Newsticker

Merkel warnt: "Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben"
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Schwere Zeiten für Hauptschulen

06.03.2009

Schwere Zeiten für Hauptschulen

Landkreis (eff-) - Noch weiß keine Schule in der Region so genau, was mit dem Kabinettsbeschluss zum neuen Übertrittsverfahren auf sie zukommen wird. Der Übergang soll künftig einfacher werden. Die Kinder müssen sich nach der vierten Klasse nicht mehr endgültig auf eine Schulart festlegen, denn die fünfte Jahrgangsstufe wird zu einer Gelenkklasse. Auch der Elternwille soll bei der Schulwahl stärker berücksichtigt werden. Doch was das für die einzelnen Schularten bedeutet, können die Direktoren in der Region noch nicht einschätzen.

"Das ist eine gute Entscheidung für die Schüler", meint Reinhard Schmöger, Leiter der Hauptschule Senden. Kinder hätten es künftig einfacher, auf weiterführende Schulen zu gehen. "Wir haben übertrittswillige Schüler in der fünften Klasse. Wenn Förderstunden angehoben werden, wäre das schon sinnvoll." Allerdings, so gibt Schmöger zu, für die Hauptschulen könnte dieser Kabinettsbeschluss Nachteile bringen. "Es kann sein, dass die Hauptschulen wegen sinkender Schülerzahlen geschwächt werden." Er glaubt, dass einige Kinder "allein aufgrund des Elternwillens" auf Realschulen oder Gymnasien gehen werden.

Auch Hermann Muzell, Schulleiter des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Pfuhl, glaubt, dass dieser Beschluss in erster Linie die Haupt- und Realschulen betreffen wird. "Wenn dadurch mehr geeignete Schüler die Möglichkeit haben, auf ein Gymnasium zu gehen, ist das positiv zu bewerten." Doch er sieht eine Gefahr für die Hauptschulen. Sie könnten weitere Schüler verlieren. "Man muss abwarten, wie sich das entwickeln wird."

Die Entscheidung, auf welche Schule ein Kind gehen sollte, hänge laut Muzell immer noch von einem wesentlichen Faktor ab: der Begabung des Schülers. "Es hat keinen Sinn, wenn das Kind auf dem Gymnasium unglücklich ist." Das Wohlergehen des Kindes stehe für ihn ganz oben. "Der Elternwille ist recht, aber das bedeutet auch, dass die Eltern bereit sein müssen, sich beraten zu lassen." Sein Kollege Dieter Kreuzpaintner von der Städtischen Realschule in Weißenhorn sieht es ähnlich. "Ich finde es kritisch, wenn Eltern aus falschem Ehrgeiz ihre Kinder überfordern." Auf der anderen Seite wären Eltern von begabten Schülern vielleicht eher bereit, ihre Kinder auf eine höhere Schule zu schicken. Wie sich die Schülerströme entwickeln werden, könne im Moment noch nicht vorhergesagt werden. "Das ist Kaffeesatzleserei."

Schwere Zeiten für Hauptschulen

"Das Gutachten der Grundschulen war sehr aussagekräftig", sagt Dr. Martin Bader, Leiter des Lessing-Gymnasiums in Neu-Ulm. Aber er kann auch dem neuen Verfahren etwas Positives abgewinnen: Viele Kinder seien Spätentwickler. Ihnen würden die Gelenkklassen zugutekommen. Problematisch werde es erst, wenn ein Kind auf das Gymnasium geschickt wird, obwohl "man schon im Vorfeld sieht, dass es scheitern wird". Bader hofft, dass die Eltern erkennen, ob die Belastung zu groß wird und ihre Kinder deshalb auf eine andere Schule schicken.

"Für die Hauptschulen bringt dieser Beschluss nichts Positives", sagt Schulamtsdirektor Kurt Bucher. Noch könne er zwar nicht einschätzen, welche Folgen das Verfahren mit sich ziehe, aber: "Die meisten werden versuchen, wenn es irgendwie geht, auf die Realschule oder auf das Gymnasium zu gehen." Schon jetzt kämen "schwierige Schüler an die Hauptschule zurück", die in ihrer Schullaufbahn schon oft gescheitert sind. An und für sich sei es sinnvoll, dass nach der fünften Klasse geschaut wird, ob das Kind auf der richtigen Schule ist. Dass dadurch aber der Druck von den Schülern genommen wird, bezweifelt Bucher.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren