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Kinderbetreuung

11.05.2018

Senden fehlen Kita-Plätze

Bei der Kinderbetreuung gehen die Ansichten auseinander: Während die Stadträte größere Kindergartengruppen favorisieren, halten das Bürgermeister und Verwaltung nicht für den richtigen Weg.

Nach neuen Berechnungen braucht die Illerstadt bald elf zusätzliche Gruppen

Die Stadt muss in den nächsten Jahren ein erhebliches Defizit an Kindergarten- und Krippenplätzen ausgleichen, davon geht die Verwaltung nach jüngsten Berechnungen aus. In der neuen Bedarfsanalyse ist von insgesamt elf fehlenden Gruppen die Rede. Wohlgemerkt: zusätzlich zum geplanten Neubau auf dem Webereigelände. Der Schul-, Bildungs- und Kulturausschuss beschloss aber, anders zu rechnen: Die Gruppenanzahl reduziere sich, wenn mehr Kinder in einer Gruppe sind, 25 statt 23. Den Beschluss hat die Verwaltung am Mittwoch kommentiert: 25 Kinder pro Gruppe seien zu viel.

Mindestens sieben Kindergartengruppen und vier Krippengruppen müssen laut dem Bericht des Rathaus-Geschäftsbereichs für Bauen, Planen und Umwelt in den nächsten Jahren neu geschaffen werden. Grund dafür seien steigende Geburtenzahlen und dass jetzt auch geplante Baugebiete und neue Wohnungen durch Nachverdichtung bestehender Gebiete in die Berechnungen eingeflossen sind. Das erklärte Geschäftsbereichsleiter Walter Gentner. Wann die zusätzlichen Kapazitäten bereitstehen müssen, lasse sich schwer voraussagen. Vorerst „müssen wir schauen, wie man bauliche und organisatorische Möglichkeiten erschließt“, so Gentner. Vorhandene Strukturen könnten etwa durch Aufstockung oder Erweiterungsbauten vergrößert sowie effektiver genutzt werden. Gentner rechnet bereits 2021/22 mit einem Fehlbedarf von drei Kiga- und zwei Krippengruppen, ab 2022 werden es insgesamt drei Gruppen sein – „mindestens“. Auf längere Sicht müsse sich die Stadt daher um einen weiteren Neubau Gedanken machen, etwa in Wullenstetten. Denn dort werde wegen des Baugebiets „Am Stadtpark“ künftig ein „Bedarfsschwerpunkt“ liegen. In der Rechnung berücksichtigt ist bereits eine weitere Krippengruppe in Aufheim und der neue Anbau in Witzighausen. Untersucht werde aktuell ein Zuwachs der Plätze im Kindergarten des Heilpädagogischen Zentrums, das die Lebenshilfe bald erweitern möchte.

Die erforderliche Anzahl der Gruppen lasse sich verringern, wenn die Maximalbelegung in den Kindergärten von 23 auf 25 Kinder pro Gruppe erhöht werde, sagte Rainer Strobl (CSU) und beantragte den entsprechenden Beschluss. Das reduziere die Kosten erheblich, auch die Krippengruppen könnten mit 13 statt 12 Kindern belegt werden. In anderen Kommunen, etwa Vöhringen, liege der Standard im Kindergarten ebenfalls bei 25. „Auffüllen, so weit wie möglich“, war daher seine Forderung.

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„Mit 25 Kindern streikt Ihnen irgendwann das Personal“, entgegnete Gentner. In Kindergartengruppen befänden sich häufig fremdsprachige Kinder, oft auch welche mit besonderem Förderbedarf, die extra Betreuung brauchten. Zudem erforderten größere Gruppen andere Raumaufteilungen, etwa bei Gruppenarbeiten. Sein Fazit: „Rechnerisch geht es, praktisch nicht.“ Auch Bürgermeister Raphael Bögge war gegen größere Einheiten: „Wir wollen die Kinder halbwegs vernünftig in die Grundschule kriegen.“

Strobl spreche ihm „aus der Seele“ sagte Hans-Manfred Allgaier (CFW/FWG). Aus finanziellen Gründen müsse sich Senden eben nach der Decke strecken und am Machbaren orientieren. Dass die Verwaltung nun mit elf Gruppen mehr rechnet, „musste ich zweimal lesen“, so Helmut Meisel (Grüne). Er war der einzige Stadtrat, der sich gegen eine Vergrößerung aussprach: Eine Qualitäts-Erziehung sei mit 25 Kindern nicht möglich. Auch SPD-Rätin Maren Bachmann zeigte sich überrascht: Sie könne schwer nachvollziehen, „warum sich der Bedarf in 16 Monaten fast verdoppelt hat“, die Baugebiete hätten früher einberechnet werden müssen. Der Beschluss fiel schließlich eindeutig aus: Mit Bögge und Meisel gab es nur zwei Stimmen gegen eine Festlegung auf 25 Kinder in den Gruppen.

Am Mittwoch hat die Stadtverwaltung auf den Beschluss mit einer Erklärung reagiert. Sie betont darin, dass diese Belegung auf Dauer zu hoch sei. Sie könne „mit dem tatsächlichen Betreuungsbedarf nicht in Einklang gebracht werden“, so Geschäftsbereichsleiter Walter Gentner. Das stehe Kindeswohl und Fürsorgepflicht entgegen. Denn je nach Belegung und Buchungszeiten wären dann bis zu drei Fachkräfte in den Gruppen erforderlich. 25 Kinder plus drei Betreuungspersonen brächten außerdem verschiedene Räume an ihre Kapazitätsgrenze. Zumal sich durch die Berechnung des Betreuungsschlüssels weitere Einschränkungen ergeben können. Während „Regelkinder“ nur einen Platz belegen, brauchen etwa Kinder mit Migrationshintergrund rechnerisch 1,3 Plätze und Integrationskinder, also Kinder mit Behinderung, 4,5 Plätze. Es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass die zuständige Aufsichtsbehörde prüft, ob die zu großen Gruppen auf Dauer zu Einschränkungen in der Erziehungs- und Bildungsarbeit führen“.

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