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Neu-Ulm

31.03.2015

Rentner verschickte Porno-Briefe

Symbolfoto
Bild: Kaya

Ein psychisch kranker Mann schrieb einer wildfremden 50-Jährigen sexuell anzügliche Briefe. Als deren Lebensgefährte ihn zur Rede stellte, schlug er zu

Erst schrieb er einer fremden Frau sexuell anzügliche Briefe und legte auch noch einen Sexfilm dazu. Dann schlug er dem Lebensgefährten der Adressatin seiner Briefe mit einem Holzstock auf den Kopf, sodass dieser eine Platzwunde erlitt. Nun stand ein 66-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht und musste sich für all das verantworten. Verbreitung pornografischer Schriften sowie gefährliche Körperverletzung wurden ihm vorgeworfen – am Ende wurde er zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten und einer Geldbuße in Höhe von 500 Euro verurteilt.

Damit blieb Richter Thomas Mayer deutlich hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte nicht nur zehn Monate und 2500 Euro gefordert, sondern auch, dass dem Mann sein umfangreiches Waffenarsenal weggenommen wird. Rund 15 spezielle Messer, eine Schreckschusspistole samt Munition und einen Degen hatte der 66-Jährige in seiner „vermüllten Wohnung“, wie sie Richter Mayer bezeichnete. „Wenn Sie schon einen Holzstock als Waffe benutzen, dann will ich nicht wissen, was sie mit den ganzen Messern und Pistolen anfangen. Ich habe da kein gutes Gefühl“, erklärte der Staatsanwalt, doch der Rentner bot ihm Paroli: „Die will ich wieder haben. Die sind zur Deko, für den Haushalt oder Erinnerungen an meinen verstorbenen Bruder“, sagte er und bekam von Richter Mayer Recht, da die Waffen weder illegal noch für die Tat relevant gewesen seien.

Ganz im Gegensatz zu einer Krankheit, eine schizophrene Psychose, die eine Psychiaterin dem Angeklagten bescheinigte. „Ich bin wirr im Kopf“, erklärte der Mann, der sich seine Taten vor Gericht „nicht erklären konnte“. Über ein Flugblatt sei er auf die Frau, eine Hundefriseurin, aufmerksam geworden und habe sie daraufhin kontaktiert. Möglicherweise habe das Lesen des Begriffs Analdrüsenpflege, eine medizinische Behandlung bei Hunden, bei ihm eine falsche, sexuelle Assoziation erzeugt.

Als dann eines Tages der Lebensgefährte der 50-jährigen Frau vor seiner Haustüre stand, sei es zu einer Rangelei gekommen, bei der er sich schließlich zu einem Stockschlag auf den Kopf seines Kontrahenten hinreißen ließ. Das Opfer des Schlages, der Lebensgefährte der belästigten Hundefriseurin, widersprach. Eine Rangelei habe es nicht gegeben, der Rentner habe ohne jegliche Vorwarnung zugeschlagen. Er hatte den Angeklagten aufgesucht, weil seine Freundin Angst hatte, dem bis dahin gänzlich unbekannten Mann plötzlich vor der eigenen Haustüre gegenüberzustehen.

„Es tut mir leid, wenn ich Sie verletzt habe und bitte Sie um Verzeihung“, sagte schließlich der 66-Jährige im Gerichtssaal zu der 50-Jährigen und trug damit dazu bei, ein milderes Urteil zu bekommen. Richter Thomas Mayer betonte jedoch, dass er prüfen lasse, ob es notwendig sei, dem kranken Mann, bei dem „Verwahrlosungstendenzen“ zu erkennen seien und dessen „Verhalten nicht ganz normal ist“, eine gesetzliche Betreuung zur Seite zu stellen.

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