Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Schüler lernen jetzt zu Hause, Eltern müssen darauf reagieren

Neu-Ulm

13.03.2020

Schüler lernen jetzt zu Hause, Eltern müssen darauf reagieren

Schulen im Landkreis Neu-Ulm bleiben zunächst geschlossen.
Bild: Jonas Güttler/dpa

Plus Bis zum Ende der Osterferien müssen alle bayerischen Schüler zu Hause bleiben. Dabei stehen bald Abschlussprüfungen an. Wie die Einrichtungen in der Region damit umgehen.

In ganz Bayern und damit auch im Landkreis Neu-Ulm sind ab Montag alle Schulen zu. Schüler haben bis zum 19. April "Betretungsverbot" an den Schulen, auch alle schulischen Veranstaltungen fallen aus. Als verlängerte Ferienzeit kann dies aber nicht bezeichnet werden, sagt Schulamtsleiter Ansgar Batzner bei einer Pressekonferenz im Landratsamt. Hier ein Überblick, was Eltern und Schüler beachten müssen:

Für genau 19.938 Schüler heißt es ab sofort: daheim bleiben bis zum Sonntag, 19. April. Das sind fünf Wochen. Die Wochen vor den Osterferien sollen aber nicht als zusätzliche Freizeit gelten. Schüler haben zum Teil schon mehr Hausaufgaben mit nach Hause bekommen. Zudem sollen auch die Schüler in dieser Zeit ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Corona: Lehrer bereiten Lernstoff für zu Hause vor

Zudem haben die Lehrer eine Dienstpflicht. Sie müssen also in der Schule sein. Von dort aus können sie beispielsweise Arbeitsblätter per Mail an Schüler versenden, Unterrichtsinhalte auf der Internetseite der Schule zur Verfügung stellen oder Hausaufgaben verteilen. Wie eine Schule es löst, dass Lehrer auch weiterhin wenigstens einige Inhalte vermitteln und Schüler üben können, regelt jede Einrichtung selbstständig. Gelöste Aufgabenstellungen könnten beispielsweise auch in den Briefkasten der Schule eingeworfen werden, sagt Batzner. Denn die Lehrer sind wie gesagt in der Schule. Sie können dort korrigieren, Aufgaben vorbereiten oder sind per Mail und Telefon für Fragen von Schülern offen. Vor allem für die Schüler, deren Abschlussprüfungen bevorstehen, sollen so "keine Nachteile entstehen".

Zudem stehen die Lehrer parat, um Notfallklassen zu betreuen. Diese sind jedoch, wie der Name schon sagt, nicht für alle offen. Eben gerade, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Genau genommen gibt es die Klassen nur für die Jahrgangsstufen 1 bis 6, ab der 7. Klasse sei man davon ausgegangen, dass Schüler auch alleine zu Hause bleiben können, so Batzner. Die Notfallgruppen stehen während der regulären Unterrichtszeiten auch nur Schülern offen, deren Eltern in "kritischer Infrastruktur" arbeiten. Dazu zählen insbesondere alle Einrichtungen, die der Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung und der Pflege sowie der Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einschließlich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr ( Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz), der Sicherstellung der öffentlichen Infrastrukturen (Telekommunikationsdienste, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung) und der Handlungsfähigkeit zentraler Stellen von Staat, Justiz und Verwaltung dienen, teilt das bayerische Kultusministerium mit.

Corona: Kinder teilweise in Notklassen betreut

Kinder von Alleinerziehenden in diesen Berufsfeldern oder Kinder, bei denen beide Eltern in diesen Feldern arbeiten, dürfen in die Notgruppen kommen. Batzner sagt, das betreffe wohl einen geringen Teil der insgesamt rund 20.000 Schüler. Es wird jedoch bei Bedarf an jeder der 66 Schulen im Landkreis eine Notgruppe geben - auch wenn nur ein Kind diese nutzt. Wenn ein Kind an der Mittagsbetreuung oder am Ganztagesangebot teilnimmt, wird diese Betreuung für die Notklassen ebenso sichergestellt.

Problematischer wird es für alle anderen berufstätigen Eltern. Wie es im Arbeitsleben weitergehe, müsse man abwarten, sagte Landrat Thorsten Freudenberger. Die Unternehmen müssten dies natürlich so regeln, wie es ihnen möglich sei. "Es ist eine Bewährungsprobe für alle", sagt er. Jeder sei gefordert und es funktioniere nur mit Zusammenhalt. Die Fachleute am Landratsamt empfehlen für berufstätige Eltern: Home Office, Kurzarbeit oder Urlaub nehmen. Oder über den Arbeitsschutz, denn wenn das Kind betreut werden muss, könne es auch zehn Tage im Jahr frei geben.

Kitas wegen Coronavirus geschlossen

Bei den neuen Regeln zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus fallen auch alle schulischen Veranstaltungen aus. Für nicht angetretene Schulfahrten sowie Schüleraustausche will Bayern die Stornokosten erstatten. Nähere Infos gibt es, sobald der Bayerische Landtag zugestimmt hat.

Von den Schließungen sind auch staatliche Hochschulen und alle Kindergärten und Kinderkrippen betroffen. Und für Kleinen gelten die gleichen Regeln wie an den Schulen. Notgruppen gibt es also, aber wiederum nur für Kinde, deren Eltern in "kritischer Infrastruktur" arbeiten. Wie dies in den Kitas geregelt wird, müssen die Kommunen oder anderen Träger überlegen. Möglicherweise könnten sich einige Einrichtungen zu Notgruppen zusammentun.

Auch die Busse fahren ab Montag im eingeschränkten Ferientakt. Zudem wird es Maßnahmen geben, die Fahrer zu schützen, beispielsweise indem die Fahrgäste nur noch hinten einsteigen können und der Fahrer keine Tickets mehr verkauft.

Das sagen die Schulleiter zur Schließung durch Corona

Martin Bader, Leiter des Lessing-Gymnasiums in Neu-Ulm, sagt, an seiner Schule seien etwa 700 Schüler betroffen. „Wir haben Vorkehrungen getroffen und dafür gesorgt, dass alle Schüler Zugang zu unserer Online-Plattform bekommen.“ Diese sei bisher schon in den höheren Jahrgangsstufen regelmäßig genutzt worden, etwa für Seminararbeiten oder größte Projekte. Die Lernmaterialien würden von den Lehrkräften aufbereitet und in die Plattform eingestellt. Dort können die Schüler darauf zugreifen und die bearbeiteten Aufgaben zurückschicken. Den Schülern sei am Freitag auch noch mal klargemacht worden, dass sie nun keine Ferien haben, sondern eben zu Hause arbeiten müssen: „Wir haben jetzt drei Wochen lang digitalen Unterricht.“

Der Direktor des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums in Weißenhorn, Gerhard Lantenhammer, rät zur Besonnenheit: „Die Menschheit wird es schon aushalten, wenn drei Wochen kein Unterricht in der Schule stattfindet.“ Dennoch: Die Schüler sollen zu Hause auf alle Fälle etwas zu tun haben. Die Schule hat dazu diverse digitale Möglichkeiten. Etwa das bayernweite E-Learning-Portal „Mebis“. Ob das allerdings funktioniert, wenn alle Schüler zeitgleich darauf zugreifen, ist zumindest fraglich. Das Portal, auf dem das Kultusministerium die Schulen über seinen Corona-Plan informiert, war am Freitag zeitweise nicht erreichbar. Als Alternativen zu Mebis könne man in Weißenhorn das schulinterne Elterninformationsportal nutzen oder mit E-Mail-Verteilern arbeiten. „Sollte online gar nichts mehr gehen, gibt es ja noch die Post“, sagt Lantenhammer.

Viele Menschen möchten in Corona-Zeiten helfen

Im Internet, etwa auf Facebook, boten Menschen ihre Hilfe an. Kathrin Awißus, die in Oberdischingen bei Ehingen wohnt, schrieb, sie würde unentgeltlich auf Kinder aufpassen, während deren Eltern in der Arbeit sind. Sie sei ausgebildete Hauswirtschaftshelferin und habe gerade keinen Job. Gemeldet habe sich erst einmal niemand. „Es ist natürlich schwierig, seine Kinder einem wildfremden Menschen in die Hände zu geben“, räumt sie ein. Aber es sei ihr wichtig, ein Signal zu senden. Sie könne auch für andere einkaufen oder mit dem Hund spazieren gehen. Andere schlossen sich in den sozialen Netzwerken zusammen, um sich untereinander abzustimmen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Hier lesen Sie mehr zum Thema:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren