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Neu-Ulm

09.10.2016

Ratschläge vom Opa auf Zeit

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Helmut Herzog war Betriebswirt in einem international agierenden Unternehmen – nun, in seiner Rente, gibt er seine Erfahrung an Schulabgänger weiter.
Bild: Jazz

In Ulm und Neu-Ulm vermitteln Senioren den Schülern Kompetenzen für das Berufsleben. Der Vorsitzende Helmut Herzog erzählt, wie er sich damit jung hält.

Der Einstieg ins Berufsleben ist für viele Schulabgänger verwirrend: Sie werden von einer Flut von Berufsmöglichkeiten erdrückt. Vielen ist unklar, wie man sich richtig bewirbt und auf welche Kriterien es dabei ankommt. Diesen Fragen nimmt sich seit 2001 der Verein „Jung + Alt = Zukunft zusammen“ an, kurz „JAZz“.

Der Verein vermittelt in Kooperation mit Gemeinschafts-, Werkreal- und Mittelschulen in Ulm und Neu-Ulm den Schülern in Seminaren Kompetenzen für die Berufsfindung und den Bewerbungsprozess. Eines der sechs Gründungsmitglieder des Vereins ist der Helmut Herzog aus Unterweiler. Der 72-jährige war zu seiner Berufszeit bei einem internationalen Unternehmen als Betriebswirt im Einkauf beschäftigt. Heute will er seine Kenntnisse an junge Schüler weitergeben.

Das Prinzip von JAZz lautet: Senioren geben Erfahrungen aus der eigenen Arbeitszeit an die Schüler weiter. Unter den Ehrenamtlichen sind auch ehemalige Personalchefs aus großen Unternehmen in der Region. Der Verein hat aktuell um die 50 Mitglieder, von denen etwa 25 auch aktiv sind. Er entwickelte sich aus einem Modellprojekt des Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm.

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Herzog ist Vorsitzender des Vereins und verantwortlich für die Albrecht-Berblinger-Gemeinschaftsschule in Ulm. Nachdem er mit 56 Jahren in Rente ging, engagierte er sich in dem Projekt. „Ich wollte damals einfach etwas tun“, erzählt der Mann. Er sehe auch eine menschliche und soziale Verantwortung, den Jugendlichen auf ihrem Weg in den Beruf zu helfen. Wichtig sei es ihm, den Schülern realistische Vorstellungen von ihrem beruflichen Werdegang zu geben und ihnen auf ihrem Weg Hilfestellung zu leisten.

Dies wird in sechs Seminarterminen, die während der achten und neunten Klasse über das Schuljahr verteilt stattfinden, erreicht. Dabei führen die Ehrenamtlichen nach einem ersten Kennenlernen mit den Schülern Berufstest und Trainings zu Kernkompetenzen wie Benehmen und sozialem Verhalten durch. Im weiteren Verlauf stehen unter anderem auch Rollenspiele auf dem Programm, die eine Bewerbungssituation simulieren. Das soll den Jugendlichen dabei helfen, ihre eigenen Fehler zu erkennen.

Die Schüler scheinen dieses Programm gut anzunehmen. Disziplinarmaßnahmen seien so gut wie nie nötig, sagt Herzog. „Daran merkt man, dass unser System funktioniert“ Als Grund für den Erfolg sieht er auch, dass bei den Treffen kein Frontalunterricht stattfindet, sondern auch ein gemeinsamer Diskurs und Spiele Eingang finden. In den Seminaren sind üblicherweise acht bis zehn Senioren für etwa 20 Schüler anwesend und stehen für Fragen und Tipps bereit.

Ein weiterer Aspekt der Arbeit ist das Vermitteln von Selbstwertgefühl. „Wir sind Omas und Opas auf Zeit,“ erklärt Herzog. Viele der Teilnehmer seien es nicht gewöhnt, Anerkennung von Senioren zu bekommen. Aber auch für die Senioren ist die Arbeit eine wichtige Erfahrung. Der Austausch mit den Schülern zeige auch ihnen neue Perspektiven auf. Sie kommen mit dem Alltag von Jugendlichen in Kontakt und lernen dadurch auch selbst viel Neues kennen. „Wir bleiben selbst jung dabei,“ sagt Herzog.

Dennoch werde es immer schwieriger, neue Senioren für das Ehrenamt zu finden. „Wir finden nur noch wenig Nachwuchs“, scherzt Herzog. Ein Grund: Der Großteil der Arbeitnehmer geht heute erst mit 67 Jahren in die Rente. Da fehle vielen die Kraft oder Motivation, sich noch ehrenamtlich zu engagieren, erzählt der Vereinsvorsitzende. Um bei dem Projekt erfolgreich mitzuarbeiten, brauche es eine Affinität zu Jugendlichen. Es könne nicht als reiner Zeitvertreib gesehen werden. Er sieht hier auch Unterschiede zu anderen Veranstaltungen, die den intergenerationellen Dialog fördern sollen. „Viele Senioren wollen unterhalten werden. Wir möchten unterhalten“, beschreibt Herzog seine Arbeit.

Auch außerhalb der Seminare besteht ein reges Vereinsleben. Mindestens alle sechs Wochen treffen sich die Mitglieder zu Klausurtagungen oder besuchen Vorträge und Fortbildungen, die sich mit pädagogischen Themen beschäftigen. Auf der Ehrenamtsmesse in Neu-Ulm will der Verein „JaZz“ versuchen, neue Mitglieder für ihr Ehrenamt zu begeistern.

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