkwasser geltenden Grenzwerten liegen. Am stärksten betroffen ist das Gelände der ehemaligen Uhrenfabrik in Senden, auf dem Spitzenwerte von bis zu 970 Mikrogramm LHKW pro Liter Wasser gemessen wurden. Für Trinkwasser gelten Grenzwerte von 10 Mikrogramm. Aber auch in der Umgebung sind die Werte noch so hoch, dass das Landratsamt auch dieses Jahr wieder Gartenbesitzern zur Vorsicht rät. „In den betroffenen Bereichen sollten Obst und Gemüse nicht mit Brunnenwasser gegossen werden“, erklärt Renate Pressl. Auch für das Duschen und Baden sowie für das Tränken von Nutztieren sollte daher ebenfalls nur Trinkwasser aus öffentlichen Leitungen verwendet werden: „Das Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung ist nicht durch die Schadstoffe belastet. Auch das Baden in Baggerseen ist unbedenklich und nicht gesundheitsgefährdend.“

Um das Problem der giftigen Altlasten im Unteren Illertal auf Dauer in den Griff zu bekommen, laufen laut Pressl in Senden seit wenigen Jahren Untersuchungen der Grundwasserströme. Sind diese abgeschlossen, soll mithilfe eines Modells ein Sanierungsplan erstellt werden. Dabei könnten auch in der Natur vorkommende Bakterien zum Einsatz kommen, die die gefährlichen Halogen-Kohlenwasserstoffe abbauen. „Versuche haben gezeigt, dass das eine Lösung sein könnte“, sagt Renate Pressl zurückhaltend. Wann jedoch die Untersuchungen abgeschlossen sind und mit der Sanierung begonnen werden kann, könne sie nicht vorhersagen. Dafür verantwortlich seien die Eigentümer des Geländes der ehemaligen Uhrenfabrik, für das seit geraumer Zeit Planungen für eine Wohnbebauung laufen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren