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Neu-Ulm

21.06.2017

Schnipp, schnapp, Uferböschung ab

Ruhig fließt der Illerkanal dahin. Die Stadtwerke sind dort dafür zuständig, dass am Ufer Gräser und Sträucher zurückgeschnitten werden.
Bild: Andreas Brücken

Am Illerkanal wurde gemäht – und den Entlein das Zuhause genommen, fürchtet ein Bürger. Experten geben Entwarnung.

Fast jeden Tag spaziert Edmund Kügele am Illerkanal bei Ludwigsfeld entlang. Jeden Tag genießt er dort beim Gassi gehen mit seinem Hund die Natur – und jedes Jahr gegen Ende des Frühjahrs ärgert er sich über das Ufer des künstlichen Flüsschens. „Immer wenn die Enten ihren Nachwuchs bekommen, wird das Grün radikal zurückgeschnitten.“ Der Ludwigsfelder fragt sich: „Muss das denn sein?“ Den Enten und Küken würde damit ihr Lebensraum und Schutz geraubt. Auch Bekannten sei das schon aufgefallen, sagt Kügele.

Ganz so schlimm sei es nicht, sagt Naturschützer Bernd Kurus-Nägele und erklärt, warum. Nach Angaben des Geschäftsführers des Bund Naturschutz im Kreis Neu-Ulm, seien Enten robust und verkrafteten ein Eingreifen in ihr Lebensumfeld. Vielmehr weist er daraufhin, dass die „Ausmagerung des Bodens“ wichtig sei und für Artenvielfalt sorge. Zwar sei die Brutzeit der Enten tatsächlich im Mai und im Juni. „Es wäre schlecht, in den Brutvorgang einzugreifen“, aber dieser finde nicht am Illerkanal, in einer Flachwasserzone statt, so der Experte. „Die Tiere suchen sich normalerweise ihr Gelege dort, wo sie geschützt sind.“ Denn auch Fuchs und Co. könnten den Enten gefährlich werden – nicht nur der Mensch mit Rasenmähern.

Die werden am Illerkanal von den Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm bedient. Denn diese sind für den Unterhalt des Illerkanals und weitere Dämme zuständig. Wie deren Sprecher Bernd Jünke mitteilt, rasieren die SWU-Mitarbeiter das Ufer nicht einfach so kahl: „Sollten beim Mähen einmal Nester ausgemacht werden, bleibt das Gras etwas höher stehen.“

Die Stadtwerke verfahren laut Jünke wie folgt: Gehölze, zum Beispiel Sträucher und Büsche, würden nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar zurückgeschnitten oder entfernt. Das ist laut Naturschutzgesetz im Zeitraum 1. März bis 30. September nicht erlaubt aus Rücksicht auf brütende (Wasser-)Vögel.

Einfacher Grasschnitt dürfe ganzjährig gemacht werden. „Das ist an Dämmen sehr wichtig: Bei niedrigem Grasstand lässt sich erkennen, ob ein Damm beschädigt ist, zum Beispiel durch Einrisse, und repariert werden muss. Undichtigkeiten im Damm dürfen nicht sein“, sagt Jünke. „Das ist auch der Grund dafür, warum Gehölze im Dammbereich möglichst ganz entfernt werden. Dehnt sich Wurzelwerk aus, würde es auf die Dauer den Damm aushöhlen.“ Und: „Die Sichtkontrolle der Dämme ist daher gleichfalls eine wesentliche Unterhaltspflicht der SWU.“

Wie Naturexperte Kurus-Nägele ergänzt, seien Stockenten angepasst an Menschen in der Umgebung. „Die lassen sich nicht einmal von Badenden am Baggersee aus der Ruhe bringen.“ (kat)

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