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31.03.2009

"Schlag"-Kraft und Sensibilität

Ulm (bh) - Weltstars geben sich in Ulm derzeit die Hand: Nach den großartigen Musikern Stefano Bollani und Enrico Rava gab jetzt Joshua Redman eines seiner seltenen Konzerte in Deutschland und rührte die Jazzseelen im Roxy.

Diese rasche Auftritts-Folge musikalischer Ausnahmeerscheinungen mag Zufall sein, ist aber der Beweis: Wenn Könner ihres Fachs nach Ulm kommen, strömt auch das Publikum aus nah und fern, sei es ins Stadthaus oder wie im Falle Joshua Redmans ins Roxy.

Das 40-jährige Jazz-Genie hat mit seinem neuen Album "Compass" schon jetzt ein Highlight des Jahres 2009 geschaffen, das in die Analen des Jazz eingehen dürfte: Denn mit zwei Bässen und zwei Schlagzeugen schaffte Redman eine neue Tonart von außergewöhnlicher "Schlag"-Kraft und gleichermaßen hoher Sensibilität. Aus der Studioformation nahm er nach Ulm " nur" seinen Stamm-Drummer Gregory Hutchinson mit - der Neuseeländer Matt Penham hatte die undankbare Aufgabe, den Part von zwei Bassisten wie Larry Grenadier und Reuben Rogers zu übernehmen. Er machte seine Sache gut, doch vor allem Redman und Hutchinson sorgten dafür, dass die rund 250 Besucher ein Ausnahmekonzert erlebten.

Nach einem Tribute for Germany mit Kurt Weills "Mackie Messer" lenkte Redman danach die Aufmerksamkeit auf seine neuesten Kompositionen, die wie eine Auferstehung von Ornette Coleman wirkten, der den frühen Joshua Redman neben Sonny Rollins maßgeblich geprägt hat. Wiedererweckung einer Jazzlegende aber auch musikalisches Neu-Land zu betreten, war die Absicht Redmans beim Album "Compass", der hier mit hohem Intellekt die dynamischen Möglichkeiten der Improvisationsmusik auszuloten versucht.

"Schlag"-Kraft und Sensibilität

Rhythmus ist das Fundament des Jazz, ohne Groove kein Jazz, hat er kürzlich in einem Interview gesagt und brachte nach Ulm einen der weltweit besten Drummer mit, der schon zahlreiche zeitgenössischen Musikheroen wie Wynton Marsalis oder Cassandra Wilson begleiten durfte: Der Amerikaner Gregory Hutchinson. Den fulminanten Improvisationen Redmans hauchte er förmlich den Rhythmus ein - und wenn fetter Funk angesagt war, ließ er es auch mal krachen, wie zu alten Zeiten, nur besser.

Das Publikum wurde Zeuge eines musikalischen Dialogs zwischen Redman und seinem Drummer, der - omen est nomen- ein Kompass für die nahe Jazz-Zukunft sein dürfte. Als Dritter im Bunde durfte der Bassist Matt Pentham an dieser musikalischen Sternstunde ein wenig mitbasteln.

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