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Pfuhl

18.03.2015

Saalbau: Naht das Happy End?

Werner Salzmann vor dem Pfuhler Saalbau: Seine Großeltern ließen das Backsteingebäude Anfang des 20. Jahrhunderts bauen.

Der Eigentümer des markanten Gebäudes in Pfuhl hat nach Monaten der Ungewissheit bei der Stadt einen Bauantrag eingereicht. Das freut viele Bürger und einen ganz besonders.

Bei Werner Salzmann sorgte diese Nachricht für Erleichterung. Der Enkel von Leonhard Salzmann, der den Saalbau gemeinsam mit seiner Frau Marie von 1900 bis 1904 bauen ließ, schrieb sogleich eine E-Mail an den Ulmer Bauträger Steinle, in dem er ihm seine Freude über die beantragte Sanierung und Nutzungsänderung mitteilte und ihm gutes Gelingen wünschte.

Salzmann und zahlreiche Pfuhler waren vor gut zwei Jahren Sturm gelaufen gegen die Pläne Steinles, der das Traditionswirtshaus dem Erdboden gleich machen wollte, weil eine Sanierung zu teuer sei. Das Landesamt für Denkmalschutz machte dem Investor schließlich einen Strich durch die Rechnung und stufte das Gebäude als schutzwürdig ein. Daraufhin änderte Steinle seine Pläne und strebte fortan die Renovierung des Gebäudes und den Bau von luxuriösen Wohnungen an. Zuletzt hatten sich offenbar die Verhandlungen mit den zuständigen Behörden etwas in die Länge gezogen, denn den gestellten Antrag hatte Steinle bereits für Anfang 2014 angekündigt. Auf NUZ-Nachfrage wollte dieser sich nicht zu seinen neuen Plänen äußern, erklärte nur, dass er vertrauensvoll mit der Denkmalschutzbehörde zusammengearbeitet habe und nun hoffe, dass der Bauantrag in seiner jetzigen Form angenommen werde.

In jedem Fall würde mit dem Erhalt des backsteinroten Blickfangs im Pfuhler Ortskern für viele Bürger ein Wunsch in Erfüllung gehen. Der stattliche Satteldachbau mit seinen Erkern kann schließlich auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Anfang des 20. Jahrhunderts plante Baumeister Balthasar Glöckler das Gebäude im so genannten „Wilhelminischen Stil“ für das Ehepaar Salzmann. „Hochhäuser waren damals in Deutschland verboten“, erklärt Werner Salzmann. Bereits am 22. Oktober 1904 verkaufte sein Großvater das Anwesen (Hof- und Wirtschaftsgebäude samt Wirtschaftsgarten) an die Ulmer Verwandtschaft Alois Thalheimer und seine Frau Christine. Die Gebäude für 54000 Mark und zusätzliche 4000 Mark fürs Inventar, wie Werner Salzmann erzählt. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 soll Günter Steinle für den Saalbau 817000 Euro bezahlt haben.

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Thalheimer stammte aus Schwäbisch Gmünd und betrieb in Ulm in der Ensinger Straße eine Bäckerei. Dort hatte er das süße Gebäck, den „Ulmer Gulden“, kreiert, die er speziell an in die USA ausgewanderten Deutschen verschickte – das ergaben zumindest Recherchen von Werner Salzmann. Diese Geschäfte waren Salzmann zufolge wohl der finanzielle Grundstock für den Saalbau-Kauf. Doch bereits am 9. Dezember 1910 fand wieder ein Wechsel statt. Neuer Eigentümer wurde Michael Braun aus Oberbalzheim und seine Pfuhler Frau Anne, geborene Erne. Kaufpreis fürs Gebäude und das Mobilar: 69000 Mark. Schließlich haben dann Brauns Schwiegersohn, der Metzgermeister Karl Grandel mit seiner Frau Mina, geborene Braun, am 6. September 1938 das gesamte Anwesen übernommen. Sie blieben schließlich bis ins Jahr 2012 Eigentümer des Saalbaus.

Wenige Jahre nur wurde neben der Gastwirtschaft auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. Dann gab es eine gut gehende Metzgerei und schließlich noch die gut bürgerliche gutbürgerliche Gaststätte samt großen Saal. Aktuell betreibt noch eine italienische Familie eine Eisdiele in der ehemaligen Metzgerei.

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