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Ulm

10.11.2018

Raubmord-Prozess: Zweifel an der Hauptzeugin

Ein Justizbeamter führt den gefesselten Angeklagten beim Prozessauftakt in den Gerichtssaal.
Bild: Alexander Kaya

Die Verteidiger der Angeklagten fordern ein Gutachten. Zeugen beschreiben, wie es der alten Mutter des Opfers seit der Tat am Eselsberg in Ulm geht.

Am dritten Tag im Prozess um den Raubmord am Ulmer Eselsberg scheint die Strategie der Verteidiger deutlich geworden zu sein. Die beiden Anwälte zweifeln die Aussagen der heute 91-jährigen Mutter des Mordopfers an. Sie wollen die Frau von einem Gutachter auf Altersdemenz untersuchen lassen. Die Verteidiger vertreten das georgisch-russische Ehepaar, das einen 59-jährigen geistig behinderten Mann in der Dreikönigsnacht getötet haben soll, um an den Schmuck seiner Mutter zu gelangen, die mit ihrem Sohn zusammenlebte. Die Angeklagten schwiegen vor Gericht.

Das Opfer starb auf grausame Weise. Der Mann wurde mit einem schweren Hebeleisen zu Boden geschlagen, sodass er einen Nasenbeinbruch erlitt. Dann wurde er mit einem Klebeband geknebelt. Der 59-Jährige konnte nicht mehr richtig atmen und erstickte langsam. Eingefädelt haben soll die grausame Tat eine Kasachin, die als Zugehfrau und Haushälterin arbeitete und die Mutter des Getöteten regelmäßig besuchte. So kannte sie sich in deren Wohnung bestens aus. Ihr war bekannt, dass sich in einer Schachtel wertvoller Gold- und Silberschmuck befand und dass die Witwe größere Geldbeträge unter ihrer Matratze verwahrte. Auch wusste sie laut Anklageschrift, wie man über die Garage direkt in das gut gesicherte Haus eindringen konnte.

Lesen Sie hier: Raubmord in Ulm: Täter erstickten das Opfer

Raubmord am Ulmer Eselsberg: Ehepaar vor Gericht

Am zweiten Tag der Verhandlung, am 26. Oktober, sollte die Beweisaufnahme mit dem Auftritt der Mutter des Getöteten beginnen. (Lesen Sie auch: ) Doch die Hauptzeugin der Anklage erschien nicht. Stattdessen verlas das Gericht ein ärztliches Attest. Demnach ist die von der Polizei vernommene Frau aufgrund der psychischen Folgen des traumatischen Erlebnisses dauerhaft nicht in der Lage, vor Gericht auszusagen. Schon da äußerten die Verteidiger massive Bedenken gegenüber den Aussagen, die die Frau kurz nach der Tat gemacht hatte. Nun lieferten sie eine Begründung. Der Anwalt der Angeklagten forderte das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen, um die Frage einer Altersdemenz zu klären. Die hatte auch die Ärztin der 91-Jährigen festgestellt.

Antworten zum Gesundheitszustand gaben am Freitag ihr 62-jähriger Neffe und seine Ehefrau im Zeugenstand. Beide kümmern sich seit Jahren regelmäßig um das Wohlbefinden der 91-Jährigen. Die sei vor der Tat für ihr Alter noch fit und weltoffen gewesen. Sie sei Auto gefahren und habe kleine Einkäufe getätigt. Die elegante und selbstbestimmte Frau habe ein gepflegtes Aussehen geschätzt und echten wie modischen Schmuck geliebt. Ihr Allgemeinzustand habe sich nach der Tat aber drastisch verändert. Die Frau sei psychisch angeschlagen und suche immer noch nach einer Erklärung, wie alles geschehen konnte.

Opfer der brutalen Tat war ein geistig behinderter 59-Jähriger

Die Frau des Neffen betonte, eine Altersdemenz auch nach der Tat nicht festgestellt zu haben: „Es war das Übliche in diesem Alter. Sie erzählte häufig mehrfach ihre Geschichten, das war alles.“ Der geistig eingeschränkte 59-Jährige sei meistens sehr fröhlich gewesen und habe keiner Fliege etwas antun können. Lediglich in Stressphasen sei er gelegentlich innerlich ausgerastet und habe am ganzen Körper gezittert. Zudem berichtete die Zeugin, dass in der Wohnung der Tante immer mal etwas gefehlt habe, wie etwa Handtücher oder Besteck. Der Verdacht gegen eine Putzfrau habe sich nicht bestätigen lassen. Nach der Tat sei der gesamte wertvolle Schmuck weg gewesen, den Modeschmuck hätten die Täter zurückgelassen. Die Beute wurde in Italien verhökert, ermittelte die Polizei.

Der Prozess war eigentlich für 2019 geplant. Doch das baden-württembergische Justizministerium hielt wegen des öffentlichen Interesses einen schnelleren Beginn für geboten und stockte das Personal auf. 27 Verhandlungstage sind bis Ende Juni vorgesehen, um eines der grausamsten Verbrechen der vergangenen Jahre aufzuklären.

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