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Geschichte

05.06.2019

Salems Spuren in Elchingen

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500 Jahre lang hatte das mächtige Kloster unweit des Bodensees, die Rechte über Dorf und Einwohner inne. Die Zugehörigkeit ist in der Unterelchinger Pfarrkirche sichtbar

„Wer den anderen beißt, krötzt, stoßt oder wirft, daß Bluet darvor rennt, oder es geschwillt und ufgeschniden mueß werden, der soll umb 13 Pfund 5 Schilling Heller gestraft werden.“ Wir befinden uns keineswegs irgendwo im Wilden Westen, sondern im herrlich gelegenen Dörflein Unterelchingen am Rande der Schwäbischen Alb. Die drastische Maßregelung war offenbar erforderlich, wie eine alte Urkunde in einem Jubiläumsband der Sparkasse Neu-Ulm zitiert wird. Demnach scheint es unter den „Inwohnern des Dorfs“ nicht gerade zimperlich zugegangen zu sein. Die Strafverordnung, die Abt Matthäus vom Kloster Salmannsweiler im Jahr 1582 erlassen musste, sah offenbar dringlichen Handlungsbedarf.

Aber weshalb Salmannsweiler, das heutige Salem, unweit des Bodensees? Nun war es in früh- und hochmittelalterlichen Zeiten durchaus nichts Ungewöhnliches, über ein weit verstreutes Besitztum zu verfügen. Selbst das ferne Kloster Fulda konnte sich als Eigentümer im ostschwäbischen Gebiet bezeichnen. Umso mehr verwundert hier die lange Präsenz der Bodensee-Äbte, als das Kloster Oberelchingen geradezu in Rufweite liegt.

Hier muss man einen gewaltigen Schritt zurück wagen, in die Zeit der Karolinger im achten und neunten Jahrhundert. Die hiesige Gegend dürfte um die Regierungszeit Karls des Großen in Reichsbesitz gekommen sein. Ob dies als Folge der Vernichtung des alemannischen Herzogtums durch den Karolinger Karlmann im Jahr 746 geschah oder – weitaus friedlicher – durch Frauenerbe, das Karls dritte Gattin Hildegard in die Ehe einbrachte, kann nicht sicher beurteilt werden. Fakt ist, dass bereits wenige Jahre später das Kloster Reichenau eine großzügige Spende erhielt. Weite Territorien um Ulm wurden, möglicherweise bereits von Karl dem Großen, dem Inselkloster übertragen. Es ist anzunehmen, dass diese Schenkung der Memoria, also des Totengedächtnisses an Hildegards Bruder Gerold, der auf der Reichenau seine letzte Ruhestätte fand, dienen sollte.

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Im Hochmittelalter scheinen die dortigen Mönche mit ihren Besitzungen an der Donau noch recht zufrieden gewesen zu sein. Schließlich entstand in Ulm als Verwaltungszentrum ein geräumiger Pfleghof des Klosters, der Reichenauer- oder Grüne Hof, neben der heutigen Herdbrücke. Allerdings bewirtschaftete das Inselkloster den Ort Elchingen nicht selbst. Lehensnehmer waren die Grafen von Kirchberg, die den Besitz aber wiederum als sogenanntes Afterlehen weiterreichten.

Ab 1294 erwarb dann sukzessive das Kloster Salmannsweiler die Rechte über Dorf und Einwohner. Wie der Historiker Werner Rösener vermutet, lag die Expansionspolitik der Abtei in den zu jener Zeit günstigen Grundstückpreisen begründet. Für das nächste halbe Jahrtausend blieb Unterelchingen unter dem Krummstab des Zisterzienserklosters.

Warum aber kam nun das nahe Oberelchingen – die Unterscheidung in Unter- und Oberelchingen erfolgte erst nach der dortigen Klostergründung – nicht zum Zug? Am wahrscheinlichsten erscheint die Annahme, dass das Bodenseekloster schlichtweg keinen Anlass zum Verkauf des Besitzes verspürte. Diese 500-jährige Zugehörigkeit zeigt sich heute noch sichtbar im Chorbogen der Unterelchinger Pfarrkirche: Dort erstrahlt, für jeden Kirchgänger ersichtlich, das Wappen des Salemer Abtes Stephan Jung. Einhorn, Fisch und Pelikan, gekrönt von Stab und Mitra, verweisen auf diesen vormaligen Herrschaftsinhaber, der das Gotteshaus 1723 in großen Teilen neu errichten ließ.

Nach der Säkularisierung geistlichen Territoriums in Folge der napoleonischen Wirren, wurde das Kloster Salem und somit auch dessen Besitzlandschaft zunächst der Markgrafschaft Baden zugeschlagen. Aus diesem Grund, so weiß der Nersinger Historiker Anton Aubele zu berichten, befinden sich heute noch, den Ort Unterelchingen betreffende Akten, im Staatsarchiv Karlsruhe.

Zwischenzeitlich gibt sich der Ort am nördlichsten Rand des Landkreises, und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu Baden-Württemberg, jedoch loyal bayerisch. An die jahrhundertelange Verbindung zum Bodensee erinnert, von dem sich gen Süden stauenden Verkehr auf den beiden Autobahnen abgesehen, ziemlich wenig.

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