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Roggenburg

14.08.2015

Roggenburg feiert seltenes Leiberfest

Rund um die Klosterkirche Roggenburg ziehen am Samstag einige Gläubige mit Märtyrerfiguren.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Prozession findet rund ums Kloster statt. Doch woher stammt der Brauch?

Einmal im Jahr, an Maria Himmelfahrt, werden die bekleideten Gebeine der frühchristlichen Märtyrer Severina, Valeria, Laurentia und Venantius aus ihren Schreinen in den Seitenaltären der Klosterkirche genommen und in feierlicher Prozession um das Roggenburger Kloster getragen. Am Samstag, 15. August, findet dieses traditionelle „Leiberfest“ wieder statt. Doch woher stammt der Brauch?

Er geht aufs Jahr 1726 zurück, als anlässlich der 600-Jahr-Feier das Kloster die Gebeine der vier Märtyrer geschenkt bekam. In früheren Zeiten wurden die heiligen Leiber nur in der Fastenzeit und zu besonderen kirchlichen Feiertagen gezeigt. Um während des Jahres die kostbaren Gewänder der Heiligen vor Lichteinfall zu schützen, wurden sie mit Gemälden von Franz Martin Kuen abgedeckt. Als die Bilder mit der Zeit unansehnlich wurden, tauschte man diese gegen Glasscheiben aus.

Während der Kirchenrenovierung (1980 bis 1984) entdeckte Pater Rainer die wertvollen Gemälde auf dem Speicher des Klosters. Der Kunsthistoriker suchte nach der ursprünglichen Verwendung der Bilder und entdeckte ihre Funktion als Altarbilder vor den Nischen der Märtyrer. Seiner Initiative ist deren Restaurierung und Wiedereinsetzung in ihre ursprüngliche Form zu verdanken.

Bis heute richtet Roggenburg jährlich am 15. August eine der letzten Leiberprozessionen in Bayern aus. Dazu werden die Reliquien der Heiligen aus den Seitenaltären herausgenommen und in blumengeschmückte Schreine gelegt. Die Schreine von Severina, Laurentia und Valeria tragen traditionell Mädchen, Venantius wird von jungen Männern getragen. Dass die Leiberprozession am 15. August stattfindet, hat nur indirekt mit „Maria Himmelfahrt“ zu tun. An diesem Tag feiert die Klosterkirche ihr Patrozinium, denn sie wurde, lange bevor der 15. August Feiertag wurde, auf Maria Himmelfahrt getauft. Erst im Jahre 1946 erließ Papst Pius XII. eine Rundfrage an alle Bischöfe und Ordensoberen, ob sie mit ihren Gläubigen an der leiblichen Auferstehung Mariens im Glauben festhalten. Die Antwort war ein einstimmiges Ja. Seitdem wird das Fest Maria Himmelfahrt gefeiert. Traditionell werden an diesem Feiertag auch die Kräuterbuschen geweiht, die an der Leiberprozession mitgetragen werden. Wie die Heiligen, sollen die geweihten Buscheln Mensch und Tier vor Unheil schützen (siehe Seite 28). Wer die geweihten Buscheln im Herrgottswinkel aufhängt, „wird heilende Wirkung verspüren“, verspricht die Überlieferung. Traditionell sollen zwischen 7 und 77 verschiedene Kräuter und Getreidehalme für einen Kräuterbuschen verwendet werden. Anders als die Leiberprozession ist das Binden der Kräuterbuschen noch in vielen katholischen Gegenden lebendig. (mde)

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