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Ulm/Neu-Ulm

05.06.2019

Renftle-Ruine: Letzter Ausweg Zwangsversteigerung

Kein schöner Anblick: Ursprünglich wollte Steinle das Gebäude an der Ecke Petrusplatz/Marienstraße, in dem früher das Bettengeschäft Renftle untergebracht war, dem Erdboden gleichmachen und durch einen Neubau ersetzten. Doch dann entschied er sich dagegen, was möglicherweise ein Fehler war.
Bild: Alexander Kaya

Verhandlungen rund um das Ex-Renftle-Gebäude am Petrusplatz stocken. Noch vor Pfingsten soll neues Gutachten vorliegen. Ein Gläubiger kritisiert die Sparkasse Ulm.

Es droht die Zwangsversteigerung der Steinle-Ruine am Neu-Ulmer Petrusplatz. Wie Insolvenzverwalter Martin Hörmann auf Nachfrage unserer Zeitung sagt, würden die Verhandlungen mit dem Hauptgläubiger, der Sparkasse Ulm, stocken. Falls es keine Einigung gegen sollte, wäre eine Durchsetzung eines Anspruchs mit staatlichen Machtmitteln eine Option. „Aktuell gehe ich nach wie vor davon aus, dass eine Lösung zwischen der Sparkasse und den Käufern möglich ist“, so Hörmann.

Bei der Sparkasse Ulm hoffen die Beteiligten ebenso wenig, dass dieser letzte Ausweg genommen werden muss. „Wir suchen eine Lösung im Interesse aller Beteiligten“, sagt Sparkassen-Sprecher Boris Fazzini. Nach Medienberichten stehen für die Sparkasse Ulm 4,5 Millionen Euro auf dem Spiel. Diese Summe wollte Fazzini allerdings nicht kommentieren. Das Geldinstitut habe nun ein „externes Gutachten“ in Auftrag gegeben, das den Wert der Immobilie zweifelsfrei darstellen soll. Noch vor Pfingsten solle das Ergebnis vorliegen.

Warum bekam er Geld? Steinle machte seit Jahren Verluste

Insolvenzverwalter Hörmann hatte ebenso ein Gutachten in Auftrag gegeben und einen Restwert von gut einer halben Million Euro ermittelt. Nun dürften ab Pfingsten die beiden Gutachten verglichen werden um auf Grundlage derer zu verhandeln, wie viel Geld die 13 Käufer zurückerhalten. „Es ist schon seltsam, dass die Sparkasse Ulm Steinle einen so hohen Kredit gegeben hat“, sagt ein Gläubiger unserer Redaktion, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er habe als Gläubiger den nicht-öffentlichen Insolvenzbericht vorliegen. Und diesem sei zu entnehmen, dass die Firma Steinle seit 2012 fast nur Verluste geschrieben habe.

Renftle-Ruine: Letzter Ausweg Zwangsversteigerung

Nur 2016 habe sie 100000 Euro Gewinn gemacht. Zwischen 2013 und 2017 allerdings hätten sich laut Insolvenzbericht die Verluste zwischen 200000 und 800000 Euro pro Jahr bewegt.

Der Vorwurf des Gläubigers in Richtung Sparkasse

Der Vorwurf des Gläubigers: Die Sparkasse habe sich von Steinle blenden lassen. Denn Steinle war bis zu seiner schweren Erkrankung eine omnipräsente Figur des öffentlichen Lebens: Der immer als vermögend geltende Steinle sah sich als Förderer von Kunst, Kultur und Sport. Und stemmte Projekte wie Hieberpassage, Römerhöfe (beide Neu-Ulm) oder den Magirushof (Ulm). Eine verlustreiche Firma passte nicht in das Bild eines Kunstsammlers und Initiators der „Günter-Steinle-Fondation“. Gespeist wurde sie durch die Beträge, die als Skonto-Leistungen der Bau-Geschäftspartner eingeräumt wurden. Da hatte sich Steinle wohl verkalkuliert.

Günter Steinle starb nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren. In seinen letzten Monaten musste Steinle aus der Ferne beobachten, wie sein Lebenswerk zugrunde ging. Die als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geführte Firma, vertreten durch Geschäftsführer Günter Steinle, stellte im Juni 2018 beim Amtsgericht Neu-Ulm einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Verfahren wurde dann im August eröffnet.

Der Zehn-Millionen-Bau am Petrusplatz brach Steinle das Genick: „P3 - Wohnen und Arbeiten am Petrusplatz“ – so wurde das Projekt beworben. Zwischen 299 000 und 1,1 Millionen Euro sollten die zehn Wohneinheiten kosten. Bezugstermin: Sommer 2017, verkündete eine Anzeige von Tentschert-Immobilien, der die Steinle-Projekte vermarktete. Und wie lange steht die Ruine noch am Petrusplatz? „Einige Monate“, so Hörmann, könnten die Verhandlungen noch dauern.

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