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Oberelchingen

18.02.2021

Rido Busse ist tot: Er war eine Ikone des modernen Produktdesigns

Der Designer Rido Busse aus Oberelchingen ist jetzt im Alter von 86 Jahren gestorben.
Bild: Dagmar Hub

Plus Rido Busses Schöpfungen finden sich in etlichen Haushalten. Jetzt ist der Oberelchinger mit 86 Jahren gestorben.

Seine Stimme aus dem Telefon klang fröhlich. "Wir sehen uns dann beim Plagiarius!", sagte Rido Busse Ende Januar. In zwei Wochen soll sein Herzensprojekt, die Prämierung der dreistesten Produktfälschung, wie jedes Jahr stattfinden und eine Jury darüber befinden, wer den berühmten Negativpreis für das frechste Nachahmerprodukt eines Jahres verdient hat. Wer die Trophäe des legendären schwarzen Zwerges mit der goldenen Nase in diesem Jahr verliehen bekommt, wird Rido Busse nicht mehr erfahren, und die Jury wird in Trauer online tagen müssen. Rido Busse, charismatisches Designer-Urgestein, ist jetzt im Alter von 86 Jahren gestorben. Friedlich eingeschlafen sei er, teilt sein Umfeld über den unerwarteten Tod mit.

Oberelchingen: Rido Busse war ein Macher, kein Miesmacher

Das Schild an seinem Haus in Oberelchingen sagt aus, als was sich der 1934 in Wiesbaden geborene Rido Busse verstand: "In jeder Gesellschaft gibt es Macher, Mitmacher und Miesmacher", steht da. Dass er einer der Macher war, ist unmissverständlich. Kreativ und fantasievoll war er, ein geselliger Genießer, der gern Menschen um sich scharte. Stets war er darauf bedacht, das zu erleben, was noch möglich war, seit er nach einer Rückenoperation im Rollstuhl saß.

Ein intuitives Gefühl für das Schöne zeichnete Rido Busse aus - und die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Welt aus einem Wissen um Ästhetik heraus, gepaart mit der Freude am Genuss schöner Dinge und auch guten Essens. Als Nichtraucher war er so konsequent, dass er schon in den 80er-Jahren ein Rauchverbot in die Anstellungsverträge seiner Mitarbeiter schrieb. Selbst der Umstand, im Rollstuhl zu sitzen, regte seine Kreativität an: Er schuf eine Serie von Bekleidung, die für ihn als Rollstuhlfahrer praktisch war - vom guten Stück fürs Konzert bis zum schlichten Teil für zu Hause.

Die Aktion Plagiarius vergibt jährlich den Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Produktkopien. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Erfunden hat sie Rido Busse.
Bild: Aktion Plagiarius e.V (dpa)

Ein namhaftes Design-Lexikon bezeichnet Rido Busse als den "Prototyp des deutschen Produktdesigners". Er schuf viele Klassiker, die in unzähligen Haushalten zu finden waren und sind, von der Krups-Rührschüssel über Messer von Zwilling bis hin zu Küchenwaagen für die Firma Soehnle oder die Schwingkopf-Zahnbürste von Dr. Best. Aber seine Design-Philosophie reichte weit über den Haushalt hinaus: Die Ulmer Straßenbahn fährt in der von Busse-Design geschaffenen Optik. Motorsägen und Heizkessel gehören zu den funktionalen Produkten, die er in seinem Designerleben entwickelte und deren Zahl er vermutlich selbst nicht mehr hätte nennen können.

Rido Busse hat an der legendären HfG in Ulm gelernt

Nach Ulm kam Rido Busse als ganz junger Mann. Er studierte über zwei Stipendien, die er gewonnen hatte, an der legendären Hochschule für Gestaltung unter anderem bei Max Bill und Hans Gugelot. Die Banklehre, die sich Vater Busse für den Sohn gewünscht hatte, war jedenfalls nichts für den kreativen Rido, der zunächst Silberschmied und Gürtler gelernt hatte und der über den Grafiker, Maler und Bildhauer Friedrich Vordemberge-Gildewart von der Design-Hochschule in Ulm erfahren hatte. Schon an der HfG verliebte er sich in seine spätere Frau Annegret, mit der er die beiden Töchter Joy und Aliki bekam.

Rido Busse aus Oberelchingen ist tot: Er hat gerne vieles ausprobiert

Privat zog es die Familie nach Oberelchingen. Annegret Busse verunglückte 2002 tödlich - im Jahr, nachdem Rido Busse den Verein Museum Plagiarius e. V. gegründet hatte. Dieses Museum präsentiert die unrühmlichen Gewinner seines Negativpreises in Solingen - und die Zahl der Exponate wächst.

Sein Tatendrang, der ihn bis zuletzt beflügelte, ist erloschen. Seine Philosophie, welche die Ästhetik eines Produkts mit leichter Bedienbarkeit verbindet, und sein geradliniger Einsatz für Designschutz werden bleiben. "Wer nie etwas ausprobiert hat, hat nie gelebt", konnte Rido Busse sagen. Und gelebt hat er, der seit 2006 mit seiner zweiten Frau Siegrun verheiratet war, gern und aus vollem Herzen.

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