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Neu-Ulm

19.10.2018

Rainhard Fendrich bietet Unterhaltung mit Haltung

Rainhard Fendrich griff auch selbst zur Gitarre.
Bild: Andreas Brücken

Der Liedermacher Rainhard Fendrich zeigt bei seinem Konzert in Neu-Ulm, dass er weiterhin den Finger auf die Wunden der Gesellschaft legt.

Der österreichische Liedermacher Rainhard Fendrich ist ein Gastgeber, wie man ihn sich wünscht – weiß der bekennende Wiener aus seiner über 40-jährigen Bühnenerfahrung doch genau, was seine Fans hören wollen. Für seine aktuelle Tournee unter dem Titel „Für immer a Wiener“ suchte er „in den Tiefen seiner Archivschubladen“, wie der Künstler zu Beginn seines Konzerts in der Ratiopharm Arena sagte. Rund 1600 Fans waren gekommen – wohl nicht zuletzt, um sich gemeinsam mit dem Musiker auf eine Reise der Austropop-Zeiten zu begeben.

Wiener Schmäh und bissiger Sarkasmus

So begrüßte Fendrich sein Publikum direkt mit der Frage „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“, nur um die Besucher Sekunden später ganz weit in die Vergangenheit des Sängers zu führen: mit der etwas kitschig-naiven Ballade „Sonnenuntergänge“ aus dem Jahr 1981. Doch im Gegensatz zur Originalversion ließen Fendrich und seine Band die E-Gitarren im Koffer und die Keyboards ausgesteckt. Stattdessen interpretierten die Musiker, die meist im Halbdunkel der Bühne nur schemenhaft zu sehen waren, mit vier Akustikgitarren, einem Klavier und einem recht reduzierten Drumset die Songs. „Ganz ohne Strom, rein biologisch“, erklärte Fendrich scherzhaft, der gelegentlich selber zur Gitarre griff. Krysztof Dobrek rundete den samtigen Klang der Band mit Akkordeon, Saxofon, Querflöte und Klarinette ab.

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An seiner typischen Mischung aus Wiener Schmäh und bissigem Sarkasmus hat der Musiker jedoch nichts geändert. Haben doch Lieder wie „Tango Korupti“ oder „Es lebe der Sport“ auch nach Jahrzehnten nichts an ihrer Aktualität verloren. Doch statt sich auf den Lorbeeren der vergangenen Jahre auszuruhen, blieb der Künstler weiterhin wachsam: Fendrich legt weiterhin den Finger auf die Wunden der Gesellschaft und will es nicht hinnehmen, dass in Deutschland und Österreich Millionen Menschen in Armut leben müssen.

Zum Finale erheben sich viele Fans in der Ratiopharm Arena von den Sitzen

„Die Liebe bleibt immer ein Kind“ ist ein ganz neuer, zu Herzen gehender Song, der auf „Für immer a Wiener“ seine Premiere feiert: „Tausend Jahre haben nichts gelehrt, Hunger, Armut als Beweis, und Kinder in der Seele früh versehrt“, singt Rainhard Fendrich darin und unterstreicht damit einmal mehr, dass er nach bald 40 Jahren Karriere Unterhaltung mit Haltung verbinden kann. Den Reinerlös des Live-Albums lässt Fendrich übrigens der Bekämpfung der Kinderarmut zugutekommen.

Rund zweieinhalb Stunden erleben die Fans den 62-jährigen Sänger als smarten Entertainer, der mit seinem Alter kokettiert und augenzwinkernd über die Folgen der reiferen Herren spricht: „Es dauert lange, bis die Männer in den besten Jahren merken, dass sie die Besten schon hinter sich haben.“

Noch bis zu den Zugaben, genießen die Besucher das Konzert im Sitzen. Doch als Fendrich und Band zum Finale mit „I’m from Austria“, „vü schöner is des G’fühl“ und „Blond“ spielt, füllt sich der Raum vor der Bühne mit singenden und tanzenden Fans. Den letzten Gänsehautmoment durften die Besucher schließlich mit dem von vielen sehnlichst erwarteten Liebeslied „Weilst a Herz hast wie a Bergwerk“ erleben.

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