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Ulm/Neu-Ulm

04.06.2020

Schwörmontag naht: "Bitte kommen Sie nicht nach Ulm"

Solche Bilder wird es dieses Jahr nicht auf der Donau geben: Das Nabada findet wegen der Pandemie nicht statt. Damit es nicht zu privaten Donau-Partys kommt, werden die Ufer in Ulm und Neu-Ulm am Schwörmontag gesperrt.
Bild: Alexander Kaya

Plus Der Schwörmontag wird dieses Jahr in kleinstem Rahmen veranstaltet. Dennoch werden Massen an der Donau befürchtet – eine Verordnung soll das verhindern.

Tief muss in Ulmer Archiven gegraben werden, um eine ähnliche Situation nachzuweisen: Im Jahre 1635 fiel die Schwörrede aus. Schuld war inmitten des Dreißigjährigen Krieges die Pest. 385 Jahre später bedroht wieder ein Infektionsgeschehen Ulms Stadtfeiertag. Doch, wie Ulms OB Gunter Czisch am Mittwoch im Rathaus sagt: „Der Schwörmontag fällt nicht aus.“ Allerdings wird der 20. Juli des Corona-Krisenjahres eher virtuell stattfinden. Ohne Nabada, ohne Lichterserenade und ohne Partys.

Eine Botschaft will Sabine Gauß, die Leiterin der Internen Dienste im Ulmer Rathaus, bis dahin auf möglichst vielen Kanälen unters Volk bringen. „Bitte kommen Sie nicht nach Ulm.“ Dass das ein schwieriges Unterfangen wird, legt die weit überregional ausstrahlende Magnetwirkung des Schwörwochenendes nahe. Ein Vielfaches der Bürgerschaft ist nach einer Schätzung von Czisch Jahr für Jahr am Schwörmontag auf den Straßen unterwegs.

Schwörmontag 2020: Die Ufer der Donau werden gesperrt

Um ein „diffuses Infektionsgeschehen“ zu verhindern, müssten Menschenmassen dieses Jahr vermieden werden. „Ich glaube, dass die Leute das inzwischen verstanden haben.“ Dennoch werden in der Doppelstadt Schritte eingeleitet, um „Flashmob-Partys“ den Garaus zu machen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Neu-Ulm entstehe etwa eine „Allgemeinverfügung“, die den Zugang zu den Flüssen Donau und Iller beschränkt. Denn auch das wilde Nabada soll durch Absperrungen an den Ufern unterbunden werden. „Uns macht das alles auch keinen Spaß“, sagt Czisch. Doch der Corona-Ausbruch bei einer privaten Feier in einem Gasthaus im norddeutschen Landkreis Leer habe beispielsweise gezeigt, wie schnell Infektionsherde entstehen, wenn Abstandsregeln über den Haufen geworfen werden. Rund um Ulm hätten sich private Grillpartys in Schrebergärten nach Aussagen der Polizei zu potenziellen Problempunkten entwickelt. Auch hier müsste die Polizei gerade am Schwörmontag ein Auge darauf haben.

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Maximal 99 Personen auf dem Weinhof

Erlaubt sind in Baden-Württemberg derzeit Veranstaltungen mit maximal 99 Personen. Entsprechend würden auch die Planungen für die Schwörfeier laufen. Theoretisch wäre bei Einhaltung der Abstandsregeln Platz für 300 Menschen. Sollte sich die Gesetzeslage ändern, würde umgeplant. Und wenn nur 99 Personen erlaubt sind, sollen neben den 40 Stadträten und einigen Mandatsträgern aus dem Alb-Donau-Kreis und dem Kreis Neu-Ulm ausgewählte Vertreter der Bürgerschaft und „Helden des Alltags“ eingeladen werden. „Das können etwa die Menschen sein, die dafür sorgen, dass es in Ulm keine Stromausfälle gibt“, sagt Czisch. An einem Konzept werde noch gearbeitet. Immer wieder benutzt Czisch das Wort „Teilhabe“. Trotz Corona-Beschränkungen solle jeder Bürger der Region die Möglichkeit haben, irgendwie doch Teil des Schwörmontags zu sein. Am liebsten wäre dem OB, dass die Schwörrede im Fernsehen übertragen wird, sodass auch weniger internetaffine Menschen die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Die Übertragung der Rede über das Internet ist sowieso seit einigen Jahren Standard. Der traditionelle Gottesdienst am Schwörmontag werde in „bester Ökumene“ im Ulmer Münster abgehalten. Überlegt werde noch, ob das Schwörkonzert auf den Münsterplatz übertragen werde.

Gastwirte in Ulm - was ist wenn Tausende am Schwörmontag kommen?

Grundsätzliches Verständnis zeigt Czisch für die Sorgen vieler Gastwirte und auch Vereine, für die durch Corona das Schwörwochenende als wichtige Einnahmequelle wegfalle. Biergärten und Gaststätten dürften ihre Lokale öffnen wie an „normalen“ Tagen. Sonderregeln für den Stadtfeiertag gebe es nicht. Die Behörden hätten die „üblichen Verdächtigen“ im Blick und würden genau auf die Einhaltung von Abstandsregeln, Maskenpflicht und Registrierung der Gästedaten achten. Was passiert, wenn dennoch plötzlich Tausende Menschen nach Ulm zum Feiern kommen, möchte sich Czisch nicht ausmalen. „Die Menschen sind diszipliniert“, hofft Czisch. Und es sei ja auch nicht verboten, in die Stadt zu gehen. Sicher werde es eine „erhöhte Polizeipräsenz“ in Ulm am Schwörwochenende geben. Die soll, so Czisch, mit Fingerspitzengefühl agieren und daran erinnern, dass der Sommer dieses Jahr nun mal kein normaler sei. Ausflüge in Richtung Polizeistaat dürfe es nicht geben. „Ich appelliere an die Vernunft.“

Mit Aktionen will die Rathausspitze für Verständnis werben. Czisch sei persönlich „für jeden Spaß“ zu haben, um zu vermeiden, dass der Schwörmontag des Jahres 2020 in die bundesdeutsche Infektionsgeschichte eingeht. Angedacht sei etwa ein Fotowettbewerb „Nabada in der Badewanne“ – in der Hoffnung, dass 2021 wieder richtig gefeiert werden kann.

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Ulm und Neu-Ulm verwandeln sich in eine große Partymeile

Die rheinischen Rosenmontagsumzüge sind zwar ein buntes Spektakel, doch gegen den alljährlichen Ulmer Wasserumzug, das Nabada am Schwörmontag, wirken sie doch eher wie Spaß vom Reißbrett: preußisch penibel durchorganisiert. Auf der Donau dagegen geht es wild, ungezügelt und unglaublich lustig zu.
39 Bilder
Wild und bunt: So war das Nabada auf der Donau
Bild: Alexander Kaya
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