Bahn

28.11.2014

Schöne Aussicht

Da schau her: Durch ein Panoramafenster besteht uneingeschränkte Aussicht auf die Arbeiten im Gleisvorfeld des Ulmer Hauptbahnhofs. Auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche können sich die Baustellen-Gucker zudem über das Eisenbahninfrastrukturprojekt in Wort und Bild informieren.
Bild: Oliver Helmstädter

Bei der Eröffnung des neuen Stuttgart-21-Infozentrums standen die Chancen der Region durch das Megaprojekt im Mittelpunkt. Und ein zentraler Akteur verabschiedete sich

Das Endergebnis eines vier Jahrzehnte andauernden Diskussionsprozesses befindet sich auf 100 Quadratmetern in einem Container: Gestern wurde das Infozentrum zum Bahnprojekt Stuttgart-Ulm eröffnet. Durch ein Panoramafenster richtet sich der Blick auf eine Großbaustelle, die Geschichte schrieb.

„Eine Art Schlussstrich“ sieht in dem provisorischen Bauwerk Wolfgang Dietrich, Sprecher und Vorstandsvorsitzender des Bahnprojektes Stuttgart-Ulm, der sogleich damit seinen letzten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion absolvierte, weil er seine Aufgabe als erledigt ansieht. „Hier wurde für Stuttgart 21 gekämpft wie nirgendwo anders“, sagte Dietrich über Ulm und die Region. Und das habe sich für die Bevölkerung ausgezahlt: Dass die Schnellbahnstrecke von Paris bis Budapest über Ulm und nicht an Ulm vorbei laufe, sei ein zentraler Wettbewerbsvorteil für die Zukunft. Der Präsident der Ulmer Industrie- und Handelskammer, Peter Kulitz, lobte das Engagement Dietrichs in den höchsten Tönen. „Ich weiß nicht, wo wir hingekommen wären ohne Dietrich“, sagte Kulitz über den Mann, der das Ruder der Kommunikation übernahm, als die Diskussionen um Stuttgart 21 eskalierten und erst durch einen Volksentscheid 2011 wieder in friedlichen Bahnen mündeten. Die „Mehrheit der Nicht-Lautstarken“, so Kulitz, habe sich damals zum Wohl der Region durchgesetzt.

Der Unternehmer malte die Zukunft in den schönsten Farben: Untersuchungen hätten ergeben, dass durch das Bahnprojekt die Produktivität der Region langfristig erhöht werde, was dauerhaft 8000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffe. Ulm sei in Zukunft Teil einer deutschen „Technologie-Achse“, die von Karlsruhe bis nach München reiche.

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„In Ulm nahm alles seinen Anfang“, sagte Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner und überreichte dem Projektsprecher eine Miniaturausgabe der Ulmer Schachtel. Ein Bootstyp, der schon seit Jahrhunderten für eine verkehrliche Verbindung gen Osten stehe.

Dass die Stuttgarter Innenstadt, wenn sie von Ulm aus in weniger als einer halben Stunde erreichbar ist, zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Ulmer Einzelhändler werden könnte (wir berichteten), bestritt Gönner in seiner bekannt verschmitzten Art. Vielmehr würden die Stuttgarter nach Ulm kommen. Und außerdem: „Ich verspreche, dass die Sedelhöfe vor dem Bahnprojekt fertig sind.“ Das verschafft Gönner Zeit im stockenden Start der Entwicklung des Einkaufsquartiers. Denn erst im Dezember 2021 plant die Bahn die Inbetriebnahme der 60 Kilometer langen Neubaustrecke von Ulm bis Wendlingen. Dann erst rasen die Ulmer in weniger als 30 Minuten nach Stuttgart. Oder umgekehrt.

Die Projekt-Baustellen der Region liegen gut im Zeitplan, wie Manfred Leger, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm, sagte. Der nach Fertigstellung sechs Kilometer lange Albabstiegstunnel sei etwa bereits auf zwei Kilometern gebohrt.

Den Baufortschritt in Ulm können Besucher jetzt in 15 Metern Höhe durch ein Panoramafenster beobachten. Auch Ivo Gönner freut sich schon: „Es gibt nichts Interessanteres als Baustellen-Kucken.“ Insbesondere als „Verdauungsspaziergang“ an Weihnachten.

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