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Neu-Ulm

26.10.2020

Schausteller aus Neu-Ulm suchen Quartier: Wo ist Platz für 25 Hüpfburgen?

25 bis 30 Hüpfburgen hat Familie Kasper aus Neu-Ulm im Gepäck.
Bild: Kasper/Flippy-Land (Archivfoto)

Plus Für die Schaustellerfamilie Kasper aus Neu-Ulm war das Jahr hart. Und jetzt fehlt auch noch ein Winterquartier.

Es war ein dürftiges Jahr – und der Hüpfburgenpark Flippy-Land in Ehingen war wegen des schlechten Wetters auch nicht besonders gut besucht. Am Sonntag ging die Veranstaltung zu Ende, doch die fünf Wohnwagen und drei Aufleger der Familie Kasper stehen noch immer auf dem Parkplatz vor dem Alb-Donau-Center. Die Schausteller-Familie aus Neu-Ulm sucht dringend ein Winterquartier. Doch am Breitenhof, wo die Kaspers lange wohnten, ist kein Platz.

Am Breitenhof in Neu-Ulm leben mehrere Schausteller-Familien, für die Kaspers ist kein Platz mehr.
Bild: Alexander Kaya

Vor zehn Jahren hat die Familie ihre Hüpfburgen letztmals in Neu-Ulm aufgebaut, unweit der Bahnlinie. „Ein Heimspiel ist schon schön“, sagt Samantha Kasper und lacht. Sie ist Teil der siebenköpfigen Crew: Vater, Mutter, Onkel und vier Töchter. Zwei weitere Schwestern sind bereits ausgezogen. Die Schausteller-Familie wächst, die Zahl ihrer Wagen nimmt zu. Darum ist es am Breitenhof, wo auch andere Familien leben, zu voll geworden.

Der Hüpfburgenpark Flippy-Land war zuletzt in Ehingen aufgebaut

In den vergangenen zehn Jahren waren die Kaspers durchgehend auf Achse, nur im Januar war oft Pause. Jetzt ist alles anders. „Es war wie eine Bestrafung, obwohl wir nichts dafür können“, sagt Samantha Kasper über die Zeit, in der die Arbeit der Schausteller wegen der Corona-Pandemie praktisch verboten war. Die Familie kam in einer leer stehenden Lagerhalle in Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen unter, doch die Stadt schritt ein. Im Gewerbegebiet ist Wohnen verboten. In den Sommerferien bauten die Kaspers ihren Hüpfburgenpark in Geislingen an der Steige auf. Doch durch das Hygienekonzept war die Besucherzahl beschränkt und die Familie verlangte weniger Eintritt. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, berichtet Samantha Kasper. Aber immerhin: wieder Arbeit, wieder unterwegs sein. Menschen, die das Reisen gewöhnt sind, fällt es schwer, lange am gleichen Ort zu sein. „Immer der gleiche Supermarkt, immer die gleichen Kassierer. Das hängt dir irgendwann zum Hals raus“, sagt Samantha Kasper und lacht.

Die 25-Jährige ist unterwegs geboren, in Aalen war das. Ihre Mutter verkaufte gerade Zuckerwatte, als sie merkte, dass die Geburt losgeht. Am nächsten Tag verkaufte sie wieder Zuckerwatte. So haben Samanthas Eltern die Geschichte immer wieder erzählt. Als Kind ging Samantha Kasper manchmal wöchentlich in eine andere Schule. Die anderen mochten sie: Als Schausteller-Kind war sie schließlich jemand Außergewöhnliches. „Aber eine beste Freundin, die man täglich trifft, die gibt es nicht“, räumt sie ein.

Die Schausteller-Familie Kasper fühlt sich in Neu-Ulm zuhause

25 bis 30 Hüpfburgen haben die Kaspers dabei. Mit Plastikpalmen und Piratenschiff, mit Geschicklichkeitsspielen und Riesenrutsche. Im Sommer 2019 war der Park auf dem Parkplatz von Schuh Schmid in Senden aufgebaut. Und während die Kaspers früher fast betteln mussten, um Spielorte zu bekommen, werden sie inzwischen von Kommunen umworben – so erzählt es Samantha Kasper. Die 25-Jährige stammt aus einer alten Schausteller-Familie: Zur Verwandtschaft gehören die Familie Böhm mit ihren sieben Fahrgeschäften, Buden und Volksfestattraktionen sowie die Betreiber des Ulmer Weihnachtscircus.

Im April, hoffen die Kaspers, kann es wieder losgehen, nach Hessen und Rheinland-Pfalz. Darauf verlassen will sich die Familie angesichts der Erfahrungen aus diesem Jahr aber nicht. Fürs Erste denkt sie an den Winter. Noch stehen die Anhänger auf dem Parkplatz vor dem Ehinger Einkaufszentrum. „Hier können wir nicht bleiben und das wollen wir auch nicht“, sagt Samantha Kasper. Ein Festplatz wäre perfekt für die Familie: Dort gibt es Strom und Wasser. Und Veranstaltungen finden ohnehin nicht statt.

Samantha, Novalie Kasper und Udo Kasper (von links).
Bild: Kasper/Flippy-Land

Die Hüpfburgen sind schon abbezahlt, sonst hätte die Corona-Krise die Kaspers noch stärker getroffen. Im Winter werden die Zäune abgeschliffen und neu gestrichen. Wenn es trocken ist, werden die Hüpfburgen noch einmal aufgebaut: „Sonst sind sie nach dem Winter dreckig“, erklärt Samantha Kasper. Alles ist Handarbeit – und bei Familie Kasper oft Frauensache.

In Pfaffenhofen und Elchingen hat die Familie schon nach einem Winterquartier gefragt – erfolglos. Neben dem Schausteller-Quartier am Breitenhof in Neu-Ulm gibt es eine leere Fläche, doch die will die Stadt nicht hergeben: Sie solle im Fall eines Hochwassers als Sandsack-Lager dienen, hieß es aus dem Rathaus. Also suchen die Kaspers weiter. „Wir wollen nix umsonst. Wir zahlen Miete, Wasser, Strom. Und eine Kaution gibt es auch“, beteuert Samantha Kasper. Ein Platz in Neu-Ulm, sagt sie, wäre der Familie am liebsten. Dorthin zu kommen habe sich immer wie eine Heimkehr angefühlt.

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