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Neu-Ulm

26.10.2020

Schwan von Polizei in Neu-Ulm erschossen: Tierschützer sind entsetzt

Hier lebt der Schwan noch. Auf einem Acker nahe des Badesees in Ludwigsfeld wurde er gefunden, dann von der Polizei erlegt.
Bild: Privat

Plus Ein Schwan ist in Neu-Ulm von der Polizei mit einer Schusswaffe erlegt worden. Die Wildtierhilfe Baden-Württemberg ist empört und erhebt Vorwürfe.

Ein toter Schwan mit einem abgetrennten Kopf ist am Wochenende auf einem Acker in der Nähe des Ludwigfelder Badesees gefunden worden. Eine Tierpflegerin und Mitglied der Wildtierhilfe Baden-Württemberg, die dem Tier zur Hilfe eilen wollte, ist empört und kritisiert die Entscheidung eines Jägers, aber auch der Polizisten. "In meinen Augen war das so nicht nötig", sagt sie. Die Wildtierhilfe will nach dem Vorfall in Neu-Ulm jetzt sogar rechtliche Schritte einleiten.

Am Samstagabend gegen 19 Uhr habe sich eine Frau bei ihr gemeldet, schildert die Tierpflegerin aus Blaubeuren im Gespräch mit unserer Redaktion den Vorfall. Eine Schwan würde in einem Acker sitzen und könne nicht mehr aufstehen. Als sie aber anderthalb Stunden später am Ort des Geschehens eintraf, sei es schon zu spät gewesen: Die hinzugerufene Polizei habe das Tier erlegt. Ein Jäger soll zudem noch den Kopf des Schwans abgetrennt haben.

Schwan in Neu-Ulm getötet: "Ich war entsetzt"

"Ich war entsetzt", sagt die Pflegerin. Das Tier sei nicht so schwer verletzt gewesen, dass es hätte getötet werden müssen. Die Flügel seien nicht gebrochen, auch seien sonst keine anderen Verletzungen ersichtlich gewesen. Normalerweile, so schildert sie das Vorgehen, werde in so einem Fall in Absprache mit dem zuständigen Jäger die Feuerwehr gerufen, um das verletzte Tier schonend zu fangen. Und um es dann einem Tierheim oder einem Tierpflegerin zu übergeben. "Das war für mich das erste Mal, dass ich das so erlebt habe", sagt die Pflegerin.

Die Polizei stellt den Vorfall anders dar und weist die Vorwürfe von sich. Der Schwan habe im Sterben gelegen, erklärt Thomas Merk, stellvertretender Leiter der Inspektion in Neu-Ulm. In Absprache mit einem Jäger, der zufällig vorbeigekommen war, sei die Entscheidung getroffen worden, das Tier so schnell es geht von seinem Leiden zu erlösen. Eine junge Kollegin habe daraufhin insgesamt zwei Schüsse abgegeben. Um auf Nummer sicher zu gehen, sei auch der Kopf fachgerecht mit einem Messer abgetrennt worden.

Polizei will Fall genau prüfen, Wildtierhilfe kündigt Dienstaufsichtsbeschwerde an

Merk spricht von einem "normalen Prozedere", das keiner der Beamten gerne durchführe. Jedoch sei auch die Polizei dazu befähigt, Tiere zu erlegen. Abgesehen von der Handlung selbst ziehe Schusswaffengebrauch auch weitere Konsequenzen nach sich: zusätzliche Berichte müssten geschrieben und Munition nachbestellt werden. Der Fall werde daher auch genausten überprüft. Dabei spiele aber auch eine Rolle: Stimmen denn die Angaben, die die Tierpflegerin öffentlich kundtut? Laut Merk habe sich die Tierschutzbehörde bereits mit dem Fall befasst und sei zu dem Entschluss gekommen: Das Vorgehen sei richtig gewesen. Die Wildtierhilfe kündigte jedoch an, eine Dienstaufsichtsbeschwerde einleiten zu wollen.

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