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Herkunft

05.02.2015

Raubkunst: Ulmer Museum gerät selbst ins Visier

Anwaltskanzlei fordert Rückgabe von Goldschmiedearbeiten. 18 Grafiken in Bern könnten aus Ulm stammen

Ob Emil Noldes „Waldkinder“ aus dem Gurlitt-Nachlass tatsächlich aus dem Ulmer Museum stammen, ist noch nicht geklärt. „Das Kunstmuseum Bern prüft das selbstständig“, sagt die Ulmer Museumschefin Gabriele Holthuis. Das Thema Raubkunst wird ihr Haus auch im Jahr 2015 beschäftigen – und das, wie nun beim Jahrespressegespräch bekannt wurde, in doppelter Hinsicht: Denn auch im Ulmer Museum gibt es offenbar Stücke unklarer Herkunft.

Ende vergangenen Jahres erreichte Holthuis nach eigenen Aussagen die Anfrage einer Rechtsanwaltskanzlei. Diese fordere im Auftrag einer Privatperson die Rückgabe von drei Goldschmiedearbeiten aus der Ulmer Sammlung. Bei diesen handle es sich um bedeutende Exponate aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Genaueres wollte Holthuis jedoch noch nicht sagen: „Wir prüfen derzeit die Anfrage und versuchen, die Herkunft zu rekonstruieren.“ Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde das Museum die Stücke entweder zurückgeben oder – sofern der Gemeinderat mitspielt – rechtmäßig erwerben. Holthuis warnt schon einmal vor: „Eventuell müssen wir uns von etwas verabschieden. Das Thema Raubkunst kann keine Einbahnstraße sein.“

Die Mitarbeiter des Museums durchleuchten derzeit nach Angaben der Direktorin die eigenen Bestände nach kritischen Posten. Die Nachforschungen der vergangenen Monate hätten auch dazu geführt, dass man inzwischen deutlich mehr als die bisher bekannten 160 von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Werke namentlich identifizieren könne. Insgesamt verlor das Museum 1937 durch die Aktion „Entartete Kunst“ rund 230 Werke.

Neue Liste mit Werken von Beckmann, Picasso und anderen

Doch was ist mit den Werken geschehen? Bislang gab es nur bei der erwähnten „Waldkinder“-Radierung den Verdacht, dass diese Teil der Gurlitt-Sammlung sein könnte. Inzwischen hat die Direktorin eine deutlich erweiterte Liste nach Bern geschickt. Neben den „Waldkindern“ befinden sich darauf 17 weitere Arbeiten, die einst aus dem Museum geraubt wurden: unter anderem von Max Beckmann, Lovis Corinth, George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka und Pablo Picasso. Auch bei diesen muss nun geprüft werden, ob sie aus Ulm sind, was durchaus kompliziert ist: Alle Werke sind druckgrafische Blätter, existieren also in mehreren Abzügen.

Doch Holthuis ist optimistisch: Sie hält es durchaus für wahrscheinlich, dass fünf bis sieben der Arbeiten aus ihrem Museum kommen. „Dann haben wir gute Chancen, sie ausgeliehen zu bekommen“, so Holthuis. Ob für eine Sonderausstellung oder sogar als langfristige Leihgabe, müsse sich aber erst noch zeigen. Eine Rückgabe hält sie für ausgeschlossen. "Seite 31

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