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Abschied

29.10.2017

Richard Wieser gibt seine Rockodiles aus der Hand

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Bei den Schülerinnen und Schülern des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums in Weißenhorn ist der Tanzkurs von Richard Wieser sehr beliebt.
Bild: Pascher

Nach über 30 Jahren geht Gründer und Trainer Richard Wieser in den Ruhestand. Die Schüler bedauern seinen Abschied. Doch vorher wird noch einmal gefeiert.

Sie ziehen ihre Beine waagrecht in die Höhe, klatschen im Rhythmus der Musik oder heben ihren Tanzpartner nach oben und das alles zu Klängen von Billy Haley, Dick Dale oder Buddy Holly: Die Mitglieder der Schultanzgruppe Rockodiles haben sichtlich Spaß an diesem Nachmittag in der Sporthalle des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums in Weißenhorn. Doch bei aller Freude über das Tanzen schwingt auch etwas Schwermut mit. Ihr Trainer und Mentor Richard Wieser geht im Februar 2018 in den Ruhestand.

Genau 30 Jahre ist es her, dass der Lehrer die Rock-’n’-Roll-Tanzgruppe gründete. 1986 kam der heute 65-Jährige nach Weißenhorn an das Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium. Sport sowie Wirtschaft und Recht, das waren seine Fächer. Doch zu Beginn warteten auf den angehenden Lehrer nur 24 Schulstunden Wirtschaft und Recht. „Ich dachte mir: Um Gottes willen, Sport kommt ja ganz kurz“, sagt Wieser.

Bereits als Student war er Teil einer Tanztruppe. Begeistert von seiner Trainerin, dachte sich der gebürtige Allgäuer: „So etwas will ich auch einmal mit meinen Schülern machen.“ Doch angekommen an dem Weißenhorner Gymnasium, voller Elan und Begeisterung, wurde seine Idee abgelehnt. Rock-’n’-Roll – das war jugendliche Protestkultur und ein Lebensgefühl von Freiheit und Widerstand. Selbst Mitte der 1980er-Jahre stoß daher die Idee auf Ablehnung. „Der damalige Schulleiter war der Ansicht, dass die Musik nur die Schüler aufpeitscht.“

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Er gründete die Tanzgruppe gegen alle Widerstände

Doch Wieser konnte den Direktor überzeugen und startete 1987 die erste Rock-‘n’-Roll-Tanzgruppe mit einem aufblasbaren Krokodil als Maskottchen: Die Rockodiles waren geboren. Zuerst durften aber nur Schüler der Oberstufe an den Trainings teilnehmen. „Die haben mir damals die Bude eingerannt“, erinnert sich der 65-Jährige mit einem Lächeln zurück.

Es folgten Turnfeste, Mannschaftswettkämpfe auf Bezirks- und Landesebene, Olympiatage, Trainingslager und über mehrere Jahre die Teilnahme an einem Sportfestival auf Gran Canaria. Und die Rockodiles: Die sind fast immer ganz vorne mit dabei.

Die Rockodiles sind erfolgreich

Den Bezirksmeistertitel kann ihnen keiner nehmen. Seit dem ersten Finale 1990 konnten sie 55 Bezirksmeistertitel absahnen. Erfolgreich, das sind die Rockodiles schon immer gewesen – aber das ist nicht der Grund, weshalb sich jedes Schuljahr rund 250 Schüler entscheiden, an der Tanzgruppe teilzunehmen. Sie tauschen ihre freien Nachmittage gegen das Training. Die Triebfeder ist Richard Wieser. Der Trainer pflegt eine freundschaftliche Beziehung zu seinen Schülern. „Er motzt uns nie an“, sagt Lukas Jager. Der 15-Jährige geht eigentlich in Ulm zur Schule – dennoch kommt er jede Woche nach Weißenhorn zum Tanztraining. Und auch Schülerin Julya Kahraman ist überzeugt: „Auch wenn wir keine Lust haben, schafft er es, uns zu motivieren.“

Wieser benotet den Tanz nicht. Es gibt kein Auswahlverfahren, wer bei den Rockodiles mittanzen darf – und vor allem stellt er niemanden bloß. „Ich bin ein Ventil“, sagt der Lehrer. Wenn nach einem anstrengenden Schultag die Jugendlichen zu ihm ins Training kommen, dann können sie abschalten: Sie können einfach tanzen – ohne Leistungsdruck.

Richard Wieser geht in den Ruhestand

Doch bald hat es sich für Wieser ausgetanzt. Am 9. Februar hat er seinen letzten Arbeitstag – dann geht der 65-Jährige in Rente. Rockodiles ohne den Gründervater? Das ist für viele der Schüler unvorstellbar: „Ohne Herrn Wieser wäre es nicht dasselbe“, sagt die 15-jährige Julya. Ob ein anderer Sportlehrer das Training der Tanzgruppe übernimmt, steht noch nicht fest.

Auch wenn Wieser überzeugt ist, dass der Abschied sehr emotional und anstrengend wird – so ist er der Ansicht: „Ich muss einen Schlusspunkt setzen.“ Ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Aufgaben erwartet den Lehrer. Und diesem sieht er positiv entgegen: „Ich möchte die neue Unabhängigkeit genießen und freue mich auf die Rente.“ Reisen, Ausschlafen, Essen gehen oder sich mit Freunden treffen, das sind Wiesers Pläne für die Zeit nach den Rockodiles. Dennoch sagt er aber auch: „Langsam kommt die Wehmut.“ Bereits am kommenden Freitag und Samstag, 3. und 4. November, ist die große Jubiläumsgala: 30 Jahre Rockodiles. Doch vor allem bedeutet das: Nach 30 Jahren verabschiedet sich das Herz der Schultanzgruppe. Unter seinen Schülern wird dann wohl die ein oder andere Träne vergossen. Julya ist sich sicher: „Ohne ihn? Das wäre nicht mehr das NKG.“

Für die Gala gibt es noch wenige Karten. Mehr Infos bei Richard Wieser unter Telefon 07309/7787 oder per Mail: richardwieser@t-online.de

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