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Neu-Ulm

16.03.2019

"Rock meets Classic": Zeitreise in die wilden 70er und 80er

Der Sänger von „Thin Lizzy“, Ricky Warwick, bei “Rock meets Classic“ in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm. Der ursprüngliche Sänger der Band, Phil Lynott, starb bereits 1986.
Bild: Horst Hörger

Bei „Rock meets Classic“ stehen Rock-Legenden wie Ian Gillan mit Orchesterbegleitung auf der Bühne. Für die Besucher gibt es da schon bald kein Halten mehr.

Zugegeben, ganz jugendlich-frisch wirkten viele der Besucher nicht mehr. Auch wenn enge Jeans und Totenkopf-Shirt dies mitunter zu vertuschen versuchten. Was aber auch nicht weiter verwundern darf, schließlich begab sich das Publikum vergangenen Donnerstag bei der Jubiläumstournee von „Rock meets Classic“ in der Ratiopharm Arena auf eine Zeitreise: Zurück in die wilden, in die aufregenden, die extasischen 70er und 80er Jahre. Wie der Rock n’ Roll nicht tot zu kriegen, ist die Veranstaltung auch selbst: Begonnen 1993 in Würzburg, mehrmals aus den unterschiedlichsten Gründen gestoppt, bewegt sich die Show nun seit neun Jahren durch Europa und begeistert ihre Fans.

Auch hier sind es die ganz Großen, die Legenden des Rock, die ihre Aufwartung machen: Mike Reno, Kevin Cronin und natürlich Ian Gillan. An das eigene Geburtsdatum erinnern dann unwillkürlich auch die beiden diesjährigen 50. Bandjubiläen von The Sweet und Thin Lizzy. Sei es drum: Die Feuerzeuge, die früher im Takt den Saal illuminierten, wurden mittlerweile bekanntermaßen durch die Taschenlampen der Smartphones abgelöst. Manch einer holte verstohlen seines hervor und wog zum Takt von „Can’t Fight This Feeling“ von REO-Speedwagon. Allzu viele waren es nicht. Fühlte man sich etwa zu erwachsen hierfür?

"Rock meets Classic" in der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena

Grandios allein das Orchester: Die zahlreichen klassisch ausgebildeten Musiker des eigenen RMC Symphony Orchestras, optisch dezent im schummrig farbigen Hinmtergrund gehalten. Dafür stets hörbar, von sanft untermalend bis zu bombastisch dominierend. Dazu, den rockigen Part übernehmend, die Mat-Sinner-Band, von Anfang an dabei. Als Special Guest gastierte die Allround-Sängerin Anna-Maria Kaufmann, stimmgewaltig und ausdrucksstark. Das Duett aus „Phantom der Oper“, zusammen mit Pete Lincoln bewirkte Gänsehaut, die durch das Mark geht. Spätestens bei „Blockbuster“ von The Sweet gab es kein Halten mehr. Die Mittfünfziger standen von ihren Sitzen auf, streckten ihre Finger und schwingen im Takt, auch wenn das inzwischen meist schüttere Haupthaar hier nicht mehr recht mitmachen wollte.

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A propos Frisur: Andy Scotts Mähne sieht aus wie eh und je, zwischenzeitlich schlohweiß, aber füllig. Allerdings sollte er sich vielleicht überlegen, seinen Friseur zu wechseln. Irgendwie passt der Pony nicht recht dazu. Aber auf Äußerlichkeiten kam es nun wirklich nicht an – es sind die Gitarrenriffe, die das Publikum in den Bann ziehen. Erinnerungen an eine Zeit, als das Instrument noch richtig gespielt wurde, nicht so gezupft wie heutzutage. „Turn Me Loose“ von Loverboy und die Halle war aus ihrer Reserviertheit gelockt.

Zum Finale stand Ian Gllian, Sänger von Deep Purple, auf der Bühne

Allerdings war die Arena lediglich zu gut zwei Dritteln gefüllt, was sicherlich auch dem Preisniveau der Tickets geschuldet war, der Begeisterung aber keinen Abbruch tat. Zum Finale dann endlich Ian Gillan, mitnichten wie ein Hardrocker erscheinend: Nein, tatsächlich im Anzug. Des Jacketts entledigte sich der Sänger von Deep Purple zwar nach kurzer Zeit, auch das Hemd durfte nun über der Hose flattern. Dieser Mensch strahlte etwas aus: Die Aura, zu den ganz Großen zu gehören, eine Autorität des Erreichten widerspiegelnd. Ergreifend sein „When a Blind Man Cries“.

Gillan veranstaltete zum Schluss seine ganz eigenen Festspiele, schon allein durch die Anzahl der dargebotenen Stücke: Sieben Songs, ein Querschnitt der Bandgeschichte. Phänomenal die vier Oktaven Stimme, perfektioniert wie eh und je. Und was stand noch aus? Natürlich das berühmteste Riff des Rock: „Smoke on the Water“. Die Halle ein einziger klatschender, sich im Takt schwingender Körper. Die Bässe noch im Blut, mögen sich viele der Besucher nach jener musikalischen Epoche zurückgesehnt haben: Das war noch echter Rock, Töne für den noch nicht verweichlichten Mainstream.

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