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Weißenhorn

04.10.2018

Schlagabtausch der Landtagskandidaten

Politiker auf dem Podium unserer Zeitung: (von links) Dietmar Österle (Linke), Klaus Rederer (Grüne), Beate Merk (CSU), die Moderatoren Jens Carsten und Ronald Hinzpeter, Wolfgang Schrapp (Freie Wähler), Daniel Fürst (SPD), Gerhard Großkurth (AfD) sowie Johannes Hecht (FDP). <b>Foto: Alexander Kaya</b>
Bild: Alexander Kaya

Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung äußern sich sieben Direktkandidaten zu wichtigen politische Fragen im Freistaat. Dabei geht es durchaus kontrovers zu. Beim Thema Nuxit herrscht hingegen Einigkeit – beinahe.

Bayern ist ein schönes Land mit starker Wirtschaft und größtenteils anständigen Bewohnern. Zumindest darauf können sich die Teilnehmer der von unserer Zeitung organisierten Podiumsdiskussion in der Weißenhorner Stadthalle verständigen. Überhaupt werden die etwa 100 Zuhörer Zeugen einer von Sachlichkeit und Zurückhaltung geprägten Debatte – bei der es freilich an manchen Stellen auch ein paar scharfe Töne gibt.

Auf dem Podium sitzen – neben den Moderatoren Ronald Hinzpeter und Jens Carsten – die sieben Stimmkreis-Direktkandidaten der Parteien, die nach derzeitiger Lage die besten Chancen haben, künftig im Bayerischen Landtag vertreten zu sein: die frühere Justiz- und Europaministerin Beate Merk (CSU), dazu als Herausforderer Daniel Fürst (SPD), Klaus Rederer (Grüne), Wolfgang Schrapp (Freie Wähler), Johannes Hecht (FDP), Gerhard Großkurth (AfD) und Dietmar Österle (Linke). In der Halle haben natürlich nicht nur Bürger Platz genommen, die sich informieren wollen, auch Parteifreunde der Kandidaten haben sich postiert, darunter Landrat Thorsten Freudenberger und Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz.

Jeder Kandidat hat nur zwei Minuten Zeit

Gut eine Woche vor der Landtagswahl, die nach aktuellen Umfragen die politischen Kräfteverhältnisse im Freistaat gehörig verändern könnte, geht es um jede Stimme. Aber auf dem Podium gelten klare Regeln. Die wichtigste: Jeder Kandidat hat nur zwei Minuten Zeit, die ihm gestellte Frage zu beantworten. Nach 90 Sekunden gibt es die gelbe Karte als Vorwarnung, am Schluss die rote als Stoppsignal.

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Nach der Aufwärmrunde in der Disziplin Freistaat-Loben geht es in Themenblock eins um die Infrastruktur. Speziell beim Thema Netzausbau sehen alle Kandidaten Luft nach oben. Grünen-Kandidat Rederer wundert sich über Markus Söders Weltraumabenteuer-Träumen – man sollte besser Breitbandkabel auf der Erde verlegen. Kontroverser wird es beim Thema Wohnraum. Da beklagt der Linke Österle, dass die Politik beim Wohnungsbau „jahrzehntelang geschlafen“ habe. CSU-Abgeordnete Merk verweist hingegen auf die Förderprogramme der Staatsregierung.

SPD-Mann Fürst bezeichnet AfD als "rechtsradikale Partei"

Feuer in die Runde kommt beim Thema Bildung. Zunächst, als sich Beate Merk – anders als ihr Ministerpräsident Söder – für die Beibehaltung des Islamunterrichts an bayerischen Schulen ausspricht. Die Tonlage verschärft sich, als AfD-Mann Großkurth auf die von seiner Partei in anderen Bundesländern eingerichteten Denunzierungsplattformen für Lehrer angesprochen wird. „Ich persönlich halte von der Maßnahme nicht so viel“, sagt er zwar, aber die anderen auf dem Podium nehmen den Ball auf. Der SPD-Kandidat Fürst etwa bezeichnet die AfD als „rechtsradikale Partei“ und vergleicht die Plattform mit Methoden der NS-Zeit. Woraufhin Großkurth allen, die die AfD pauschal mit dem Dritten Reich gleichsetzen, Volksverhetzung vorwirft.

Gänzlich verschiedene Positionen treffen dann beim Thema Asyl aufeinander. CSU-Frau Merk macht klar, dass sie „aus einem anderen Holz geschnitzt ist“ als die Parteikollegen, die zuletzt beim Thema Flüchtlinge aggressiv argumentierten. Gefragt danach, wie sicher Bayern ist, zweifelt der AfD-Kandidat am Wahrheitsgehalt der Polizeistatistiken. Viele Verbrechen würden heute wegen der überlasteten Behörden gar nicht mehr angezeigt. Beim finalen Themenblock Gesundheit kehrt dann wieder eine gewisse Einigkeit zurück auf das Podium – und der Wunsch nach einer menschlichen, weniger auf Profit getrimmten Medizin. FDP-Kandidat Hecht beklagt eine „Überreglementierung und Überbürokratisierung“, die kleinen Krankenhäusern das Überleben schwer macht.

Zum Finale dann ein das große lokale Thema der vergangenen Monate: der Nuxit, über den formal wohl der Landtag entscheiden muss. Bei der Frage, wer in diesem Fall wie votieren würde, ergibt sich ein klares Bild: Sechs würden gegen den Austritt Neu-Ulms aus dem Landkreis stimmen, nur Beate Merk windet sich und wünscht sich, dass die Bürger befragt werden – sowohl in der Stadt als auch im Kreis.

Danach haben die Zuschauer in der Stadthalle die Chance, ihre Fragen zu stellen. Es entwickelt sich eine rege Diskussion. Mehr dazu finden Sie in unserem Liveticker.
 

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