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Weißenhorn

25.11.2019

Selber nähen ist wieder im Trend

Beim Flohmarkt für Profi- und Hobbyschneider im Wirtschafts- und Bildungszentrum Weißenhorn wechselten Stoffe und Näh-Utensilien die Besitzer, hier am Stand von Schneidermeisterin Christine Wiedemann (rechts).
Foto: Angela Häusler

Der Zuspruch beim ersten Schneider-Flohmarkt in Weißenhorn übertrifft die Erwartungen der Organisatoren. Anbieter erzählen, welche Stücke angesagt sind. 

Alles, was das Schneider-Herz begehrt, haben Interessierte am Samstag auf dem ersten Schneider- und Hobbyschneider-Flohmarkt in Weißenhorn finden können. Stoffe, Knöpfe, Garne und Borten türmten sich im Wirtschafts- und Bildungszentrum. Die Resonanz war größer als erwartet – selber nähen ist offenbar wieder in.

Erfreut berichtete Bettina Schließer-Stadtmüller, Obermeisterin der Schneiderinnung Günzburg/Krumbach/Neu-Ulm: „Gleich zu Beginn sind die Leute nur so hereingeströmt.“ Mit so viel Zuspruch hatten die Organisatoren gar nicht gerechnet. Die Innung hatte den Flohmarkt veranstaltet, um das Handwerk der Maßschneiderei wieder einmal ins Bewusstsein zu rufen und auch, um ein wenig mehr Platz in den eigenen Lagern zu schaffen. Insgesamt elf Stände waren im Untergeschoss des WiBiz aufgebaut und mit farbenfrohen Materialien und Näh-Utensilien beladen. „Wir haben alle genügend Schätze, die wegmüssen“, sagte Schließer-Stadtmüller.

Die Schneiderinnung Günzburg/Krumbach/Neu-Ulm hat lediglich neun Mitglieder

Da stimmten die Kollegen zu: „Man kauft so viel ein, und manchmal sind die Augen eben größer als der Verbrauch“, erzählte Heike Voigt, Schneidermeisterin aus Memmingen. Sie hatte Stoffreste, glitzernde Borten und Reißverschlüsse auf ihrem Tisch ausgebreitet. Jetzt im Herbst und im Winter seinem vor allem Schurwolle und warme Walkstoffe gefragt, berichtete sie. Und auch Erdfarben liegen aktuell im Trend: Ocker, Braun, Senfgelb. Doch solche Vorgaben bestimmen stets nur einen Teil der Arbeit, „bei uns ist das Individuelle eben sehr angesagt“, sagte Voigt, die Kunden hätten eben ihre eigenen Vorstellungen.

Solch individuell genähte Kleidung gab es ebenfalls auf dem Flohmarkt zu erstehen: Einzelstücke aus den Ateliers der Schneiderinnen, Jacken, Röcke oder Blusen, die als Musterstücke genäht, aber noch nicht verkauft worden sind.

Große Nachfrage gebe es derzeit bei Nähkursen, erzählte Schneidermeisterin Christine Wiedemann, die in Neu-Ulm solche Kurse anbietet. Das Selbermachen habe gerade auch bei jungen Frauen Hochkonjunktur, „das ist immer mehr im Kommen“. Bei der Anzahl der Lehrlinge schlägt sich der Boom allerdings nicht nieder, und auch die Zahl der Maßschneidereien in der Gegend ist nicht gerade hoch: Die Schneider-Innung hat derzeit neun Mitglieder.

In einem Workshop gibt es Tipps für die Gestaltung von modischen Accessoires

Zu ihnen gehört Schneidermeisterin Waltraud Wistuba aus Rettenbach bei Günzburg, die ihr Modeatelier bereits seit 50 Jahren betreibt und eine kleine Auswahl aus eigener Herstellung dabei hatte. Sie plant, wie in der Branche üblich, ihre Produktion ein Jahr im Voraus.

Doch auch Hobby-Schneiderinnen waren auf dem Flohmarkt vertreten: Eine davon war die Sendenerin Jutta Maier, die schon seit ihrer Jugend an der heimischen Nähmaschine näht. „Ich nähe alles Mögliche, von Hosen bis zu Taschen, und habe es von meiner Mutter gelernt“, sagte sie. Auf dem Markt hat Maier sowohl eigene Stoffe verkauft als auch neue gefunden. Eingekauft hat der einzige Herrenschneider auf dem Platz hingegen nicht: Kurt Kröner aus Sontheim wurde lieber Garne in allen Farbschattierungen aus dem Geschäft für Herrenmode los, das er jahrzehntelang betrieben und altershalber aufgegeben hat.

Wie man selbst ein modisches Accessoire gestalten kann, erfuhren die Besucher bei einem kleinen Workshop. Dort erhielten sie eine Anleitung, wie eine ausrangierte Jeanshose in ein dekoratives Kissen verwandelt werden kann: In Streifen zerlegt und spiralförmig auf runden Stoff genäht, ergibt sich ein dekoratives Schmuckstück fürs Sofa.

Mehr über die Schneiderinnung lesen Sie hier:

Handwerk im Landkreis: Kleine Schneidereien haben es schwer

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