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Ulm/Neu-Ulm

20.07.2020

Schwörmontag: Einsame Runden statt Nabada auf der Donau

Eines der Boote der Wasserwacht Neu-Ulm fährt auf der Donau auf und ab, um wilde Nabader zu entdecken. Doch Martina Köhler, Matthias Scheidl und Nikolai Köhler (von links) entdecken am Montag keine.
Bild: Alexander Kaya

Plus Niemand wagt sich zum Nabada ins Wasser. Die Einsatzkräfte von Polizei, Wasserwacht und Rettungsdienst erleben einen der langweiligsten Schwörmontage in der Geschichte der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm.

Thomas Merk steht am Ufer der Donau, die Hände in die Hüften gestemmt, die Sonne strahlt ihm ins Gesicht. Er blickt auf den Fluss hinaus. Außer seinen Kollegen im Polizeiboot sieht er keinen Menschen auf dem Wasser, auch kein Paddelboot und kein einziges Schwimmtier. Auf die Frage ob er zufrieden mit der Situation sei, schaut sich der stellvertretende Leiter der Neu-Ulmer Polizei um und sagt: „Zufrieden? Nein, es ist wirklich schade.“

Das Coronavirus macht dem Nabada einen Strich durch die Rechnung

Schade sei die Absage des Nabada für die Stadt und für die Menschen, die nach einer ungewöhnlichen Zeit, einen Anlass für ein gemeinsames Fest hätten. „Niemand will an einem solchen Tag die Verantwortung tragen, das ist klar“, sagt Merk. Und man sehe ja, was in anderen Ländern passiere, wenn zu früh gelockert werde.

Wegen der Gefahr der Ausbreitung des Coronavirus haben die Doppelstadt und das Landratsamt den Zugang zur Donau und zur Iller an beiden Seiten gesperrt. Und das stört an diesem Tag bestimmt einige, doch laute Beschwerden gibt es keine. Bis auf die des kleinen Bubs vielleicht, der seiner Mutter mit dem Fahrrad hinterherfährt und „warum, warum, warum“ schreit. Eigentlich würde das Nabada gleich beginnen, doch der Junge darf nicht ins Wasser. An ihm vorbei fährt ein Boot der Wasserwacht Neu-Ulm, die schon seit 12 Uhr mittags unterwegs ist, um die Donau zu kontrollieren.

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Die Wasserwacht Neu-Ulm muss an diesem Tag niemand aus der Donau ziehen

Maximilian Frank aus Pfuhl arbeitet ehrenamtlich bei der Wasserwacht Neu-Ulm. An diesem Tag ist er mit dem Motorboot auf der Donau unterwegs: „Die rechtliche Handhabe haben wir nicht“, erklärt Frank. „Wenn wir jemanden schwimmen sehen, bitten wir ihn erst einmal höflich, aus dem Wasser zu gehen und wenn derjenige sich widersetzt geben wir das an die Polizei weiter“, sagt Frank weiter. Aber außer ein paar Enten, die sich vermutlich über die Ruhe an diesem Tag wundern, schwimmt tatsächlich keiner in der Donau. Auch die Ehrenamtlichen sind erstaunt, wie ruhig ein Nabada sein kann. „Bis jetzt halten sich wirklich alle daran, wir haben noch nicht eingreifen müssen“, sagt Franks Kollege Paul Wolf, der neben ihm auf dem Motorboot sitzt. In der Ferne entdecken die beiden dann doch drei Personen, die sich in der Nähe der Eisenbahnbrücke aufhalten. Nach ein paar Metern müssen die beiden aber schmunzeln: „Ach, nur die Kollegen von der DLRG“, sagt Wolf.

Eigentlich sorgen die Mitarbeiter der Wasserwacht und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beim Nabada dafür, dass kein Boot stecken bleibt, kein Floß umkippt und keiner ertrinkt. Mit drei Booten ist die Wasserwacht am Montag unterwegs, die DLRG ebenfalls, die Polizei hat noch einmal vier Boote im Einsatz.

Wetter und Strömung wären perfekt

Immer wieder begrüßen sich die Einsatzkräfte auf dem Wasser und winken – ein sehr idyllischer Nachmittag. Das ist nicht immer so. „Normalerweise ist der Schwörmontag echt anstrengend für uns“, sagt Frank. Vergangenes Jahr beispielsweise gab es keine gute Strömung und die Helfer mussten einige betrunkene und geschwächte Nabader am Ende aus dem Wasser ziehen. „Die Strömung heute wäre eigentlich perfekt“, sagen die beiden Ehrenamtlichen und lachen. „Und das Wetter auch.“

„Hey, können wir mitfahren?“, rufen einige Männer, die sich unter der Herdbrücke ihr eigenes kleines Lager aufgebaut haben. Heute feiern sie den Junggesellenabschied eines Kumpels. „Tatsächlich werden wir das oft gefragt“, sagt der Pfuhler und winkt den jungen Männern zurück. Einfach so auf den Rettungsbooten mitfahren darf man sonst aber auch nicht. Warum eigentlich? „Wenn man da einmal anfängt...“, sagt Frank. Ein paar Spaziergänger, winken immer wieder einmal oder schauen neidisch auf diejenigen, die Boot fahren dürfen. Blöde Sprüche hören die Einsatzkräfte an diesem Nachmittag keine. Auch bei der Polizei geht es zur eigentlichen Hochzeit des Nabada, um kurz nach vier, immer noch ruhig zu. „Normalerweise wird das immer total unübersichtlich“, sagt Werner Bamberger von der Polizei Neu-Ulm. Er vermutet aber, dass abends mehr los sein könnte.

Die Demonstranten haben Sorge, dass es ohne Impfstoff kein Nabada mehr gibt

Ein paar hundert Meter weiter und eine Stunde später sieht das mit der Ruhe anders aus. Etwa 60 Personen versammeln sich auf dem Münsterplatz, um zu protestieren. Damit der „Rechtsstaat nicht baden geht“, wie das Motto der Demo heißt. Initiator Markus Haintz befürchtet, dass es erst wieder ein Nabada geben wird, wenn es einen Impfstoff gibt. Und das könne noch Jahre dauern. Das hoffen nicht einmal die Einsatzkräfte, die an diesem Tag normalerweise die anstrengendste Arbeit haben.

Hier gibt es mehr Bilder und Texte vom Schwörmontag:

Schwörmontag: Einsame Runden statt Nabada auf der Donau
39 Bilder
So sah es dieses Jahr am Schwörmontag auf und an der Donau aus
Bild: Alexander Kaya


Warum der Schwörmontag nicht baden geht
Schwörmontag in Ulm unter Ausnahmebedingungen

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