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Neu-Ulm

31.07.2020

Schandfleck mitten in Neu-Ulm: Bahn frei für den Abriss der Renftle-Ruine

Jahrelang dominierte der Steinle-Bau auf dem Grundstück des ehemaligen Bettenhauses Renftle den Neu-Ulmer Petrusplatz. Nach langem Hin und Her ist der Weg frei für eine Neubebauung in Neu-Ulms Mitte.
Bild: Oliver Helmstädter

Plus Nach langem Hickhack ist die Sparkasse Ulm jetzt Besitzerin des Ex-Steinle-Baus am Petrusplatz. Noch im August startet eine Art Architektenwettbewerb, der Neu-Ulms gute Stube wohnlicher machen soll.

Fünf Jahre nach dem Aus für das Bettenhaus Renftle am Neu-Ulmer Petrusplatz zeichnet sich nun ein Ende für die zwischenzeitlich entstandene Ruine in Neu-Ulms bester Lage ab: Wie die Sparkasse Ulm auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, ist das öffentlich rechtliche Kreditinstitut nun offiziell Inhaber der Immobilie. Ein Neubau sei „in enger Abstimmung mit der Stadt Neu-Ulm“ geplant.

Noch im August soll im Rahmen einer „Mehrfachbeauftragung“ – einer Art Architektenwettbewerb – geklärt werden, was dort entsteht. Damit verschwindet ein Schandfleck. Seit über zwei Jahren tut sich nichts im Rohbau. Rostige Eisenträger ragen in den Himmel, Tauben auf dem Dach sind die einzigen Lebenszeichen in einem ursprünglich sehr ehrgeizigen Projekt: Der bereits begonnene Zehn-Millionen-Umbau am Petrusplatz brach dem Bauunternehmer Günter Steinle das Genick: „P3 - Wohnen und Arbeiten am Petrusplatz“ - so wurde die Immobilie beworben. Zwischen 299.000 und 1,1 Millionen Euro sollten die zehn Wohneinheiten kosten. Verkauft waren sie alle. Geplanter Bezugstermin: Sommer 2017.

Günter Steinle hatte mit dem "P3" große Pläne

Doch es kam anders. Die Firma um Geschäftsführer Günter Steinle stellte im Juni 2018 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Im Dezember desselben Jahres hatte die Sparkasse dann bekannt gegeben, dass sie das Bauprojekt „P 3“ als Hauptgläubiger erwerben werde, um den entstandenen Schaden zumindest in Grenzen zu halten. Über die Höhe des Verlustes macht die Sparkasse Ulm keine Angaben. Nach Medienberichten standen, wie berichtet, für die Sparkasse Ulm 4,5 Millionen Euro auf dem Spiel. Diese Summe wollten die Ulmer allerdings nicht kommentieren. Klar ist, dass sich ganz offensichtlich komplizierte Verhandlungen mit den Käufern der unfertigen Wohnungen, die teilweise schon Anzahlungen geleistet hatten, bis zuletzt in die Länge zogen.

Schandfleck mitten in Neu-Ulm: Bahn frei für den Abriss der Renftle-Ruine

Eine Jury unter Beteiligung der Stadtverwaltung Neu-Ulm soll nun den besten Entwurf ausgesuchter Architekten bewerten. Theoretisch ist es auch möglich, dass ein Architektenbüro Teile des unfertigen Rohbaus in einen Entwurf miteinbezieht. Doch dies gilt allein aus Gewährleistungsgründen unter Bauexperten als sehr unwahrscheinlich.

Wohnungen und Gewerbe in Neu-Ulms Mitte

Der Neubau soll nach Angaben der Sparkasse Ulm Flächen für Räumlichkeiten zur Unterbringung verschiedener Nutzungsangebote enthalten und eine Bruttogrundfläche von rund 3000 Quadratmetern aufweisen. Neben Wohnungen sollen nach Auskunft der Sparkasse auch Gewerbeflächen entstehen. Die wesentliche Aufgabenstellung an die Objektplanungsbüros bestehe darin, durch Gebäudegestaltung, Grundrissstruktur, Konstruktion und Technik alle Optionen für eine wirtschaftliche Realisierung auszuschöpfen und gleichzeitig eine hohe Architektur- sowie Nutzungsqualität zu erreichen. Auf Deutsch: Möglichst praktisch, möglichst günstig und möglichst schön soll das Gebäude werden.

Noch in diesem Jahr wird die Jury - zu der auch Vertreter der Sparkasse Ulm und der Stadt Neu-Ulm gehören - den besten Entwurf küren. Die fertigen Ausschreibungsunterlagen werden nach Angaben der Sparkasse in Kürze an die teilnehmenden Büros versendet.

Auch die frisch sanierten Nachbarn der Noch-Ruine dürften sich über ein einladenderes Gebäude freuen: Direkt nebenan in der Marienstraße entstanden jüngst 2- bis 4,5-Zimmerwohnungen und Büros sowie zwei Penthäuser im obersten Stockwerk. Und auch die Kernsanierung der VR-Bank Neu-Ulm, schräg gegenüber, trägt zum neuen Gesicht der Neu-Ulmer Innenstadt bei.

Die Tragik der Steinle-Pleite

Der Bauherr des ursprünglich geplanten „P3“ wird nicht sehen können, was am Petrusplatz mit der Hausnummer 3 entsteht: Steinle starb im vergangenen Jahr nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren. Steinle war bis zu seiner schweren Erkrankung eine omnipräsente Figur des öffentlichen Lebens: Der immer als vermögend geltende Steinle sah sich als Förderer von Kunst, Kultur und Sport. Und stemmte Projekte wie Hieberpassage, Römerhöfe (beide Neu-Ulm) oder den Magirushof (Ulm). Eine verlustreiche Firma passte so gar nicht in das öffentliche Bild eines Kunstsammlers und Initiators der „Günter-Steinle-Fondation“.

Ursprünglich wollte Steinle das Traditionsgeschäft an der Ecke Petrusplatz/Marienstraße dem Erdboden gleichmachen und durch einen Neubau ersetzten. Doch dann entschied er sich, das Haus doch nicht komplett abzureißen, was offenbar ein Fehler war. Wie Experten vermuten, habe es Probleme mit dem alten Fundament gegeben, was wohl die Kosten in die Höhe schießen ließ. Auf diese wird die Sparkasse jetzt noch genauer achten.

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