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Lesung

23.07.2016

Schatzsuche im alten Neu-Ulmer Fort

Autor Bachtyar Ali (links) und sein Verleger Lucien Leitess sprachen in Neu-Ulm über das Buch „Der letzte Granatapfel“.
Bild: Arnold

Café Beirut und Literatursalon stellen den Autor Bachtyar Ali vor. Dieser vergleicht sich mit fahrenden Geschichtenerzählern

„Der größte Schatz eines Verlages sind seine Autoren“, sagte der Züricher Verleger Lucien Leitess – und wenn einer über diesen Schatz etwas weiß, dann er. Der Gründer und Leiter des Unionsverlages hatte den Autor Bachtyar Ali in die Neu-Ulmer Steinwerkstatt Vogel begleitet, wo dessen Buch „Der letzte Granatapfel“ vorgestellt wurde.

Der Roman des in Deutschland lebenden Autors erzählt von der alptraumhaften Suche eines Vaters nach seinen Söhnen in Kurdistan. Der Vater selbst war 21 Jahre in der Wüste interniert, isoliert. Wird er mithilfe eines undurchsichtigen Gefährten seine Kinder finden? Die Geschichte ist ebenso grausam wie menschlich und berührend. Gewalt und Leid werden von Ali nie ästhetisiert. Indem er aber der harten Realität seine lyrischen Verschlüsselungen, seine märchenhaft-entrückten Allegorien entgegensetzt, erzielt er beim Leser eine tiefe emotionale Reaktion.

Unter lauem Sommerhimmel konnten die zahlreichen Zuhörer dank des „Café Beirut“ und des Literatursalons Ulm einen Autor und sein Buch kennenlernen, von dem Leser wie auch Feuilletonisten gleichermaßen begeistert sind. Neben Auszügen aus dem Buch – mit zurückhaltender Noblesse von Clemens Grote gelesen – spielte der Austausch von Verleger und Autor eine zentrale Rolle.

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Der kurdische Autor Sherko Bekas sagte einmal über Ali: „Wir alle sind das Wetterleuchten der kurdischen Literatur, Bachtyar Ali ist der Donner“. Ali bleibt ob solch hohen Lobes bescheiden: Er schreibe eben gern Geschichten. Er machte deutlich, dass er sich in der reichen Tradition der fahrenden Geschichtenerzähler sehe, die aus alten Legenden und eigener Erfindung etwas Neues schufen. Seine „Bösen“ sind auch Menschen mit Wünschen und Hoffnungen, die „Guten“ nicht frei von Dunkelheit. Schwarz-Weiß-Malerei, Klischee und Formelhaftes sind diesem Autor fremd. Wenig hält er von dem Attribut des „Magischen Realismus“, das ihm gelegentlich verpasst werde, sogar ein wenig wütend mache ihn das: „Vielleicht bin ich ein Erzähler eines orientalischen Realismus. Wir lieben Geschichten und wir lieben das Fantastische“.

Vier Kriege erlebte der Autor am eigenen Leib mit. Da wurde das Schreiben zur lebensnotwendigen Aufgabe – um nicht an den Gräueln zu verzweifeln, die er miterleben musste. „Der letzte Granatapfel“ ist ein Bild einer Epoche – und des Krieges gegen die Kurden. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Geschehnisse erfährt Alis Werk eine nicht vorhersagbare Brisanz. Dass dieser Schriftsteller, der seit achtzehn Jahren in Köln lebt, erst seit diesem Jahr im deutschen Feuilleton auftaucht, verwundert. Umso wichtiger, ihn persönlich erlebt zu haben: Lange blieben die Besucher des Abends noch in der Steinwerkstatt, um mit Autor und Verleger zu sprechen und sich ein Buch signieren zu lassen. Das zweite Buch Alis in deutscher Sprache soll 2017 erscheinen. Dann, das vereinbarten die Veranstalter sogleich, soll der Autor wieder an die Donau kommen.

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