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Konzert

21.07.2019

Schwörkonzert begeistert im Ulmer Münster

Halleluja, das Konzertmotto hat im Münster gezündet-
Bild: Alexander Kaya

Die ungewöhnliche Darbietung vor rund 1600 Besuchern im Münster verbindet großartig Moderne und Tradition.

Eine ungewöhnliche Koppelung von Werken hielt die 1600 Besucher des diesjährigen Schwörkonzerts in ständiger Spannung: Die „Sunrise Mass“ des Zeitgenossen Ola Gjeilo und die 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ von Antonin Dvorak. Motettenchor und Choriosity (Popchor des CVJM) , dirigiert von Friedemann Johannes Wieland, Jeremias Lubberger und Martin Winter sowie das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm zündeten ein gemäß des Konzertmottos #fULMinant mitreißendes Feuerwerk an Melodien und Klängen im Münster. Ola Gjeilo gehört zu einer jungen Komponistengeneration, die sich vom Diktat des Abstrakten gelöst und in ihrer Musik Einflüsse von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Popmusik zulassen. Gjeilos farbige Messe verbindet eingängige Melodien mit überlegt eingesetzten Dissonanzen, minimalistische Begleitung durch das Orchester mündet in eine harmonische Klangwelt, die weit entfernt ist von jener experimentellen Avantgarde, die – so sieht es der Komponist – Jahrzehntelang das Publikum aus den Konzerthäusern trieb: „Was die Menschen von Natur aus empfinden wollen ist (…) ein Gefühl von Erlösung, Freude und Frieden“. Die ist der Grundgedanke der 2007 entstandenen „Sunrise Mass“, deren Verbindung von Chor und Orchester durch Dirigent Wieland wie auch den vereinten Kräften der Chöre zu jenem überschwänglichen „ultimativen Klang“ geformt wurde, der Gjeilo vorschwebte. Den Text entnahm der in den USA lebende Norweger der Messordnung: Kyrie („The Spheres“, die Sphären), „Gloria“ („Sunrise“, Sonnenaufgang), „Credo“ („The City“, die die Stadt), „Sanctus“ und „Agnus Dei“ („Identity“, Identität und „The Ground“, der Grund).

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Durchaus respektvoll geht der Komponist mit den lateinischen Vorlagen um. Wenn auch „Pop“-Verbindungen angekündigt waren, so erklangen diese ganz im Stil und Sinn klassischer Chorwerke – Pop nahm man hier also eher durch eigenwillige Harmonik und Rhythmik wahr, die Stilverbindungen hatten an keiner Stelle etwas erzwungenes, gar grelles. In „The Spheres“ etwa meisterte der fabelhaft disponierte Chorklang die in Anlehnung an alte doppelchörige Chortraditionen angelegten überlappenden Akkordfolgen mit fabelhafter Dynamik und Detailschärfe. In einer Folge von aufgetürmten Moll-Tonleitern klinkt sich schließlich das Orchester ein – und führt zu einer fanfarenhaften Steigerung.

Gjeilo mag diese bis zum forte gesteigerten Klangbilder, und das Publikum goutierte diese sanglich-tonale Musik spürbar, sogar den treibend-kontrastreichen Credo-Satz „The City“. Eine gewiss forsche, oft dramatische Musik, doch in der Ausgestaltung ein Genuss, für den es begeisterten Applaus gab. Der Genüsse an diesem besonderen Konzertabend war es aber damit nicht genug: Dvoraks Symphonie „Aus der neuen Welt“ erklang als fulminantes Gemälde eines Glaubens an das junge Amerika. Der Böhme Dvorak komponierte seine Symphonie in New York. Man erhoffte sich von seiner Musik einen wesentlichen Impuls für eine neue national-amerikanische Konzertmusik. Die Entstehung dieser Symphonie beschrieb Dvorak in einem zeitgenössischen Interview so: „Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl indianischer Melodien. (…) Vollständig erfüllt von ihren Eigenschaften habe ich diesen Geist in meiner neuen Sinfonie zu nachzuvollziehen versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden.“ Diesen frischen Esprit einer neuen Musik kitzelte Wieland aus den Philharmonikern heraus. Das Ergebnis: Ganz herrlich wird die lebhafte Seite des Werkes betont, und reichlich Energie wird freigesetzt in den schnellen Sätzen. Die agile Darbietung gibt der gut bekannten Symphonie prägnante Konturen, nie wird das Werk über Gebühr romantisierend.

Transparent das lyrische „Largo“, hell und elegant wird der stellenweise ins monumentale tendierende Ton des Finalsatzes gesetzt. Wuchtig wo nötig, zart und atmend wo möglich. Ganz herausragend. Ein wenig „Pop“ war dann doch noch, wenngleich ebenfalls sehr subtil als Brücke von Tradition und Moderne von Eric Whitacre: „Enjoy the silence“ von Depeche Mode setzte der Amerikaner als subtiles Chorwerk: „All I ever wanted, All I ever needed, Is here in my arms...“. Alles, was man von diesem Schwörkonzert nur erwarten und erhoffen konnte war großartig und liebevoll umgesetzt.

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