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Gastronomie

19.11.2019

Recup-Becher ist kein Renner

Seit Anfang des Jahres sind diese Recup-Becher für Heißgetränke im regionalen Design im Umlauf. Doch im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland ist die Zahl der Partnerbetriebe in Ulm und im Landkreis Neu-Ulm überschaubar.
Foto: A. Kaya

Die Zahl der Ausgabestellen in Ulm und im Landkreis Neu-Ulm stagniert, Kunden nehmen das Angebot nicht an wie erhofft. Ein Geschäft in Pfuhl ist ganz ausgestiegen

Fast ein Jahr ist es nun her, dass der Becher im regionalen Design offiziell in Umlauf gebracht wurde. Nicht nur das Münchner Start-up Recup, sondern auch Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch, der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger und weitere Vertreter des Landkreises und der Doppelstadt erhofften sich, dass das wiederverwendbare Behältnis auch in der Region zu einem Umdenken führt und die Flut der Einweg-Kaffeebecher eindämmt. Denn durch sie kommt eine ordentliche Müllmenge zusammen: 2,8 Milliarden Exemplare sind es nach Zahlen der Deutschen Umwelthilfe bundesweit im Jahr – runtergerechnet auf die Stadt Ulm wären das vier Millionen Stück pro Jahr, was einer Abfallmenge von 60 Tonnen entspricht.

Die Idee mit Recup ist gut, aber die Becher sind kein Renner – so lässt sich nach Gesprächen mit hiesigen Geschäftsbetreibern bilanzieren. Auch die Zahl der Ausgabestellen hat sich kaum verändert. 23 Betriebe waren es im Januar in Ulm und im Kreis Neu-Ulm, aktuell sind es 22. Recup listet diese im Internet und auf einer Handy-App auf. 17 Partner hat das Start-up allein in Ulm, im Landkreis Neu-Ulm sind es gerade mal fünf. „Regio-frisch“ in Pfuhl ist seit Juli nicht mehr dabei. „Die Nachfrage war zuletzt gleich null“, erzählt Betreiberin Sabine Kenner. Anfangs hätten die Leute die Idee ganz toll gefunden und einige hätten auch den Becher geholt, der gegen ein Pfand von einem Euro ausgegeben wird und bei jedem anderen Recup-Partner zurückgegeben werden kann. „Doch für uns hat sich das nicht rentiert“, sagt Kenner. Denn jeder beteiligte Betrieb muss monatlich 30 Euro Lizenzgebühr entrichten. In der Innenstadt, wo mehrere Läden nebeneinanderliegen, lohne sich das wahrscheinlich mehr, mutmaßt die Inhaberin des Dorfladens.

Rainer Weikmann, Inhaber der Aral-Tankstelle in Illertissen, sagt: „Recup wird bei uns nicht mit Euphorie angenommen.“ Immerhin 150 Becher habe er in diesem Jahr ausgegeben. Das sei nicht die Welt, aber in Ordnung. „Das Umweltbewusstsein bei den Kunden ist da, aber es ist ein langer, steiniger Weg.“ Weikmann will jedenfalls an dem System festhalten, er betrachtet es als gute Sache. Man müsse dem Kunden aber das System erklären, ohne Werbung gehe es nicht.

Diese Erfahrung hat auch Christian Prinz von der Bäckerei Hörmann in Roggenburg gemacht. Er wünscht sich mehr Werbematerial von Recup selbst. Nur wenige Kunden fragten aktiv nach dem wiederverwendbaren Becher, erzählt der Ehemann der Geschäftsinhaberin. Selbst von denjenigen, die jeden Tag ein Heißgetränk zum Mitnehmen kaufen, nutzten längst nicht alle die umweltfreundlichere Variante. Bei vielen Kunden sei das Umweltbewusstsein eben doch nicht so vorhanden, wie man es sich wünschen würde, sagt Prinz. Schnell hinein zum Bäcker, Kaffee oder Tee holen und gleich wieder weiter – einige können seiner Ansicht nach ein solches Einkaufsverhalten nicht mit ökologischem Bewusstsein in Einklang bringen. Vom finanziellen Aspekt her lohne es sich für die Bäckerei nicht, bei Recup mitzumachen, ergänzt Prinz. „Aber wir stehen dahinter.“ Aus Umweltschutzgründen bleibe man dabei.

Das Backhaus Häussler aus Memmingen, das unter anderem Filialen in Altenstadt, Oberroth, Illertissen und Babenhausen betreibt, startet nun einen zweiten Versuch mit Recup. Der erste sei zäh verlaufen, sagt Christoph Häußler, Verwaltungsleiter und Juniorchef. Weil die Kunden nicht im erhofften Maße danach verlangten, hat sich die Bäckerei zwischendurch aus dem System zurückgezogen. In Memmingen versucht sie es nun wieder. Wenn es da läuft, sagt Häußler, dann könnte es bald auch wieder in anderen Filialen die Becher geben, zum Beispiel in Illertissen. „Wir finden das System gut“, fügt er hinzu. Es gebe aktuell kein anderes mit kompostierbaren Bechern, das geeignet sei.

Und was sagt der Mann, der die Idee hatte, Recup in die Region zu holen? „Es ist ein gutes System, aber es scheitert an der Umsetzung“, bilanziert der Neu-Ulmer City-Manager Florian Fuchs, der zuvor beim Ulmer City Marketing tätig war. Deswegen wolle er demnächst mit Recup das Gespräch suchen. Man könne zwar Gastronomen auf das System aufmerksam machen, aber der Vertrieb der Becher funktioniere nur über Recup selbst. Die Gastronomen müssten sich direkt an das Münchner Unternehmen wenden. Von Recup sei nur relativ selten jemand vor Ort. Und in der Doppelstadt hatte in Sachen Recup niemand so wirklich den Hut auf, räumt Fuchs ein.

Immerhin gibt es nach Angaben des Neu-Ulmer City-Managers einige Betriebe in Ulm, bei denen es gut funktioniert. Er hat aber auch beobachtet, dass bei vielen Verbrauchern in Sachen Umweltschutz erst noch ein Umdenken stattfinden muss. Dabei ist Fuchs überzeugt: Irgendwann wird den Bäckereien und Gastronomen ein ökologischeres System aufgezwungen. „Ein Verbot für Einwegbecher wird kommen.“

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