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Swing

07.04.2011

Revolte gegen die Vergänglichkeit

„Auf dass es noch ein paar Jahre so weitergeht.“Hugo Strasser im Congress Centrum

Max Greger und Hugo Strasser würzen ihre Revue mit „Limbo“-Rocker Peter Kraus

Ulm Vielleicht gibt es sie doch, die Krumelus-Pillen, die Pippi Langstrumpf mit ihren Freunden nimmt, um nie alt zu werden. Bei Astrid Lindgren sind es nur getrocknete Erbsen – aber es muss doch einen Jungbrunnen geben, der wohl Musik heißt: Max Greger, Hugo Strasser und Peter Kraus zählen zusammen 284 Lebensjahre, wobei Peter Kraus mit 72 fast ein Jungspund ist, der mit den beiden Swing-Legenden auf Tournee ist. Max Greger feierte in dieser Woche seinen 85. Geburtstag, Hugo Strasser wird am heutigen Donnerstag 89.

Aber was für ein Phänomen ist das? Das CCU ist bis auf den letzten Platz ausverkauft, an der Abendkasse steht eine Menschentraube, die vergebens darauf hofft, dass noch Karten zurückgegeben werden. Und als Max Greger die Bühne betritt, steht der ganze Saal.

Seit Ende der 40er Jahre kreuzen sich die Wege von Hugo Strasser und Max Greger, sind sie befreundet. Und als der damals 17-jährige Peter Kraus seinen ersten Auftritt hatte, geschah das als Gast bei Hugo Strasser. Des Geschenkes so langer freundschaftlicher und musikalischer Beziehungen sind sich die Drei bewusst - und wohl auch dessen, wie außergewöhnlich es ist, mehr als 60 Jahre als Vollprofi auf der Bühne stehen zu können und Menschen mit ihrer Musik Freude bereiten zu können. Denn Vollprofis sind alle Drei: Max Greger saxt wie eh und je, und Hugo Strassers Spielweise auf der Klarinette ist legendär. Keinem von beiden fehlt es an Luft, und vor allem an dem Optimisten Hugo Strasser scheinen körperliche Einschränkungen des Alters völlig vorbeigegangen zu sein, er bewegt sich schwungvoll und mit Stil.

Revolte gegen die Vergänglichkeit

Ihr fast dreistündiges Programm, das die SWR Big Band begleitet, swingt einfach - Hugo Strassers „Wildcat Blues“, seine „Honeysuckle Rose“, Max Gregers „Sentimental Mood“ und unvergängliche Melodien wie „Moonlight Serenade“ und „In the Mood“ kommen so begeisternd, dass das Publikum den liebenswerten Swing Legenden zu Füßen liegt. Faszinierend sind beider Duette wie „Perdido“. Seit zwölf Jahren, erzählt Hugo Strasser, sind die „Swing Legenden“ auf Tour (anfangs mit Paul Kuhn, jetzt mit Peter Kraus), und „dass es noch ein paar Jahre weitergeht“, hofft Hugo Strasser. Wobei er schmunzelnd von einer Lektion berichtet, die das Leben ihm erteilte, als ihn vor einiger Zeit eine 12-Jährige um zehn Autogramme bat. Er gab sie ihr – und sie erklärte ihm strahlend, dass sie in einer Tauschbörse für diese zehn Autogrammkarten eine von Tokio Hotel erhalten werde.

Der Abend ist wie eine Revolte gegen die Vergänglichkeit des Seins, in jedem Moment wissend um diese Vergänglichkeit. Max Greger, der Plauderer, erzählt, dass im nächsten Jahr seine Diamantene Hochzeit ansteht, und einen Hieb auf die volkstümelnde Musik muss er wie immer loswerden. Als Peter Kraus auf die Bühne kommt, reibt man sich verblüfft die Augen. Der Mann ist 72. Schlank, agil rockt er „Heartbreak Hotel“ und „Sugar Baby“, der Sprung aufs Klavier gelingt mühelos. Der Hüftschwung gerät ihm lockerer als er Elvis mit 32 gelang – aber den „Limbo Rock“ traue er sich nicht mehr zu, sagt Kraus – um ihn Minuten später dann doch kurz zu zelebrieren. Der Abschied, das „Adios“ kommt swingend und melancholisch zugleich. Und unten, zwischen CCU und dem Maritim Hotel, harren nach der Show die Autogrammjäger, die keine Karte bekommen hatten. Ein Drittel an Lebensjahren zählen sie vielleicht im Vergleich zu den Swing Legenden.

Dass er „den Jopie“ habe, erzählt einer von ihnen stolz. Jetzt hofft er auf Unterschriften der swingenden Legenden für seine Sammlung.

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