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Ulm

02.06.2019

Seiler & Speer in Ulm: So lässig können nur Österreicher sein

Was genau ist das eigentlich, was Seiler & Speer da machen? Egal, die Musik kommt an. Auch bei ihrem Auftritt im Ulmer Zelt.
Bild: Andreas Brücken

Ist das Musikkabarett, Austropop oder Parymucke? Egal. Seiler & Speer haben auf der Bühne im Ulmer Zelt Spaß – und geben ihn im Handumdrehen ans Publikum weiter.

Als „Piefke“, wie die Österreicher ihre (nord-)deutschen Nachbarn halbwegs liebevoll-frotzelnd nennen, hat man den austriakischen Geist immer dann am besten verstanden, wenn man dem Volksmund lauschte. Das kann man auch beim angesagten Duo Christopher Seiler und Bernhard Speer aus dem österreichischen Bad Vöslau. Seiler ist Kabarettist und Schauspieler, Speer Filmemacher und salonfähiger Gitarrist. Was zunächst als „Spaßprojekt“ begann, wurde bald mehr. „Waunst amoi nu so ham kummst, samma gschiedene Leit“ ratterte 2015 die Hitparaden der Alpenrepublik rauf und runter und schwappte dann schnell auch zu uns herüber. Mittlerweile gehört das, was die „Raunzer“ und „Grantler“ an zugespitztem Songmaterial exportieren zum Standard und ist wohl auch darum den eifrigen Zeltgängern so gut wie auswendig im Ohr. Und doch: Seiler & Speer segeln immer noch hart an den Küsten des Geheimtipps entlang, vielleicht auch, weil man sie nicht ganz einordnen kann. Wohin gehört das Duo? Klassisch-entspannter Austropop ist es nicht, wenn es sich auch bisweilen mal so anhört. Musikkabarett? Auch. Partymucke mit ironischem Austria-Akzent? Auch das. Aber es hat wenig Sinn, mit solchen Kategorisierungen zu arbeiten. Weil Seiler & Speer einen ganz eigenen Stil entwickelt haben, der auch hierzulande eine stetig wachsende Fan-Gemeinde erobert – wie das proppenvolle Zelt leicht bewies. Ihre Top-Titel wie „Sollts Leben“, „Herr Inspektor“ und „Bonnie und Clyde“ fehlten in Ulm nicht.

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Die beiden Österreicher sorgten dafür, dass es auf wie vor der Bühne glücklich, fröhlich, urentspannt abging. Zwar kam der Sound manchmal einen Tick zu dumpf rüber, aber egal. Das Duo, prächtig unterstützt durch die Band, rappt und hip-hopt, rockt veritabel und scheut auch nicht die (Anklänge an) Seichtheiten künftiger Ballermann-Beschallung. Der Hit „Ham kummst“ durfte nicht fehlen und fand natürlich Mitsänger im Publikum.

Seiler & Speer kommen beim Publikum im Ulmer Zelt gut an

Im Lichtgewitter bescherten die Vöslauer ihrem Publikum einen begeisternden Abend, weil ihre Texte sowohl Einblicke in die Natur des Österreichers aber auch in die des Menschen allgemein bieten. Na schön, nicht immer auf Akademiker-Niveau, aber was da gern so harmlos dröhnt, entfaltet seine bitterböse Botschaft mitunter umso heftiger. Aus einer leicht schrägen Perspektive in ganz alltäglichen Situationen beobachtet, erweisen sich kleinste Marotten als Gemeinheit mit österreichischem Zungenschlag. Hinterfotzigkeiten klingen viel menschlicher und verdaubarer, wenn man sie im österreichischen Zungenschlag serviert anstatt in hartem Hochdeutsch. Da wirds manchmal ganz schön derb, aber es bleibt eingängig – für alle, die des Österreichischen eben mächtig sind: „Es nutzt nix – Es hüft nix – mir bleibt nix onders über ois als Loch’n.“ Lachen, darüber hinwegsehen, alles nicht ganz ernst nehmen – und „ob und zua da samma zua.“

Seiler & Speer in Ulm: So lässig können nur Österreicher sein

Seiler und Speer haben auf der Bühne ihren Spaß – und bringen diesen im Handumdrehen ins Publikum. Kluges und Flapsiges wechselt in den Anmoderationen und Songtexten, die Arrangements wechseln manchmal in unerwartet balladeske, sogar anspruchsvolle Arrangements. Und doch ist der schönste Abend irgendwann mal rum, viele neue Anhänger für den Austro-Fetischismus gewonnen. Und jetzt weiß man auch, „um wos es eh geht“. Die österreichische Lässigkeit, die bekommt man in die Wiege gelegt. Weißt eh.

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